
Darum sind "Healthfluencer" so gefährlich. - Symbolbilder: Pixabay
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O|N-Arzt klärt auf
Gesundheit in den Sozialen Medien: Darum sind "Healthfluencer" so gefährlich
09.06.26 - Gesundheit ist seit jeher ein emotional besetztes Thema - kaum ein anderer Bereich polarisiert so stark wie das körperliche und psychische Wohlbefinden. Viele Menschen entwickeln individuelle Vorstellungen darüber, wie Krankheiten entstehen und behandelt werden sollten. Diese persönlichen Krankheitstheorien basieren jedoch nicht immer auf evidenzbasierter Medizin, sondern teilweise auf unseriösen Methoden. Dazu zählen beispielsweise Praktiken wie die Homöopathie, deren Wirkung wissenschaftlich nicht über den Placeboeffekt hinaus nachgewiesen werden konnte, und andere Praktiken, die in bestimmten Fällen sogar gesundheitliche Risiken bergen können.

Eine Tiktok-Studie zeigt erschreckende Ergebnisse.
Eine besonders auffällige Entwicklung dieses Trends zeigt sich auf sozialen Netzwerken wie TikTok oder Instagram. Dort verbreiten sogenannte Health-Influencer täglich Inhalte rund um Gesundheitsthemen. Diese erstrecken sich von Fitness- und Ernährungstipps bis hin zu Beiträgen über ernsthafte körperliche und psychische Erkrankungen. Problematisch ist dabei, dass längst nicht alle Influencer über die notwendige fachliche Kompetenz verfügen. Viele besitzen weder eine Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf noch ein entsprechendes Studium.
Wie gravierend die Folgen dieser Entwicklung sein können, zeigt eine Studie der Universität Duisburg-Essen. Forschende analysierten 180 TikTok-Videos zu Themen der psychischen Gesundheit, darunter ADHS, Depressionen und Angststörungen. Das Ergebnis war alarmierend: Rund 80 Prozent der Beiträge enthielten falsche oder unzureichende Informationen. Lediglich jedes fünfte Video war fachlich korrekt. Besonders besorgniserregend ist, dass etwa jedes dritte Video sogar gravierende Fehlinformationen verbreitete, die im schlimmsten Fall gesundheitliche Schäden verursachen können. Für hilfesuchende Menschen sollte dies ein deutliches Warnsignal sein.

Auch Ferndiagnosen per KI nehmen immer mehr zu.
Auch bei körperlichen Beschwerden präsentieren sich Health-Influencer und "Dr. Google" häufig als vermeintliche Experten. Nicht selten führt dies dazu, dass Patientinnen und Patienten unnötig verunsichert werden und in permanente Angst geraten. Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz dürfte diese Problematik zusätzlich verstärken. Dabei zeigt bereits die klassische Telemedizin, wie schwierig medizinische Diagnosen selbst für ausgebildete Fachkräfte ohne persönliche Untersuchung sein können.
Hinzu kommt, dass Health-Influencer kaum regulatorischer Kontrolle unterliegen. So können selbst medizinische Laien Nahrungsergänzungsmittel oder vermeintliche Wundermittel bewerben, die angeblich schwere Krankheiten wie Krebs heilen sollen, häufig ohne wissenschaftliche Grundlage und zu hohen Preisen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch zahlreiche seriöse Ärztinnen, Ärzte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe, die soziale Medien nutzen, um sachlich und fundiert über Gesundheitsthemen aufzuklären. Nutzerinnen und Nutzer sollten sich daher nicht von weißen Kitteln, professioneller Inszenierung oder vermeintlicher Autorität täuschen lassen.
Fest steht: Für viele Menschen ist das Internet mittlerweile die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen. Werden Quellen kritisch geprüft, können digitale Informationen durchaus hilfreich sein. Bei ernsthaften Beschwerden oder insbesondere in Notfallsituationen sollte jedoch immer professionelle medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. In den meisten Fällen ist der Gang zur Hausärztin oder zum Hausarzt sinnvoller, als anonymen Ratschlägen aus dem Internet zu vertrauen. (Adrian Böhm) +++