Das Foto zeigt die Teilnehmer des Treffens in Dijon vor dem Gebäude in dem das Treffen der "Ehemaligen" vor 65 Jahren stattfand. - Fotos: Stadt Hünfeld

HÜNFELD Das Erbe bewahren

Nachkommen ehemaliger Kriegsgefangener treffen sich in Dijon

08.06.26 - Die Familien und Nachkommen der ehemaligen französischen Kriegsgefangenen des Lagers Hünfeld haben sich im französischen Dijon getroffen. Nachdem alle ehemaligen französischen Kriegsgefangenen des Lagers Hünfeld verstorben waren, wurde die formelle Patenschaft der Stadt Hünfeld mit einer nochmaligen Einladung an deren Nachkommen im Jahr 2023 durch die Rita und Bernard Kohlmann Stiftung zum Abschluss gebracht. Nun hatte einer der Söhne eines "Ehemaligen", René Sabot, unterstützt durch seinen Sohn Jérôme, die Initiative ergriffen und zu einem Erinnerungstreffen der Nachkommen nach Dijon eingeladen.

Die "Ehemaligen" hatten nach ersten Begegnungen in noch kleiner Runde verabredet, sich alljährlich in einem anderen Ort in Frankreich zu treffen, an dem einer von ihnen beheimatet war. Eine erste größere Zusammenkunft fand 1961 in Dijon im Burgund statt und nach 65 Jahren trafen sich nun dort die Nachkommen mit Freunden aus Hünfeld.

Neben Hünfelds ehemaligem Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel, der seit 1978 bei allen Treffen dabei war, und seiner Ehefrau Rita, gehörten der Hünfelder Delegation Claudia Scholl-Kleinfelder mit Ehemann Dieter Kleinfelder sowie Hans Beuting, mit 91 Jahren der älteste Teilnehmer, an. Dieser hatte von zahlreichen Treffen eindrucksvolle Videodokumentationen gefertigt.

In Dijon erlebten die Teilnehmenden ein sehr abwechslungsreiches Programm mit einer Stadtführung. Der Abschlussabend fand in dem Raum statt, in dem sich die "Ehemaligen" 1961 getroffen hatten. Nach einem Gedenken an die verstorbenen "Ehemaligen" dankte Organisator René Sabot der Hünfelder Gruppe für ihr Kommen. Er bezeichnete diese Freundschaft der Ehemaligen mit der Stadt, in der sie viereinhalb Jahre als Gefangene verbracht hatten, als einmalig in Europa.

Claudia Scholl-Kleinfelder überbrachte Grüße und übergab Geschenke von ihrer Mutter Rita Kohlmann, die mit ihrem Ehemann Bernard 1999 die gleichnamige Stiftung zur Pflege des Andenkens an die "Ehemaligen" errichtet hatte, und die in 2023 aufgelöst wurde. Von René Sabot erhielt sie einen Blumenstrauß für ihre Mutter.

Dr. Eberhard Fennel überbrachte neben seinen Dankesworten an René und an Jérôme Sabot Grüße von Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok, ebenfalls verbunden mit kleinen Geschenken. Rita Fennel erinnerte an die Pflanzung einer Eiche im Jahr 1977 durch die Ehemaligen im Hünfelder Bürgerpark, wofür die "Ehemaligen" Erde aus ihrem jeweiligen Heimatort mitgebracht hatten. Sie zitierte den Text von Carl Zuckmayer auf der dort angebrachten Bronzetafel: "Wenn es gestern unsere Pflicht war, Feinde zu sein, ist es heute unser Recht, Brüder zu werden."

Angefangen hatte die Aufnahme der freundschaftlichen Kontakte zu Hünfeld durch einen ersten Besuch einer Gruppe der "Ehemaligen" im Jahr 1962. Vorausgegangen war ein zufälliges Zusammentreffen des damaligen Stadtpfarrers Dechant Karl Melder mit dem Vertrauensmann der "Ehemaligen", Jean Vermesse, der den Wunsch hatte, sich einmal in Hünfeld zu treffen. Der damalige Hünfelder Bürgermeister Wolfgang Strecke ließ ihm daraufhin sofort eine entsprechende Einladung des Magistrats für die "Ehemaligen" mit ihren Familien in der Stadt ihrer Gefangenschaft zukommen ließ.

Da die "Hünfelder Medizin", Aha-Excelsior, sich bis heute großer Beliebtheit bei den "Ehemaligen" und ihren Nachkommen erfreut, spendierte nach den Abendessen in Dijon, wie auch bei den vorausgegangenen Treffen, Dr. Eberhard Fennel eine Runde Aha-Excelsior, der von den Teilnehmern freudig mit dem Hünfelder Aha-Lied besungen wurde. (ems/pm) +++


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