04.07.26 - Ein Höhepunkt des Jahres für die vielen Orgelmusikfreunde in Osthessen und den umliegenden Regionen: Am Sonntag, den 5. Juli 2026, startet der Internationale Orgelsommer im Fuldaer Dom. In guter Tradition ist es Domorganist Max Deisenroth als künstlerischem Leiter gelungen, herausragende Organisten für Gastspiele in Fulda zu gewinnen. An vier Sonntagen im Juli und August werden renommierte Virtuosen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die große Orgel des Barockdoms zum Klingen bringen.
"Unser jährlicher Orgelsommer mit jeweils vier großen Konzerten hat bei Freunden der Orgelmusik weit über Fulda hinaus hohen Stellenwert", erläutert Max Deisenroth: "Weil wir stets bewusst auch Interpreten und Interpretinnen aus Nachbarländern einladen, ist es in der Tat eine Veranstaltung mit internationalem – europäischem – Flair. Musik kennt keine Grenzen. Diesmal können wir neben zwei Deutschen auch Organisten aus Frankreich und der Schweiz bieten. Freunde konzertanter Orgelmusik werden ihre Freude haben."
Klangvolle Namen
Den Auftakt des Orgelsommers am 5. Juli macht Max Deisenroth, seit Herbst 2025 Domorganist am Dom zu Fulda und künstlerischer Leiter der Konzertreihe. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Pflege der Improvisation, also der Kunst, Musik im Moment und aus dem Moment heraus zu schaffen. Deshalb räumt er Improvisationen im ersten Konzert des Orgelsommers einen gebührenden Platz ein.
Sein Konzert unter dem Motto "Monumente" beginnt gravitätisch mit Bachs Fantasie und Fuge g-Moll. Im Mittelteil spinnt in Alains Variations sur un thème de Clément Janequin aus einem schlichten Thema ein komplexes harmonisches Gebilde, das schließlich wieder schlicht ausklingt. Den Abschluss bilden Sätze aus Widors 6. Symphonie, die allesamt zu den Monumenten der französischen Orgelsymphonik gehören. Zwischen diesen sehr unterschiedlichen Orgelwerken erklingen Improvisationen, etwa über "Wer nur den lieben Gott lässt walten".

Der Fuldaer Domorganist Max Deisenroth eröffnet die Reihe am 5. Juli. Foto: Bistum ...
Am 26. Juli folgt Mona Hartmann. Die Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe ist Professorin für Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik in Witten. "Oper? Orgel!", so überschreibt die junge Organistin ihr Konzertprogramm. Zu hören sind drei Stücke, die nicht alle ursprünglich für die Orgel komponiert worden sind.
Am Anfang steht die berühmte Tannhäuser-Ouvertüre von Richard Wagner in der Transkription von Lemare und der Organistin selbst. Es folgt ein Werk des Franzosen Gabriel Faures, der als Vorlage für seine Suite Pelléas et Mélisande das gleichnamige Schauspiel des Belgiers Maurice Maeterlinck nutzte. Für Orgel wurde dieses Werk von Louis Robillard transkribiert. Den Abschluss des Konzerts bildet mit "Ad nos ad salutarem undam" von Franz Liszt ein im Ursprung tatsächlich für Orgel komponiertes Werk. Aber auch hier ist der Bogen zur Bühne vorhanden, lieferte doch die Oper "Le prophète" von Giacomo Meyerbeer das musikalische Material für dieses bedeutende Werk aus dem Lisztschen Œuvre.

