12.06.26 - Am vergangenen Wochenende wurde Fulda – wie immer Anfang Juni – zur japanischen Enklave. Während am Samstag Löher- und Ohmstraße ganz im Zeichen der Hinomaru standen, nahmen am Sonntag die Samurai das Kulturzentrum Kreuz in Horas ein.
Nahezu alle Vereine, Initiativen, Stammtische und Einzelpersonen in Fulda, die Japanbezug haben, fanden sich zu einem zweitägigen Sommerfest zusammen. Während am Samstag die Trading-Card-Gamer Pokémon- und Yu-Gi-Oh.-Turniere im Löwenherz LGS austrugen, konnten sich Anime-Fans im Kino35 drei Filme von Studio Ghibli ansehen, davon zwei in Original mit deutschen Untertiteln. Zwischen den Filmen unterhielten Cosplayer mit einem Catwalk und präsentierten ihre fantasievollen Kostüme. Der Samstag war getragen vom Team des Löwenherz LGS sowie dem Team des Kino35 und des Banzai Anime Clubs.

Das Löwenherz LGS wurde für das Japanfest umdekoriert. Foto: Ana-Madalena Weber

Ab 12.00 Uhr mittags liefen mehrere Yu-Gi-Oh- und Pokémon-Turniere parallel. ...Foto: Ana-Madalena Weber

Auch im im Löwenherz LGS waren vereinzelte Cosplayer zu sehen. Foto: Ana-Madalena Weber
Das Programm im Kulturzentrum Kreuz wurde am frühen Sonntagnachmittag passend vom Streicherquintett der Städtischen Musikschule Fulda eröffnet, das Animemusik aus den Filmen des Studios Ghibli spielte, begleitet von einer jungen Pianistin und unter Anleitung von Karolina Birkstedt. Die moderne Musik, gespielt auf klassischen Instrumenten, verband den populärkulturell ausgerichteten Samstag mit dem eher traditionell gestalteten Sonntag. Denn am Nachmittag präsentierten sich, wie bei einem japanischen Sommerfest üblich, die verschiedenen Vereine und Gruppierungen mit ihrem Können.
Zweite Bühne: Mattenfläche
Das Koryukan Dojo Fulda und das Bujinkan Dojo Fulda präsentierten mit Koryukan (Karate) und Bujinkan (Ninjutsu) zwei Kampfsportabteilungen von Grün-Weiß Fulda. Mit Trainingseinblicken und einem eindrucksvollen Waffenprogramm zeigten sie, woran die Mitglieder seit dem letzten Jahr arbeiteten – beide Abteilungen sind als "Wiederholungstäter" seit dem ersten Fuldaer Japanfest dabei.

Gemütliche Atmosphäre am Samstagabend im Kino35: Animefans und Cosplayer bei Popcorn, ...Foto: Ana-Madalena Weber

Die Gäste wurden am Sonntag mit einer japanischen Legende begrüßt, die zum Schreiben ...Foto: Melanie B. Weber

Das Streicherquintett der Städtischen Musikschule Fulda eröffnete das Japanfest ...Foto: Lana Ritz
Vor allem das Bujinkan Dojo beeindruckte – dabei waren zwei (moderne, aber originalgetreue) Samurairüstungen und ein ganzes Arsenal an verschiedenen Hieb- und Stichwaffen. Eine der Rüstungen lief tatsächlich umher – Bastian Muth, Leiter des Dojo und Trainer, trat nicht im traditionellen schwarzen Gi der Ninja, sondern in Samurairüstung auf. Er führte durch das Programm, das verschiedene Möglichkeiten von Angriff und Verteidigung mit und ohne Waffen zeigte. Zwischendurch legte er allerdings auch das Mikrofon weg und griff selbst ein – und an. Zum Einsatz kamen Katana (japanisches Schwert), Yari (japanische Lanze) und Naginata (Gleve). Ein besonderes Highlight wartete am Ende der Vorführung: An wassergetränkten Reisstrohmatten wurde demonstriert, wie ein Katana erstens korrekt geführt wird und zweitens wie scharf das Schwert ist.

Die Sai (Gabel) ist eine traditionelle Waffe aus Okinawa. Foto: Aaron Köller

Im Kobudo, dem bewaffneten Kampf wird die Sai in verschiedenen Varianten eingesetzt ...Foto: Lana Ritz

Bastian Muth stellte das Bujinkan Dojo Fulda vor. Foto: Melanie B. Weber

Der Einsatz von Langwaffen … Foto: Melanie B. Weber

… wurde eindrucksvoll demonstriert. Foto: Melanie B. Weber

Katana (Schwert) gegen Bokken (Holzschwert) – wer gewinnt? Foto: Lana Ritz
Bonsai- und Suiseki-Ausstellung
Ruhiger ging es auf der Bühne zu: Hier präsentierte der Bonsai Arbeitskreis Hessische Rhön seine schönsten Bäume, in einer feinfühligen Ausstellung mit Suiseki (japanische Betrachtungssteine) zusammengestellt. Als Marek Saalfeld zum Mikrofon griff, um einen kurzen Einblick in die Kunst der Bonsai zu geben, wurde es sehr still im Saal. Die Ausstellung war im Anschluss für die Gäste begehbar, und die Mitglieder des Arbeitskreises standen zum Gespräch bereit.

