Kurz vor der Zuweisung der Leistungsgruppen durch das Land Hessen: Am Helios St. Elisabeth-Krankenhaus in Hünfeld soll am 1. Juli eine Geriatrie-Abteilung eröffnet werden. - Fotos: O|N Archiv

HÜNFELD Verwunderung und Irritation

Neue Geriatrie-Abteilung am Helios St. Elisabeth? Krankenhäuser: "Kein Bedarf"

30.06.26 - Diese Nachricht aus der Haunestadt Hünfeld (Landkreis Fulda) kommt sehr überraschend. Am 1. Juli 2026 soll am Helios Krankenhaus St. Elisabeth eine neue Geriatrie-Abteilung offiziell ihren Betrieb aufnehmen. Das erfuhr OSTHESSEN|NEWS aus gut unterrichteten Kreisen – die Mitarbeiter wurden per Rundschreiben informiert. In den umliegenden Krankenhäusern, die ebenfalls geriatrische Abteilungen betreiben, sorgen die Pläne für Fragezeichen und Kopfschütteln, auch im Hinblick auf die geplante Krankenhaus-Reform.

Was ist die Geriatrie? In diesem Fachbereich geht es um die spezialisierte Behandlung älterer, mehrfach chronisch kranker Patienten. Ziel der Versorgung ist es, nach einer akuten Erkrankung die Selbstständigkeit und Selbsthilfefähigkeit der Patienten bestmöglich zu erhalten oder wiederherzustellen und ihnen so eine möglichst eigenständige Lebensführung zu ermöglichen.

Bekannt für eine starke Geriatrie: das Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda

In Klinik-Kreisen fragt man sich, warum Hünfeld ausgerechnet wenige Monate vor der Vergabe der Leistungsgruppen durch das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege eine neue Abteilung aus dem Boden stampft. Michael Sammet, Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses in Fulda, bezeichnet den Hünfelder Weg als "sehr mutig" und "wirtschaftlich risikoreich". Er betreibt am HJK mit 120 vollstationären und 30 ambulanten geriatrischen Plätzen sowie jährlich über 2.000 vollstationären Patienten und über 400 in der Tagesklinik eine der größten Geriatrien in Hessen. "In der Region gibt es für eine neue Geriatrie gar keinen Bedarf, zumal wir vor Ort keine Wartezeiten verzeichnen – alle Anfragen werden bedient", betont Sammet gegenüber O|N. Er bemängelt auch, dass es im Vorfeld keine Gespräche mit den Hünfelder Kollegen gab.

Als OSTHESSEN|NEWS mit der Hünfelder Krankenhaus-Chefin Claudia Holland-Jopp im Dezember 2025 ein großes Interview über die Zukunft der Helios-Klinik mit 158 Betten führte, war von der Etablierung einer Geriatrie noch keine Rede.

Sind auch auf geriatrische Patienten spezialisiert: das Eichhof-Krankenhaus in ...

Auch im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach (Vogelsbergkreis) ist Vorstand Thomas Faust "verwundert und irritiert". Die Region sei gut und breit aufgestellt. "Wir können diesen Schritt nicht nachvollziehen, weil die Krankenhausreform eine höhere Qualität für die Patienten in etablierten Bereichen vorsieht und es eher weniger Fachabteilungen in den Versorgungsgebieten geben soll", sagt Faust, der im Eichhof mit seinem Team bestens aufgestellt ist. Aktuell verfügt der Grund- und Regelversorger über 25 stationäre Geriatrie-Plätze, perspektivisch sollen es sogar 40 werden. Pro Jahr werden rund 500 Patienten versorgt. "Mit dem Klinikum Fulda haben wir erst kürzlich einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Eine zusätzliche Geriatrie braucht es aus unserer Sicht nicht."

OSTHESSEN|NEWS hat vom Helios St. Elisabeth Krankenhaus noch keine offizielle Information zu den Geriatrie-Plänen erhalten. Die zuständige Presseabteilung war bislang nicht für unsere Redaktion erreichbar. (Christian P. Stadtfeld) +++


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