Benefizkonzert für den Hospizverein "Zwischenraum" - Fotos: Jürgen Boe

BAD HERSFELD Ein Nachmittag, der die Zeit vergessen ließ

Benefizkonzert für den Hospizverein "Zwischenraum"

01.06.26 - Wenn Stimmen und Klänge miteinander verschmelzen, entsteht oft etwas, das größer ist als die Summe seiner Teile. Genau das war am Sonntagnachmittag in der Bad Hersfelder Stadtkirche spürbar. Das Gotteshaus war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt, ein überwältigendes Zeichen der Solidarität und Wertschätzung für den Hospizverein Zwischenraum e. V., der nach seiner Gründung vor einem Jahr nun mit einem emotionalen Benefizkonzert ein tiefes Ausrufezeichen der Menschlichkeit setzte.

Geschenke, die man nicht kaufen kann

Schon zur Begrüßung fand Dekan Michael Zehender die passenden, tiefgehenden Worte. Ein Hospiz, so Zehender, schenke das Kostbarste, was es in unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft gibt: "Zeit. Zuwendung. Nähe. Dinge, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann." Es war der emotionale Taktgeber für einen Nachmittag, der unter dem Leitmotiv stand, gemeinsam und im Miteinander für eine Weile die Zeit zu vergessen. Karin Apel vom Hospizverein blickte auf die Anfänge zurück und betonte, wie aus einem Moment des Umbruchs im Nachklang etwas völlig Neues entstehen durfte: der "Zwischenraum". Ein Ort, der Halt gibt, wenn das Leben aus den Fugen gerät. Denn, so Apel sichtlich bewegt: "Unsere Arbeit beginnt genau dort, wo Worte fehlen." Der heutige Tag solle genau diesen Zwischenraum spürbar machen. Berühren und tragen.

Von Tulpen, Tränen und der Freiheit der Gedanken

Was folgte, war ein perfekt inszeniertes Wechselspiel aus tiefer Nachdenklichkeit, berührenden Erinnerungen und befreiendem Humor. Das Programm zeigte eindrucksvoll, dass Trauerarbeit und Lebensfreude kein Widerspruch sein müssen. Ein Blütenmeer für eine letzte Reise: Passend zum Auftritt des Dippelmühlen-Chores "Querbeet" war die Stadtkirche farbenfroh mit Tulpen geschmückt. Als der Chor das berühmte "Tulpen aus Amsterdam" anstimmte, ging ein Raunen durch die Reihen. Moderatorin Edeltraut Kötter, die mit unheimlich viel Herz und Empathie durch den Nachmittag führte, verknüpfte das Lied mit einer intimen, wahren Geschichte: Es war das Lieblingslied einer Dame, die sie zuletzt auf ihrem letzten Lebensweg begleiten durfte.

Freiheit und Aufbruch: Mit dem Volkslied-Klassiker "Die Gedanken sind frei" (aus dem Jahr 1842) schlug das Programm eine Brücke zum Wesen des Zwischenraums. Ein Ort, an dem man schweigen und doch alles sagen darf. Die Kernbotschaft des Nachmittags war in jeder Note greifbar: Niemand bleibt hier alleine.

Musikalische Glanzlichter und prominente Unterstützung

Auch instrumental wurden an diesem Nachmittag Maßstäbe gesetzt. Mathias Laufer-Klitsch verzauberte das Publikum am Saxophon unter anderem mit einer jazzig-eleganten Eigeninterpretation von Frank Sinatras und Count Basies "Fly me to the moon" sowie dem stimmungsvollen "Summertime". Ebenso Querflötistin Hildegard Kuchler, die auch den Gemischten Chor aus Niederthalhsusen dirigierte. Für Gänsehautmomente sorgte Edeltraut Kötter auch selbst am Mikrofon. Begleitet von Helga Herting am Klavier berührte sie das Publikum mit dem Text- und Liedvortrag "Was wird sein, wenn die Sonne nicht mehr scheint". Es folgte eine ganz ureigene, ergreifende Version von Udo Jürgens' "Ich glaube", getragen von Helga Hertings einfühlsamem Spiel am E-Piano. Dieses hochkarätige und emotionale Programm lockte auch viel Prominenz in die vollbesetzten Kirchenbänke. Unter den Gästen blickten Pröpstin Sabine Brandau-Kropf, Bürgermeisterin Anke Hofmann, die Landtagsabgeordnete Tanja Hartdegen und Landrat Torsten Warnecke sichtlich bewegt auf das Geschehen. Sie alle erlebten eine Veranstaltung, die eben anders war. Intim, ehrlich und voller Würde.

Stadtkirche in Bewegung

Zum Finale hielt es niemanden mehr auf den Bänken. Erst stimmte die Gemeinde das traditionelle, verbindende "Kein schöner Land" an, bevor die gesamte Stadtkirche im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung geriet. Als alle Protagonistinnen, Akteure und Chöre gemeinsam den kölschen Klassiker "Bye, bye ihr Leut" von den Bläck Fööss anstimmten, mischte sich die Wehmut des Abschieds mit der puren Energie des Aufbruchs. Ein Jahr Hospizverein Zwischenraum e. V. und dieses Benefizkonzert hat bewiesen, dass der Verein nicht nur ein stabiles Fundament hat, sondern getragen wird von einer Idee, die Herzen öffnet und Menschen verbindet. (mp/pm) +++


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