Mona Hartmann aus Witten spielt am 26. Juli an der großen Fuldaer Domorgel. Foto: Bistum ...
Am 16. August kommt Frédéric Blanc (Paris) nach Fulda. Er ist seit 1999 Titularorganist der Pariser Pfarrkirche Notre-Dame d"Auteuil mit ihrer im Kern vom bekannten Orgelbauer Cavaillé-Coll stammenden berühmten Orgel. Blanc nimmt die Zuhörer mit in seine französische Heimat und lässt neben Improvisationen Werke von Komponisten der französischen Romantik erklingen: Duruflé mit dem Prélude aus der Suite, op.5, Tournemire mit einer Choral-Improvisation über "Victimae Pascali Laudes", Vierne mit einer Méditation improvisée und dem berühmte Carillon de Westminster. Und noch einmal Duruflé mit einem Prélude sur l’Introit de l’Epiphanie, einer Meditation und dem Prélude et fugue sur le nom d’Alain. Mit drei eigenen Improvisationen stellt sich Blanc in eine klingende Reihe mit seinen französischen Landsleuten.

Am 16. August kommt Frédéric Blanc aus Frankreich nach Fulda. Foto: Bistum Fulda ...
Beim Abschlusskonzert am 31. August zeigt Stéphane Mottoul aus Luzern (Schweiz) sein Können. Er ist Organist an der Hofkirche St. Leodegar in Luzern. Sein Konzertprogramm ist überschrieben mit "Architektur aus Klang – Jehan Alain & Maurice Duruflé". Musik und Architektur haben von jeher eine enge Beziehung und entwickeln sich in weiten Teilen sehr parallel. Damit öffnen sich Welten, die Mottoul den Zuhörern erschließen möchte.

Den Abschluss gestaltet am 30. August Stéphane Mottoul aus Luzern (Schweiz). Foto: ...
Das Konzert beginnt mit einer Improvisation: Präludium und Fuge im deutschen Barockstil, also in der Form jener Epoche, aus der die Fuldaer Kathedralkirche stammt. Eine Kathedrale ganz anderer Art entsteht mit Maurice Duruflés "Prélude, Adagio et Choral varié sur le "Veni creator"", das einen Bogen zur ehemaligen Fuldaer Abtei spannt. Denn der Text des Veni creator wird Hrabanus Maurus zugeschrieben, der im 9. Jahrhundert Mönch in Fulda war. Nach der Improvisation eines Scherzo im neoklassischen Stil erschließt sich wieder eine andere Klangwelt: die von Jehan Alain, dessen "Trois Danses" zu hören sein werden.
Stilvoller Rahmen, grandioses Instrument
Das breit gefächerte Programm lasse erwarten, dass die Konzertbesucher erneut voll auf ihre Kosten kommen, verspricht der Domorganist. "Unsere populäre Veranstaltungsreihe richtet sich in gleicher Weise an Kenner wie auch an Laien. Denn es braucht keine eigenen Kenntnisse der Orgelliteratur, um sich am breiten Klangspektrum der Königin der Instrumente erfreuen zu können." Der Hohe Dom zu Fulda ist für seine exzellente Akustik bekannt.
Die große Orgel gilt als meisterliches Instrument. Das heute vorhandene Gehäuse aus der Entstehungszeit des Doms wurde 1708 bis 1713 von Adam Oshninger gebaut und hatte 41 Register. Die Schnitzereien stammen von Andreas Balthasar Weber und dem Kunstschreiner Georg Blank. Dieses Gehäuse wurde im Zuge der Gesamtrestaurierung des Fuldaer Doms in den Jahren 1992 bis 1996 restauriert, die ursprüngliche Farbfassung freigelegt und von der heimischen Firma Jean Kramer weitgehend originalgetreu wiederhergestellt. Im Zusammenhang mit dieser Restaurierung wurde auch die technische Anlage der Orgel erneuert. Heute hat die Orgel über 70 Register.
Alle vier Konzerte beginnen an den Sonntagen jeweils um 16:30 Uhr. Gemessen am hohen Niveau der Interpreten ist der Kostenbeitrag mit jeweils 10 Euro (ermäßigt 7 Euro) sehr günstig. Das an der Tageskasse erhältliche Programmheft gibt ausführliche Informationen über die Interpreten und die ausgewählten Werke. Ergänzend zu den großen Sonntagskonzerten des Internationalen Orgelsommers finden im Dom über das Jahr verteilt an vielen Samstagen halbstündige Orgelmatineen statt. (pm/fw) +++