Kopf-an-Kopf-Rennen Richtung Ziellinie. - Fotos: Christoph Blum

SCHLITZ Kuriose Sportpremiere

Ready, steady, slow! Franz siegt beim 1. Schlitzerländer Schneckenrennen 

19.07.26 - Die Entdeckung der Langsamkeit und Rennsport der etwas anderen Gangart: Rund 50 Schnecken sind am Samstagnachmittag beim ersten Schlitzerländer Schneckenrennen im Hof des Museums "Buisch ahl Huss" in Fraurombach an den Start gekrochen. Der Förderverein Heraklius Wandmalerei und das Museum hatten zu der Veranstaltung nach britischer Tradition geladen – erstmals auf deutschem Boden. Der Erlös kommt der Restaurierung der Wandmalereien in der Fraurombacher Kirche zugute.

Anfeuerungsrufe verhallen hier wirkungslos – Schnecken haben schließlich kein Gehör. Und so verfolgten die zahlreichen Besucher im Museumshof gebannt und erstaunlich geduldig, wie sich die gehäusetragenden Athleten Zentimeter für Zentimeter der Ziellinie näherten. Zeit genug für Organisator Winfried Hauk, zwischen den Läufen allerlei Wissenswertes über die Tiere zu erzählen: Eine Weinbergschnecke kann bis zu 30 Jahre alt werden und je nach Einsatzzweck vier verschiedene Schleimarten absondern. Besonders die Kinder hingen an seinen Lippen – und am "Racing Green".

Großes Medieninteresse beim 1. Schlitzer Schneckenrennen.

6 Minuten und 42 Sekunden Schnecken-Renntempo

Der Modus folgte den strengen Regeln der englischen World Snail Racing Championship, die seit Jahrzehnten im Dörfchen Congham ausgetragen wird: Die Schnecken starten im Mittelkreis einer runden Rennplatte, auf das Kommando des Snailmasters – "ready, steady, slow!" – wird der Ring angehoben, dann geht es Richtung Außenkreis. Die Distanz: ein Fuß, gut 30 Zentimeter. Klingt machbar – für eine Schnecke ist das allerdings fast ein Marathon. In sechs Durchgängen wurde die Zeit bis zur Ziellinie gestoppt, gesamtschnellste Schnecke gewinnt. Und die Sieger der einzelnen Läufe oder besser deren Rennstall erhielten – natürlich Lakritzschnecken.

Am Ende hatte Franz den Fuß vorn: In 6 Minuten und 42 Sekunden schleimte sich der Sieger zum Titel. Ins Rennen geschickt hatte ihn Jesse Lohse, der seinen Champion – wie viele Teilnehmer – selbst mitgebracht hatte. Wer ohne eigenes Tier kam, konnte im Rennstall von "Buisch ahl Huss" eine Schnecke "mieten". Der Lohn für Franz: ein Kristallpokal und ein frischer Salatkopf mit Champignons.

Vorbereitung der Rennschnecken in der "Startbox".

Gerettete Athleten – und ein Herz für die Langsamsten

Winfried Hauk, der sich auch im NABU engagiert, war eines besonders wichtig: Sämtliche Leih-Schnecken stammen aus lebensbedrohlichen Situationen. "Ich habe über Jahre beobachtet, wie Weinbergschnecken nach Regentagen auf Straßen und Radwegen überfahren wurden – also habe ich angefangen, sie einzusammeln", erzählte er. Nach dem Rennen werden alle Tiere wieder in die Freiheit entlassen, vornehmlich in Gärten. Dort sind sie übrigens nützlicher als ihr Ruf: Weinbergschnecken verschmähen frischen Salat und fressen stattdessen die Gelege der tatsächlich schädlichen Nacktschnecken.

Angetrieben wurde beim Rennen niemand – höchstens sanft mit einem Salatblatt gelockt. "Schnecken sind sehr individuell und starrsinnig, sie machen, was sie wollen", so Hauk. "Das lehrt uns Geduld – genau hinschauen, beobachten, abwarten." Womit der tiefere Sinn der Veranstaltung benannt wäre: Entschleunigung. Ganz bewusst wurden deshalb nicht nur die Sieger geehrt, sondern auch die fünf langsamsten Schnecken namentlich gewürdigt: Hermann, Ute, Rainer, Rita und Erwin erhielten einen Sonderpreis – die Schnecke als Wappentier der Langsamkeit ist schließlich seit über 200 Millionen Jahren ein Vorbild an Effizienz.

Wichtig für die Schnecken: Die Rennstrecke immer gut bewässern.

Skandalschnecke Elisabeth und der schönste Hut

Für Gesprächsstoff sorgte ausgerechnet die im Vorfeld groß angekündigte und hoch gewettete Elisabeth: Die Favoritin erschien schlicht nicht zum Rennen – Starrsinn eben… Ganz nach dem Vorbild englischer Rennplätze wurde außerdem der schönste Hutschmuck prämiert. Den Preis sicherte sich Susanne Greb. Bei Kaffee, Muffins und Grillwürstchen ließ sich das Spektakel im Hof des 260 Jahre alten Museums, das Matthias Feick führt, bestens verfolgen.

Das Medieninteresse war beachtlich. Für die Veranstalter steht damit fest: Das Schneckenrennen soll dauerhaft etabliert werden. In Fraurombach lebt man eben das Prinzip der Entschleunigung und hat die Entdeckung der Langsamkeit zum geselligen Event gemacht. (Christoph Blum) +++

Im Ziel: Schnecke Speedy hat's geschafft.

Winfried Hauk erklärt den interessierten Zuschauern das Leben der Schnecken.

Es gab auch Rangeleien im Teilnehmerfeld.

Nicht zu schlagen: Jesse Lohse und sein Franz.

Susanne Greb bekam den Preis für den schönsten Hut.


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