FULDA Größte Fußprozession im Bistum

Über 500 Pilger sind jetzt auf der Wallfahrt nach Wallldürn

31.05.26 - Wallfahrten haben im Bistum Fulda eine jahrhundertealte Tradition. Auch in diesem Jahr sind wieder über 500 Gläubige nach einem Aussendungsgottesdienst im Fuldaer Dom zu ihrer alljährlichen Wallfahrt nach Walldürn aufgebrochen. Im Jahre 1706 wurde die Wallfahrt in dem baden-württembergischen Ort als Pestwallfahrt gelobt und findet seitdem alljährlich ohne Unterbrechung in der Zeit vom Samstag nach Pfingsten bis zum Mittwoch vor Fronleichnam statt. Am frühen Samstagmorgen machten sich wieder über 500 Wallfahrer auf den 160 Kilometer langen Weg.

Die 505 Wallfahrer sind am Samstagmorgen nach Walldürn aufgebrochen. Hier auf der ...Alle Fotos: Martin Engel

Winfried Möller bei der Aussendungsfeier im Fuldaer Dom

In diesem Jahr findet die Wallfahrt zum Heiligen Blut von Fulda in den badischen Ort Walldürn zum 321. Mal statt. Die Wallfahrerinnen und Wallfahrer kommen nicht nur aus dem Raum Fulda, sondern auch aus dem Vogelsberg, dem Hersfelder Raum, dem Kinzigtal, Thüringen und Unterfranken sowie aus Orten am Wallfahrtsweg. Vereinzelt nehmen auch Wallfahrer aus anderen Regionen Deutschlands teil. Jedes Jahr wird im Wallfahrtsort Walldürn das Jahresthema der Wallfahrt neu festgelegt. Es lautet für 2026: "Die Liebe hört niemals auf" (1 Kor. 13,8). Das jährliche Leitwort wird durch das Pastoralteam festgelegt und begleitet thematisch das Wallfahrtsgeschehen.

Zum Organisationsteam gehören Barbara Gutmann, Stefan Bildhäuser und Winfried Möller, der bereits im 53. Jahr mit auf die Pilgerreise geht. "Diese Wallfahrt ist mir wichtig, sie ist ein Teil meines Glaubensinhalts", sagt Möller. Beim Gehen könne man sich gut seinen Gedanken hingeben und fühle sich in der Glaubensgemeinschaft aufgehoben. Er zehre noch das ganze Jahr davon. Und Barbara Gutmann ergänzt: "Beten und Singen erhebt das Herz, Pilgern ist Balsam für die Seele."

Die meisten Teilnehmer der Wallfahrt sind seit Jahrzehnten jedes Jahr dabei. "Wir ehren in diesem Jahr zum Beispiel Georg Bahr, der bereits zum 50. Mal dabei ist, aber auch sieben weitere, die schon seit 40 Jahren dabei sind", berichtet das Orga-Team. Und auch ein inzwischen 83-Jähriger gehe mit auf die Wallfahrt. Die 40-köpfige Musikgruppe unter Leitung von Michael Edelmann unterstützt die Wallfahrer musikalisch mit Blech- und Holzblasinstrumenten und begleitet traditionelle Marien- und Wallfahrtslieder.

Die Wallfahrt von Fulda nach Walldürn ist zurzeit die größte zusammenhängende Fußprozession des Bistums Fulda. In ihr finden sich Menschen zusammen, um ihren Glauben zu leben. Gebet, Gesang, Schweigen und sich im Gespräch austauschen sind Elemente auf dem Weg. Die Wallfahrt ist geprägt von gegenseitiger Achtung und Unterstützung, von der Gastfreundschaft der Menschen in den Ortschaften am Weg, besonders den Pause-Orten, die dafür sorgen, dass die Wallfahrenden verpflegt werden oder Übernachtungsplätze erhalten. "Die Familien, die uns auf unserem Weg beherbergen, tun das nicht für Geld, sondern aus Gastfreundschaft, und verpflegen uns mit Mittagessen und Kaffee und Kuchen für einen kleinen Obolus", erläutert Winfried Möller. Das Wetter spielt keine Rolle, gewallt wird auch bei Hitze, Dauerregen und frischen Temperaturen. "Ich gucke keinen Wetterbericht, wir nehmen es immer, wie es kommt", sagt Möller.

Walldürn

In der Stadt Walldürn im Neckar-Odenwald-Kreis wird in der Wallfahrtskirche in einem Silberschrein über dem Blutaltar ein Leinentüchlein (Korporale) aufbewahrt, das von dem Priester Heinrich Otto als Unterlage für Kelch und Hostie im Gottesdienst im Jahre 1330 benutzt worden war. Während der Messe hatte dieser aus Unachtsamkeit den Kelch mit dem konsekrierten Wein umgestoßen, der sich auf das Korporale ergoss. Es zeichnete sich das Bild des Gekreuzigten, umgeben von elf "Veronicae" (das dornenumwundene Haupt Christi) ab. Heinrich Otto versteckte voll Schrecken das Leinentüchlein unter der Altarplatte und erst auf dem Sterbebett gestand er das Geheimnis des verborgenen "blutigen Korporales".

Seit Beginn der Wallfahrt nimmt diese immer den gleichen Streckenverlauf, nutzt Rad-, Feld- und Waldwege, führt aber auch über Bundesstraßen. Letzteres stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Verkehrssicherung wird in Absprache mit dem Regierungspräsidium Kassel, den Ordnungsbehörden der einzelnen Landkreise in Zusammenarbeit mit der Polizei von geschulten Mitgliedern der Malteser und dem Deutschen Roten Kreuz sichergestellt. (ci)+++


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