07.07.26 - Das Klinikum in Fulda ist als Maximalversorger einer der wichtigsten Eckpfeiler des Gesundheitssystems in Osthessen. Das zeigt sich zum einen durch den immer weiter wachsenden Wirkungsbereich, aber natürlich auch durch die ständigen neuen Aufgaben, die mit der großen Verantwortung des Klinikums einhergehen. Mark Weinmeister, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel, machte auf seiner "Sommerreise" durch den Bezirk dementsprechend auch in Fulda halt, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.
Das Klinikum stellte vier Themenschwerpunkte in den Vordergrund: die Fachkräftesicherung sowie die Aus- und Fortbildung, die medizinische Versorgung, Digitalisierung und Modernisierung, aber natürlich auch den Campus Fulda, der in Kooperation mit der Uni Marburg wichtige Arbeit leistet.

RP Mark Weinmeister (rechts im Gespräch) konnte spannende Einblicke in das Klinikum ...
Große Verantwortung - große Herausforderungen
Gleich zu Beginn stellte Klinikums-Vorstand Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel die Wichtigkeit des Klinikums für die Region heraus und nannte konkrete Zahlen, die die Dimensionen verdeutlichten: "Wir versorgen jedes Jahr über 40.000 Patienten stationär - ambulant sind es sogar weit über 200.000", so Menzel. Insbesondere in Hinblick auf die Finanzierung des Klinikums, aber natürlich auch der aller anderen Häuser schaue man aber aktuell besonders genau in Richtung Berlin.

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, Sprecher des Klinikum-Vorstands
Regierungspräsident Weinmeister stellt vor allem heraus, dass der gesamte Regierungsbezirk Kassel auf die gute Gesundheitsversorgung, die unter anderem durch das Fuldaer Klinikum geleistet wird, angewiesen ist. "Aus diesem Grund möchte ich auf meiner Sommerreise die Maximalversorger mit ihren Herausforderungen, aber auch ihren Problemen kennenlernen", erklärte Weinmeister.
Fachkräftegesicherung und Ausbau der Notfallversorgung im Fokus

v.l.n.r.: Prof. Dr. Robert Schier, Kathrin Kleine, Tino Just
Im Bereich Fachkräftesicherung sei man mit etwa 330 besetzten Ausbildungsstellen aktuell auf einem guten Weg, dennoch sei ein lebenslanges Lernen weiterhin wichtig, wie die Leiterin des Bildungszentrums Kathrin Kleine betonte. Die Politik stelle zwar immer heraus, dass mehr Fachkräfte im Gesundheitssystem fehlen würden, leider fehle aber immer wieder der Drang, mithilfe von finanzieller Unterstützung etwas an dieser Problematik zu ändern. Dabei hat das Klinikum große Pläne hinsichtlich Aus- und Weiterbildungen, um die Versorgung in der Region zu sichern und vor allem aber auch zu verbessern.

Frederik Schmitt, Erster Kreisbeigeordneter
Auch hinsichtlich der allgemeinen medizinischen Versorgung und insbesondere der Notfallversorgung entwickelt sich das Klinikum immer weiter, stellt aber auch ein entscheidendes Problem heraus. "Wir müssen auch die Gesundheitskompetenz stärken", betonte Prof. Dr. Robert Schier. Mehr als die Hälfte der Menschen in der Notaufnahme gehören nach Ansicht des Klinikums eigentlich gar nicht dorthin. Mithilfe eines Symptom-Checkers bietet man hier aber schon eine Möglichkeit für eventuelle Patienten, sich selbst ein Bild davon zu machen, ob ihr Fall nun wirklich etwas für die Notaufnahme ist. Notfälle, die im Endeffekt gar nicht so gravierend sind, kosten das Klinikum oftmals etwa 200 Euro. Vergütet werden sie allerdings nur mit rund 40 Euro.
Auf Dauer könne das so nicht weitergehen, erklärte Schier dahingehend. "Wir brauchen ein Netz aus Notfallkrankenhäusern, die die Region versorgen können", fügte er hinzu und betonte, dass vor allem der ärztliche Notdienst immer funktionieren müsse - eine große Herausforderung, vor der derzeit nicht nur das Klinikum Fulda steht.
Digitalisierung als wichtiger Aspekt des Fortschritts
Insbesondere in Zeiten, in denen Sachen wie KI immer wichtiger werden, braucht man eine starke Unterstützung der Bundes- und Landespolitik, um die Herausforderungen der Zukunft zu stemmen. Dabei sei es extrem wichtig, die Schnittstellen zwischen den Kliniken und beispielsweise den Hausärzten zu optimieren und Gräben zu schließen. Auch innerhalb des Klinikums wird ein Datenaustausch in Echtzeit benötigt, um effizient arbeiten zu können. Das erfordert natürlich ein gutes Teamwork, aber vor allem auch konkrete und gut ausgearbeitete Strukturen, wie IT-Geschäftsbereichsleiter Tobias Grosch zu verstehen gab.
"Wir stehen vor der Frage: Wie können wir all die Daten zusammenbringen? Hier könnten auch Cloud-Konzepte immer wichtiger werden", erklärte Grosch weiterhin. Hier gäbe es noch Weiterentwicklungsbedarf, aber auch hinsichtlich des Ziels, papierlos zu sein, gibt es noch einige Hürden - hier scheitert es an vielen Ecken oftmals an Bürokratie und Datenschutzvorgaben.
Campus Fulda bietet Bildungschancen
Ein weiterhin förderungswürdiges Angebot des Klinikums ist der Campus Fulda, der in Kooperation mit der Universität Marburg große Bildungschancen bietet und vor allem aber auch Praxiserfahrung für die aktuell 186 Studierenden ermöglicht. "Wir bekommen immer wieder großes Lob von den Studenten" erklärte Achim Hellinger, Facharzt für Chirurgie am Klinikum Fulda. Insbesondere in einer ländlich geprägten Region sei es dem Klinikum sehr wichtig, weiterhin junge Menschen zu begeistern und somit unter anderem auch beispielsweise die Landarztquote zu steigern, aber auch gleichzeitig das Fachpersonal zu halten. "Wir wollen unsere Studenten wie unsere Patienten behandeln - und von den Besten betreuen lassen", führte er aus.
Um auf den Campus Fulda zu kommen, gäbe es laut Hellinger ein Auswahlverfahren, das schon ein wenig an Lotterie grenze. "Die Studierenden wissen zwar, dass es die Möglichkeit gibt, nach Fulda zu kommen, aber nicht jeder wird dafür ausgewählt", so Hellinger, der aber auch betonte, dass es dieses Auswahlverfahren benötige, da es rechtlich nicht anders machbar sei. Die hohe Nachfrage könne man aber teilweise nicht vollständig bedienen, man sei aber weiterhin im Wachstum.
Der kleine Vortrag fand auf der Campusetage mit einem herrlichen Blick über Fulda statt, endete aber in einer kleinen Führung für den RP. Hier ging es unter anderem durch das Herzkatheterlabor und auch durch den Bereich der Radiologie. Der Besuch lieferte für Weinmeister spannende Einblicke in den "Alltag" des Klinikums mit seinen Entwicklungen, aber auch Herausforderungen.
(pg) +++