01.07.26 - Das 40. Jubiläum der Wohngruppe (WG) Martin in Marbach wurde nicht nur mit einem geselligen und schönen Sommerfest gefeiert, sondern auch mit der Gründung des mittlerweile sechsten "Leben & Arbeiten"-Vereins im Landkreis Fulda – nach Poppenhausen, Neuhof, Bad Salzschlirf, Eichenzell und Großenlüder.
Dabei hätte es der Vereinsgründung vielleicht gar nicht bedurft. Denn in Marbach wird der Gedanke von Teilhabe, Inklusion und Gemeinschaft bereits seit den Anfängen der WG gelebt. Ziel der Vereine ist es, eine inklusive und barrierefreie Gesellschaft direkt vor Ort in den Kommunen zu fördern. Sie ermöglichen Menschen mit Assistenzbedarf oder Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben, heimatnah und mitten im gesellschaftlichen Alltag ihrer jeweiligen Gemeinde.
Björn Bierent von antonius erklärte, in den "Leben und Arbeiten"-Vereinen kämen drei Rollen zusammen: die der Gemeinde als Weichenstellerin, die von antonius als Kompetenzzentrum für Inklusion sowie die der Bürgerschaft. In Marbach hätten sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppe über die Jahre hinweg zu vollwertigen Mitgliedern des Dorflebens entwickelt. Ein Beispiel dafür ist Michael Wirth, der seit 30 Jahren hier lebt: Er ist Mitglied der Feuerwehr, in der Schoppeelf aktiv und unterstützt die SG Marbach als Obmann. Solche Beispiele gelungener Inklusion ins Dorfleben gibt es viele. Stefan Wald, der die WG 31 Jahre lang leitete und ein starkes Netzwerk im Ort aufgebaut hat, stellte dazu lakonisch fest: "Die meisten Menschen in Marbach kennt der Michael."
Claudia Brandes, Bürgermeisterin von Petersberg, betonte mit Blick auf die Vereinsgründung, man habe sich bereits "ganz viele gute Gedanken gemacht". Nun gelte es, diese aus der Theorie in die Praxis umzusetzen. Den Bewohnerinnen und Bewohnern der WG Martin rief sie zu: "Ich bin stolz, eure Bürgermeisterin zu sein und diesen Verein mit ins Leben rufen zu dürfen." Silke Gabrowitsch aus der Geschäftsleitung von antonius würdigte die Offenheit der Marbacher: Sie hätten es den Menschen der WG leicht gemacht, hier zu leben und zu arbeiten. Über 40 Jahre sei so ein starkes und wertschätzendes Miteinander entstanden. Dies sei auch ein besonderer Verdienst von Stefan Wald, der nun in den Ruhestand geht. Dafür sprach sie ihm ihren ausdrücklichen Dank aus.
Die feste Struktur, die der Verein bietet, ermöglicht es nach ihren Angaben nun auch, gezielt Fördermittel einzuwerben und das Ehrenamt stärker in die tägliche Arbeit einzubinden. Ein Beispiel dafür ist Carola Funk, die seit zehn Jahren in Marbach lebt und sich künftig ehrenamtlich in der WG engagieren möchte. Der stellvertretende Ortsvorsteher Carsten Beyer, der einst sein FSJ bei antonius absolvierte, hob die enge Verbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Dorf hervor: "Die WG ist überall gern gesehen."
Bevor die Sektgläser erklangen, nutzte Stefan Wald die Gelegenheit, seine Nachfolgerin vorzustellen: Nina Krönung wird die WG künftig leiten. Die 32-Jährige erhielt aus seinen Händen Mantel und Schwert – die Insignien des Heiligen Martin – als symbolischen Akt der Übergabe der Leitung. Krönung betonte, die Geschichte der WG gehe weiter und sei noch lange nicht zu Ende geschrieben.
Zu Beginn der Feier hatten Pfarrer Jens Körber und antonius-Seelsorger Pater Thomas gemeinsam mit den Gästen einen Gottesdienst gefeiert. Im Anschluss gab es Bratwürstchen, selbstgemachte Salate und gute Laune. (pm/ci)+++