FULDA Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: "Im Herzen eins!" - Hessentag ist zu Ende, wie geht es weiter?

24.06.26 - Das Motto "Im Herzen eins" wirkt wie ein bewusster Gegenakzent zu einer Zeit, in der Gesellschaft und oft auch Kirchen auseinanderdriften. Die ökumenische Zusammenarbeit beim Hessentag in Fulda war deshalb mehr als nur ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm. Sie war ein sichtbares Signal: evangelische und katholische Kirche treten gemeinsam auf, nicht trotz ihrer Unterschiede, sondern mit einem gemeinsamen Kern.

Der eigentliche Impuls des Hessentags könnte darin liegen, dass Ökumene hier nicht zuerst, als theologisches Projekt erlebt wurde, sondern als gemeinsame Praxis. Die vier symbolischen Orte – "Herzmitte", "Herzklang", "Herzzeit" und "Herzblick" – zielten auf Begegnung, Spiritualität, Kultur und Seelsorge im öffentlichen Raum. Das ist ein anderer Zugang als klassische ökumenische Gesprächskreise oder offizielle Erklärungen. Menschen erleben Kirche gemeinsam, bevor sie konfessionelle Unterschiede wahrnehmen.

Gerade in Fulda hat das Gewicht. Die Stadt gilt traditionell als stark katholisch geprägt durch das Bistum Fulda und den Dom. Wenn dort evangelische und katholische Kirchen gemeinsam ein "Herzensprogramm" gestalten, hat das eine symbolische Strahlkraft über die Region hinaus.

Wie es weitergehen könnte? Wahrscheinlich nicht über große neue Strukturreformen, sondern über konkrete gemeinsame Räume und Projekte. Der Hessentag zeigt drei Dinge:

  • Ökumene funktioniert besonders gut dort, wo Menschen gemeinsam handeln statt nur diskutieren.
  • Gemeinsame kulturelle und soziale Angebote erreichen auch Menschen, die kirchlich distanziert sind.
  • Öffentliche Präsenz stärkt beide Kirchen stärker als konfessionelle Abgrenzung.

Stadtpfarrer Stefan Buß. Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

Das Motto "Im Herzen eins" könnte deshalb langfristig bedeuten: mehr gemeinsame Gottesdienste bei Stadtfesten, stärkere Kooperation von Diakonie Hessen und Caritas, ökumenische Jugend- und Musikprojekte oder gemeinsame Orte der Stille und Seelsorge in der Innenstadt.

Interessant ist auch, dass selbst das Hessentagslied bewusst "weltlich anschlussfähig" sein sollte, damit es über kirchliche Kreise hinaus gesungen werden kann. Das zeigt eine Ökumene, die nicht nur nach innen schaut, sondern gesellschaftlich wirken will.

Der eigentliche Prüfstein kommt allerdings erst nach dem Fest. Großereignisse erzeugen oft viel Begeisterung, die danach schnell verpufft. Der Hessentag hat nur dann einen nachhaltigen ökumenischen Impuls gegeben, wenn aus dem temporären "Wir" dauerhafte Zusammenarbeit entsteht — also regelmäßige gemeinsame Projekte, gegenseitige Gastfreundschaft und vielleicht auch eine neue Selbstverständlichkeit im Miteinander der Gemeinden in Fulda.

Dann wäre "Im Herzen eins" mehr als ein Motto gewesen. (Stefan Buß)+++


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