Die Begegnung des Hanauer „Seiteneinsteigers“, der als aktueller Tabellenfünfter noch längst nicht frei von Abstiegssorgen ist, beim Ligaprimus hat Premierencharakter. Erstmals nämlich tragen die erfolgsverwöhnten Rheinländer ein Liga-Heimspiel im ARAG CenterCourt aus – die Halle im Düsseldorfer Tischtennis-Zentrum wurde nicht nur umbenannt, sondern in den letzten Monaten auch renoviert und modernisiert. Der Boll-Klub will sich natürlich gerade angesichts dieser besonderen Umstände nicht vom hessischen Emporkömmling in die Suppe spucken lassen und keinesfalls die Premiere in den Sand setzen. Folglich muss die Hampl-Truppe damit rechnen, auf einen hoch motivierten Gegner zu treffen. Dies gilt auch ohne das Zutun des Weltranglistendritten aus dem Odenwald, Timo Boll, der am heutigen Dienstag nicht im Düsseldorf Einsatzplan vermerkt ist.
Im Hinspiel vor fast 1.500 Zuschauern in der Main-Kinzig-Halle konnte die TGH dem Favoriten lange Paroli bieten und sah beim 1:3 phasenweise sehr gut aus. Doch ausgerechnet Topspieler Chiang Hung-Chieh wird diesmal aufgrund seiner Hüftprobleme fehlen, so dass eine Einzel-Aufstellung mit Jörg Roßkopf, Steffen Mengel und Ruwen Filus als wahrscheinlich gelten darf – für das Doppel dürfte hingegen Nesthäkchen Patrick Franziska zusammen mit Rekordnationalspieler „Rossi“ gesetzt sein. Dabei sein werden also immerhin die beiden Spieler, deren Leistungsaufschwung zuletzt die drei Hanauer Siege in Folge sowie die stolze Serie des Jahres 2010 mit acht Punkten aus fünf Spielen überhaupt erst ermöglichte – Mengels und Roßkopfs bisherige Rückrundenbilanzen lesen sich mit 4:0 beziehungsweise 4:1 ausgesprochen gut. Düsseldorf wird mit dem frischgebackenen Deutschen Einzel-Meister Christian Süß, dem Japaner Seiya Kishikawa und Routinier Trinko Keen versuchen, die Pflichtaufgabe, die dennoch kein Selbstläufer zu werden verspricht, zu lösen.
TGH-Manager Johannes Herrmann: „Chiang wird wohl nicht spielen, es heißt, seine Hüftprobleme seien wieder stärker geworden. Wir haben eine ärztliche Diagnose aus Taiwan angefordert, aber das kann dauern. Sein Fehlen gegen Düsseldorf wäre noch zu verschmerzen, wir werden aber alles versuchen, ihn in den anderen vier Spielen einsatzfähig an Bord zu haben. Besonders das „Matchballspiel“ in Plüderhausen genießt für uns eine hohe Priorität.“ Herrmann schreibt die Partie beim Titelverteidiger aber nicht von vorneherein ab: „Wie immer, wird auch diesmal die Tagesform der Spieler von großer Bedeutung sein. Gleiches gilt für die Motivation, wie sie schon oft für uns der Schlüssel zum Erfolg war. Dass gerade Helmut Hampl seine Spieler besonders gut motivieren kann, ist allgemein bekannt. Wir fahren nicht nach Düsseldorf, um dort die Punkte rasch abzuliefern. Wir wollen uns wehren und dem haushohen Favoriten das Leben schwer machen.“
Dieser denkt allerdings nicht daran, die Truppe von der Kinzig auf die leichte Schulter zu nehmen. Borussia-Manager Andreas Preuß warnt vor dem in der Rückrunde so erfolgreichen Gegner und betont: „Wie immer, wenn wir ohne Timo Boll spielen, müssen wir auf der Hut sein.“ Zu seiner eigenen Mannschaft stellt der Düsseldorfer „Chef“ fest: „Christian und Kishi haben am Wochenende in Berlin gespielt, Christian hatte außerdem eine Magen-Darm-Infektion. Aber er hat sich mittlerweile erholt. Ein Sieg würde uns weiterhin enorme Luft verschaffen und wir könnten beruhigt in die letzten vier Spiele gehen.“
In Sachen Lizenzierung gibt es eine gute und einer weniger gute Nachricht aus Hanauer Sicht zu vermelden: Wie Insider bereits vermuteten, hat Ligakonkurrent TTC indeland Jülich keine Lizenzierungsunterlagen eingereicht und das Ende der Abgabefrist am 15. März verstreichen lassen. Damit wird Jülich - nach 33 Jahren im Oberhaus - nächste Saison zweitklassig spielen. Ein weiterer aktueller DTTL-Klub wird den Herzogstädtern allem Anschein nach aber folgen, da nicht nur die neun übrigen Erstligisten, sondern auch die beiden Aufstiegsaspiranten TTC Ruhrstadt Herne und TSV Gräfelfing fristgerecht sämtliche Unterlagen eingereicht haben. Die definitive Entscheidung der Lizenzierungskommission des Deutschen Tischtennis-Bundes über die Lizenzvergabe kann sich bis zum 24. Mai hinziehen. Somit bleiben auch die Hanauer nicht sorgenfrei und müssen möglicherweise bis zum letzten Spieltag, also bis zum 11. April, gegebenenfalls sogar darüber hinaus zittern.
Mit einem Sieg in der fast nagelneuen Düsseldorfer Arena könnte die TGH alle Planspiele sportlich ad absurdum führen und sich mit großer Sicherheit aus dem Kreis der abstiegsbedrohten Klubs entfernen. (Dr. Stephan Roscher) +++