Ein Plädoyer für Mut, Wahrheit und Selbstbestimmung: Der Essener Künstler Michael Schäfer im Rahmen der Vernissage (erste Reihe, 5. von links) mit den Organisatoren, Gastgebern und Bildpatinnen. - Fotos: Point Alpha Stiftung

RASDORF (RHÖN)/GEISA Mut, Wahrheit und Selbstbestimmung

Beeindruckende Vernissage von "Fearless Women" im US-Camp Point Alpha

08.07.26 - Mut beginnt oft leise – manchmal in einem einzigen Moment, manchmal in einem ganzen Lebensweg. Genau diese Idee trägt die länderübergreifende Ausstellung "Fearless Women – Frauen.Stärke.Sichtbarkeit", deren Vernissage im US‑Camp der Gedenkstätte Point Alpha ein kraftvolles Zeichen setzte. Die Botschaft: Freiheit und Selbstbestimmung brauchen Furchtlosigkeit – und Furchtlosigkeit braucht Mut. Der Essener Künstler Oliver Schäfer zeigt dort 15 farbintensive, ausdrucksstarke Gemälde, die furchtlose Frauen porträtieren, die mit ihrem Handeln unsere Gesellschaft verändert und die Welt ein Stück besser gemacht haben.

Organisiert wurden Vernissage und Kunstausstellung von der Point-Alpha-Stiftung in Zusammenarbeit mit den Frauen der Frauen Unionen aus dem Wartburgkreis und dem Landkreis Fulda. Schirmherrin der Ausstellung ist Prof. Erika Rosenberg-Band, die durch die Biografien über Oskar und Emilie Schindler internationale Bekanntheit erlangte und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Rund 200 Gäste hatten sich zur Eröffnung in der Fahrzeughalle auf Point Alpha eingefunden, einem besonderen Ort, der heute für Begegnung, Gemeinsamkeit, Austausch und für neue Perspektiven stehe, wie Moderatorin Sabine Räth aus Künzell eingangs feststellte. Unter den zahlreichen Besuchern begrüßte Ulrike Jary, Vorstandsvorsitzende der Frauen Union Wartburgkreis, unter anderem auch den Parlamentarischen Staatssekretär Michael Brand (CDU), den Ersten Beigeordneten des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt (CDU), Landrätin Sonja Rahm vom Kreis Rhön-Grabfeld sowie Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Bürgermeister und die Point-Alpha-Vorstände Benedikt Stock und Philipp Metzler.

Die Moderatorin Sabine Räth (links) im Gespräch mit der der zehnjährigen Bildpatin ...

Mut wird weitergeben: Ortrud Tornow hielt bei der Ausstellungseröffnung einen Impulsvortrag ...

Tolle Resonanz: Zur Vernissage hatten sich im US Camp von Point Alpha rund 300 Besucher ...

Starke Frauen werden ausgestellt

"Kunst ist für mich mehr als reine Ästhetik", betonte Künstler Oliver Schäfer an dem Abend. Mit seinen Porträts setzt er Themen wie Rassismus, Antisemitismus, den Einsatz für Natur- und Umweltschutz oder Gewalt gegen Frauen in Szene. Dadurch bekommt seine Kunst eine gesellschaftliche Relevanz. Anne Frank, Meryl Streep, Marzieh Ebrahimi, Ruth Bader Ginsburg, Jane Goodall und viele mehr: Ausgestellt sind Frauen, die sich für eine Sache eingesetzt, die Schicksalsschläge bewältigt oder gekämpft haben für Frieden, Recht, Freiheit, Demokratie oder Gleichberechtigung. Die Lebenswege und Leistungen der Frauen der Kunstausstellung wurden von Journalistin Diana Ringelsiep in Texten zusammengefasst, die Teil der Ausstellung sind.

Besonderes Merkmal der Bilder sind die versteckten Zitate der jeweils dargestellten Frauen hinter den einzelnen Farbschichten. Schäfer betonte im Gespräch mit Moderatorin Sabine Räth: "Ich beginne ein Porträt immer mit einem aufgeschriebenen Zitat, das ich dann übermale. Frauen haben eine Botschaft mit Haltung und sind mehr als nur ihr Äußeres." Mit seinen Werken will der Künstler andere Menschen inspirieren, zu sich selbst zu stehen und sich für gesellschaftliche Themen einzusetzen.

Der Künstler und die Patin Susanne Klüber neben dem Porträt von Marzieh Ebrahimi. ...

Die Schirmherrin der Ausstellung, Prof. Erika Rosenberg-Band, die mit ihrer Biografie ...

Andrea Rübsam sorgte auf Point Alpha für die musikalischen Emotionen. ...

