22.05.26 - Am Fuldaer Friedhof Frauenberg gibt es einen neuen Mitarbeiter, der vor allem denjenigen sehr zugutekommt, die nicht immer die Zeit dafür haben, die Blumen auf den Gräbern ihrer Angehörigen zu gießen. Der Friedhof ist seit Kurzem Heimat eines Roboters, der sich um die Bewässerung der Grabanlagen kümmert. Der motorisierte Helfer hört auf den passenden Namen "Gießbert" und hat alle "Hände" voll zu tun.
Von dieser Art der autonomen Bewässerungsanlagen gibt es nur wenige in Deutschland – und zwar etwa 40 bis 50 Stück. In Hessen ist der Roboter am Frauenberg-Friedhof sogar der einzige seiner Art. Angeschafft wurde er von Grab- und Landschaftspfleger Lukas Kümmel aus Fulda – nicht um Arbeitsplätze zu sparen, sondern vorhandene besser zu nutzen.
"Im letzten Sommer waren wir an der Belastungsgrenze"

Gießbert in Aktion auf dem Friedhof Frauenberg Fotos: Felix Weigl

Lukas Kümmel neben "Gießbert"

...und im Gespräch mit O|N
Durch die Trockenheit habe man die Arbeit kaum noch schaffen können. Wenn ein Mitarbeiter Urlaub hatte oder krank war, nahmen die Überstunden massiv zu. Auf einer Messe entdeckte Lukas Kümmel den Roboter und nahm Kontakt zum Hersteller auf. Bei der Stadt Fulda waren im Vorfeld einige Genehmigungen einzuholen. "Das war ein etwas längerer Prozess, bis wir von der Stadt die Freigabe bekommen haben", erzählt Kümmel im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Unterstützung bekam er dabei vom Grünflächenamt der Stadt.
Arbeitsplätze werden durch "Gießbert" nicht gestrichen, eher im Gegenteil. "Er unterstützt uns, nimmt uns vor allem Überstunden ab. Aktuell lernt der Roboter noch sein Gebiet kennen. Später ist er aber meist nachts unterwegs, lädt tagsüber, das ist effizienter und spart Wasser", so Kümmel weiter. Die Sorge, dass der Roboter auf Ablehnung an einem sensiblen Ort wie einem Friedhof stoßen könnte, erwies sich als unbegründet. "Die Menschen reagieren wesentlich positiver, als wir uns das vorgestellt haben. Die Leute sind neugierig, fragen nach und der Name kommt auch positiv an." Pietätlos finden es Besucher des Friedhofs den Einsatz von Gießbert auch nicht. Wenn es der Gärtnerei hilft, sei es egal, ob Mensch oder Roboter gießt.
Alltags-Erleichterung auch für ältere Mitbürger

Bald nicht mehr notwendig?

...selber gießen am Friedhof Frauenberg
"Als Friedhofsgärtner arbeiten wir ja auch viel mit älteren Personen, die das Andenken an ihre Lieben wahren möchten, es aber körperlich nicht mehr schaffen, selbst zu gießen. Auch bei diesen Mitbürgern ist die Reaktion extrem positiv, fast euphorisch, dass sie Unterstützung bekommen", so Kümmel gegenüber O|N. Im Sommer ist "Gießbert", der dann auf etwa 50 bis 60 Prozent seiner Leistung laufen soll, eine große Entlastung für Kümmel und sein Team. Auch machen solche Investitionen neugierig auf den Beruf des Landschaftsgärtners. "Wir laufen nicht nur in dreckigen Hosen umher. Solche Technik ist heute fester Bestandteil des Jobs."

Wenn er übernimmt
Aktuell scannt "Gießbert" primär sein neues Revier. Später soll er nachts unterwegs sein, um keine Besucher zu stören. Kennt er seine Strecke, fährt er vollelektrisch autonom zu den Gräbern, die bewässert werden sollen. Ist der Wassertank leer, findet er von selbst seine "Tränke" und füllt seinen Tank wieder mit frischem Wasser.

Aktuell lernt "Gießbert" sein Revier kennen

...auf dem Weg zur "Tränke"

Auffüllen mit Frischwasser
Die Nutzung eines Roboters zum Gießen von Gräbern ist einmal mehr ein Paradebeispiel dafür, inwiefern die Automatisierung von Arbeitsprozessen durch immer weiter fortschreitende Technik auch im Alltag von großem Nutzen sein kann. Mit "Gießbert" konnten Lukas Kümmel und auch der Frauenberg-Friedhof einen echten Profi in Sachen Bewässerungstechnik für sich gewinnen, der dem Friedhof nach seiner Einarbeitungsphase hoffentlich lange erhalten bleibt.
(pg/fw) +++