Die liebevoll gestalteten Bonsai waren mit niedriger Bepflanzung, Podesten und Wandbehang ...Foto: Aaron Köller

Die bizarr geformten Steine sind rein natürlich entstanden und nicht bearbeitet. ...Foto: Melanie B. Weber

Auch aus einer in Deutschland heimischen Hainbuche kann ein Bonsai werden. ...Foto: Melanie B. Weber
Nachwuchskünstler und -künstlerinnen präsentierten sich
Etwas abgeschiedener und ruhiger ist das Kneipchen neben dem Haupteingang des Kulturzentrums. Hier leitete Erinor Cadraku zwei Manga-Zeichen-Workshops an, dazwischen fand eine Autorinnenlesung von Livia Rupp statt, die im Anschluss für Gespräche und Fragen zu ihrem Buch bereitstand.

Erinor Cadraku führte durch die Manga-Zeichen-Workshops. Foto: Lana Ritz

Erinor Cadraku konnte auf Anfrage nicht erklären, warum ausgerechnet fliegende ...Foto: Melanie B. Weber

Autorin Livia Rupp stellte ihren Debütroman "Mein Traum in Edo" vor. Foto: Aaron Köller
Mit dem Löwenherz LGS war ein weiterer Newcomer der Fuldaer Japan-Szene vertreten: Die Jungs aus der Löherstraße beteiligten sich mit Glücksrad und starker Unterstützung beim Catering am Japanfest.
Gegen 17:00 Uhr klang das Japanfest mit einem weiteren Höhepunkt aus: Die Kendama-Challenge forderte das motorische Geschick der insgesamt elf Teilnehmenden heraus. Als Sieger ging Mathias Schäfer hervor – herzlichen Glückwunsch!

An der Schnittstelle zwischen Sport, Akrobatik und Konzentration werden inzwischen ...Foto: Melanie B. Weber

Wer schafft es, die herausfordernden Tricks mit dem Kendama zu meistern? ...Foto: Zakarya El Sheik

Mathias Schäfer kristallisierte sich in mehreren Runden als Sieger heraus. ...Foto: Zakarya El Sheik
Ob es nächstes Jahr ein viertes Fuldaer Japanfest geben wird? "Wir sind in der Planung", versicherte Veranstalterin Ana-Madalena Weber, die als Moderatorin durch den Tag geführt hatte. "Wir müssen einfach sehen, wer dabei ist. Das Japanfest ist nicht kommerziell, sondern wird von den Vereinen und freiwilligen Helfenden getragen. Wenn die Bock haben, machen wir das auf jeden Fall wieder!" (mbw) +++ 
Auch am Sonntag im Kulturzentrum Kreuz waren Cosplayerinnen und Cosplayer zu sehen. ... Foto: Melanie B. Weber
Was kompliziert aussieht, lässt sich mit der richtigen Anleitung ganz gut nachschreiben. ... Foto: Melanie B. Weber
Miyuki Scholz leitete alle, die Lust hatten mitzumachen, in japanischer Kalligraphie an. ... Foto: Rebecca Hauck
Die zwei Workshops waren jeweils sehr gut besucht und zogen Mangafans aller Altersgruppen an. ... Foto: Aaron Köller
Selbstverständlich stand auch ein Tisch mit Origamipapier und Anleitungen bereit. ... Foto: Rebecca Hauck
Origami nach original japansichen Anleitungen. Foto: Melanie B. Weber
Das Wetter meinte es gut mit den Gästen des Japanfests. Foto: Melanie B. Weber
Mizuyoyo (Wasseryoyos) sorgten am sonnigen Sonntag für kühlen Spaß bei den Kindern. ... Foto: Rebecca Hauck
Flummiangeln auf Japanisch: Fische bleiben im Wasser, das Spielzeug wird rausgeholt! ... Foto: Melanie B. Weber
Reisstrohmatte treffen … Foto: Melanie B. Weber
… und idealerweise so treffen, dass das Katana schneidet! Foto: Melanie B, Weber
Trainiert wird langsam und koordiniert, was in der Vorführung schnell und beeindruckend aussieht. ... Foto: Melanie B. Weber