Für jedes der fünfzehn Porträts hatte im Vorfeld eine Frau die Bildpatenschaft übernommen. Die Bildpatinnen nutzen den Abend, um ihre persönliche Verbundenheit mit der auf dem Bild dargestellten Persönlichkeit dem Publikum vorzustellen. Mit dabei auch die 10-jährige Rosalie Nimmich aus Geisa, die für sich ein Bild von Malala Yousafzai entschieden hatte. Das von Oliver Schäfer bildlich dargestellte junge pakistanische Mädchen hatte sich als Bildungsaktivistin engagiert, wurde von Taliban-Kämpfern auf dem Schulweg angeschossen und schwer verletzt. Sie gab allerdings nicht auf und setzte ihre Arbeit fort, wofür sie 2014 als jüngste Person in der Geschichte den Friedensnobelpreis erhielt. "Mala hat sich schon in jungen Jahren dafür eingesetzt, dass auch Mädchen in die Schule gehen dürfen. Das bewundere ich an ihr", begründete die Rosalie Nimmich selbstbewusst ihre Wahl.

Ulrike Jary, Vorsitzende Frauen-Union Wartburgkreis, führte zu Beginn kompakt ...

"Trau dich. Mach’s endlich. Zieh' es durch!"

Schirmherrin Erika Rosenberg-Band hatte die Bildpatenschaft von Emilie Schindler übernommen, mit der sie über viele Jahre eng befreundet war. "Emilie hat gemeinsam mit ihrem Mann hunderte Juden im Zweiten Weltkrieg vor dem Tod gerettet", berichtete Rosenberg. Sie hatte ihr einst folgende Worte mit auf den Weg gegeben: "Angst, Angst? Angst ist ein schlechter Begleiter. Niemals war ich die Frau in Schindlers Schatten. Frauen sind meist stärker als Männer." Weitere Bildpatinnen waren: Danika Mönch (Unternehmerin aus Wutha-Farnroda), Ulrike Jary (Thüringer Landtagsabgeordnete aus Wutha-Farnroda), Heike Münker (professionelle Erzählerin aus Bimbach), Susanne Klüber (Inklusionsnetzwerkerin aus Schleid), Rita Hahn (Mutter von zehn Kindern aus Grüsselbach), Dr. Isabel Hohmann (Rechtsanwältin aus Fulda), Manuela Henkel (Bürgermeisterin von Geisa), Dr. Marion Wagner (Apothekerin aus Fulda), Dr.-Ing. Luisa Kynast (Unternehmerin aus Dermbach), Giesela Feuerstein (Dipl.-Agraringenieurin aus Ebersburg), Diana Herbstreuth (Bundestagsabgeordnete aus Saalfeld-Rudolstadt), Stefanie Klee (hessische Landtagsabgeordnete aus Eiterfeld) sowie Ortrud Tornow (Coachin und Mentorin aus Fulda). In ihrem Impulsvortrag näherte sich Ortrud Tornow vielschichtig dem Thema "Mutige Frauen".

Dank zum Abschluss: Julia Roeschies, Vorstandsmitglied Frauen-Union Landkreis ...

Das Team vom Black Horse Inn unter der Leitung von Angelika Carlson hatte das Catering ...

Zur Stärkung wurden kleine Häppchen serviert.

Sie berichtete lebhaft von mutigen Frauen-Momenten, von Widerstand, von Veränderung und Hoffnung. "Mut wird weitergegeben", betonte die Coachin und Mentorin aus Fulda, "von Mutter zu Tochter, von Frau zu Frau, von Generation zu Generation und von Mensch zu Mensch." Die Stärke der Frau sei kein Auslaufmodell. Sie sei vielmehr Erfahrung, Menschenkenntnis. Zuverlässigkeit, Gelassenheit und die Bereitschaft, Lebenserfahrung weiterzugeben, und den anderen zuzurufen: "Trau dich. Mach’s endlich. Zieh' es durch!" Vor allem Frauen sollten nicht darauf warten, dass die Zukunft einfach so passiert, sondern sie aktiv gestalten. "Es gilt, Entscheidungen zu treffen, für das, was uns wichtig ist. Nicht nur auf der großen Bühne im Rampenlicht, sondern mitten im Alltag", so Tornow. Mutige Entscheidungen bedeuteten nicht, Grenzen zu überschreiten, sondern Grenzen zu setzen.

Musikalisch umrahmt mit einfühlsamen Liedern wurde die Veranstaltung von der Sängerin und Gitarristin Andrea Rübsam aus Ketten. Julia Roeschies, Vorstandsmitglied der Frauen Union Landkreis Fulda, dankte allen Akteuren, besonders der Point-Alpha-Stiftung, für die Möglichkeit, auf dem historischen Gelände des US-Camps solch eine Ausstellung umsetzen zu können. Gefördert wurde die Kunstausstellung von der Partnerschaft für Demokratie Wartburgkreis sowie über die Sparkassenstiftung Wartburgkreis.

"Fearless Women" - Porträts sind in der Geschichte der Kunst von jeher Ausdruck von ...

"Freiheit und Gleichheit gehen uns alle an: Frauen und Männer gleichermaßen. Die Frauenportraits sind über die Kunst hinaus tolle Beispiele für Engagement und für Zuversicht, aber auch für die Seite der Verletzbarkeit", freute sich der Point-Alpha-Vorstand mit Benedikt Stock und Philipp Metzler über eine gelungene Veranstaltung. Die Kunstausstellung läuft bis zum 15. September 2026 und kann zu den regulären Öffnungszeiten im US-Camp der Gedenkstätte Point Alpha, täglich von 10 bis 18 Uhr, besichtigt werden. (mis/pm) +++


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