01.06.26 - Die Esperantohalle verwandelte sich am Sonntagabend in ein überdimensionales Klassenzimmer: Mehr als 2.000 Besucher waren gekommen, um Deutschlands wohl bekanntesten Lehrer-Comedian Johannes Schröder alias "Herr Schröder" mit seinem aktuellen Programm "Der Rest ist Hausaufgabe" live zu erleben. Und schon die ersten Minuten machten deutlich: Der Abend würde eine ebenso humorvolle wie pointierte Doppelstunde werden.
Auf der Bühne wartete eine typische Klassenzimmer-Kulisse mit Schulbänken und dem legendären Overheadprojektor. Bevor Herr Schröder selbst die Bühne betrat, lief zunächst ein Film auf der großen Leinwand. Darin zog der "menschgewordene Overheadprojektor" mit seinem Gerät durch Deutschland und fragte Schülerinnen und Schüler, was sie eigentlich gerne in der Schule gelernt hätten. Die Antworten fielen erstaunlich praktisch aus: Steuern, Finanzen oder Wege in die Selbstständigkeit standen dabei ganz oben auf der Wunschliste.
Kurz darauf folgte die Ankündigung des Abends: "Hier ist der Mann mit den Antworten auf die Fragen, die niemand gestellt hat – begrüßen Sie ihn jetzt im Scheinwerferlicht, Ihren Gastgeber: Herrn Schröder!"
Besondere Verbindung zu Fulda
Schon zu Beginn machte der Comedian deutlich, dass Fulda für ihn kein gewöhnlicher Tour-Stopp ist. "Ich bin sehr gerne in Fulda", erklärte er unter großem Applaus. "Meine allererste Vorpremiere überhaupt war hier in Fulda! Daher verbindet mich eine ganze Menge mit dieser Stadt!" Von Beginn an entwickelte sich ein lebhafter Austausch mit dem Publikum. Immer wieder bezog Schröder einzelne Zuschauer ein und improvisierte mit bemerkenswerter Schlagfertigkeit.
Lehreralltag als Comedy-Goldgrube
Im Mittelpunkt des Programms standen natürlich Schule, Unterricht und die Eigenheiten des deutschen Bildungssystems. "Das Schuljahr ist jetzt quasi fast vorbei", stellte Schröder fest. "Ab jetzt gleiten wir auf einem Viadukt aus Brückentagen direkt in die Adventszeit hinein!"
Auch die Ferienregelungen der Bundesländer blieben nicht verschont. Besonders Bayern bekam sein Fett weg: "Die Bayern haben das Privileg der Pfingstferien. Und wozu? Eigentlich nur, damit sie dann schnell in die Sommerferien rutschen können!"
Mit feinem Gespür für Absurditäten nahm Schröder zahlreiche Rituale des Schulalltags auseinander. So beschrieb er den Schulgong als "in Musik gegossene Unbarmherzigkeit". Besonders perfide sei dabei, dass der Ton mit jedem Schlag tiefer werde. "Es soll einen in die Sklaverei hinabziehen!"
Literaturunterricht für TikTok-Zeiten
Ein weiteres Lieblingsthema des Comedians war die Frage, wie man klassische Literatur zeitgemäß vermitteln könnte. Warum müsse Goethe immer so trocken präsentiert werden? Schröder hatte eigene Ideen: "Die Leiden des jungen Werther – jetzt redet seine Ex!"
Auch die berühmte Gretchenfrage aus Goethes "Faust" wurde kurzerhand ins Social-Media-Zeitalter übertragen: "Wie stehst du zur Religion? Schreib es in die Kommentare!" Oder: "Verlinke jemanden, der auch gerne zu später Stund" durch Nacht und Wind reitet!" Die Mischung aus Bildung, Sprachwitz und moderner Internetkultur sorgte immer wieder für laute Lacher im Publikum.
Von Bundesjugendspielen und Waldorfschulen
Besonders viel Applaus erhielt Schröder, als er verschiedene Schulformen aufs Korn nahm. "Wo sind meine Gymnasiallehrer? Wo sind meine Realschullehrer? Wo sind meine Grundschullehrer?", fragte er in den Saal. Als sich ein Zuschauer als Professor einer Waldorfschule vorstellte, begann Schröder plötzlich, seinen "Namen zu tanzen" – eine offensichtliche Anspielung auf Klischees der Waldorfpädagogik. Die Halle tobte.
Auch die Bundesjugendspiele wurden zum Ziel seiner satirischen Angriffe: "Bundesjugendspiele? Waaas? Dieses alte Sklavenhalterkonzept gibt es immer noch?!"
Warum Jugendliche ständig "Bruder" sagen
Neben dem Bildungssystem widmete sich Herr Schröder auch der Sprache junger Menschen. Dabei schlug er überraschend ernste Töne an. "Wir müssen uns bei der Jugendsprache immer fragen: Welches Gefühl liegt dem zugrunde?", erklärte er.
Das häufig verwendete Wort "Bruder" sei für ihn Ausdruck einer tieferen Sehnsucht. "Es ist das zugrunde liegende Gefühl der Zugehörigkeit und Verbindung." Selbst bei deutlich härteren Beleidigungen erkenne er letztlich ähnliche Mechanismen. Mit gewohnt ironischem Ernst stellte er fest: "Bei "Hurensohn" ist es genau das Gleiche – der Wunsch nach familiärer Nähe."
Über das Älterwerden und die Freude der Grundschüler
Natürlich nahm Schröder auch sich selbst nicht aus. Mit trockenem Humor berichtete er von seinem runden Geburtstag. "Ich bin jetzt 50 geworden", erklärte er. Nach kurzer Pause folgte die Pointe: "Das sind 100 Mark!"
Immer wieder kehrte er außerdem zu seiner Rolle als Lehrer zurück. Besonders amüsant wurde es, als er über Grundschulkinder sprach. "Es gibt nur einen Grund, warum ich nicht an der Grundschule unterrichten könnte", sagte er. "Ich könnte das nicht, weil die Kinder sich auf die Schule freuen!" Dann setzte er nach: "Die weinen, wenn Ferien sind! Unfassbar!"
Eine Doppelstunde voller Lacher
Mit seinem Programm "Der Rest ist Hausaufgabe" bewies Herr Schröder einmal mehr, warum er zu den erfolgreichsten deutschen Comedians gehört. Die Mischung aus Lehreralltag, Sprachbeobachtungen, Gesellschaftssatire und spontaner Publikumsinteraktion traf den Nerv der Zuschauer.
Die mehr als 2.000 Gäste in der nahezu voll besetzten Esperantohalle dankten es ihm mit langanhaltendem Applaus und gingen nach einer humorvollen Doppelstunde gut gelaunt nach Hause, wo sie dann – natürlich – noch fleißig ihre Hausaufgaben erledigten. (Marvin Hucke) +++