Immer mehr Wüstenstaub gelangt durch Stürme nach Europa - Symbolbild: Pixabay

REGION Belastung in Europa nimmt zu

Wüstenstaub zunehmendes Problem: Folgen für Gesundheit und Solar

20.07.26 - Feinstaub aus den Wüsten Nordafrikas ist nicht nur störend für Autos und Fensterscheiben. Was für die meisten Menschen nur nervig ist, kann für andere sogar gefährlich werden. Auch die Solarenergie ist betroffen. Und die Belastung durch Wüstenstaub nimmt zu.

Forscher aus dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) haben sich ausführlich mit der Feinstaubbelastung durch Wüstenstaub aus Nordafrika beschäftigt und die Ergebnisse sind klar: Die Belastung steigt und könnte sich durch den Klimawandel weiter verschärfen. Um das zu ermitteln, haben die Forscherinnen und Forscher in Zusammenarbeit mit Kollegen aus ganz Europa Daten der letzten zehn Jahre ausgewertet.

Insgesamt hat die Belastung in diesem Zeitraum zugenommen. In Südeuropa sind die Werte mehr als doppelt so hoch wie in Mittel- und Nordeuropa. "Sowohl für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit großer Solaranlagen als auch hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen erhöhter Feinstaubbelastung ist das nicht zu vernachlässigen", so Projektleiter Kaspar Dällenbach vom Zentrum für Energie- und Umweltwissenschaften am PSI.

Feinstaubmessung aus dem Alpeneis

Um noch längerfristige Vergleiche ziehen zu können, wurde auf Eisbohrkerndaten zugegriffen. In den Eisschichten von Alpengletschern fanden die Forscher eingeschlossene Feinstaubpartikel der letzten Jahrhunderte. Im Laufe der vergangenen 150 Jahre, also in der Zeit der Industrialisierung, hat sich die Wüstenstaubkonzentration mehr als verdoppelt.

Von normalem Feinstaub lässt sich Wüstenstaub gut unterscheiden. Die elementare Zusammensetzung ist sehr verschieden. Wüstenstaub ist erkennbar an der Aluminiumkonzentration, während Feinstaub aus städtischen Baustellen beispielsweise eher calciumhaltig ist.

Wüstenstaub kann Gesundheit belasten

Die gestiegene Sterblichkeit an Tagen mit erhöhtem Aufkommen in der Luft ist gut dokumentiert. Deutlich mehr Menschen sterben in dieser Zeit an Herzinfarkten oder Atemproblemen. Längerfristige Auswirkungen hingegen benötigen Langzeitstudien, um etwa Staublungen, Asthma oder chronische Bronchitis als Folge belegen zu können.

Durch Stürme gelangt der Wüstenstaub nach Europa. Deren Anzahl hat sich zwar nicht wirklich erhöht, allerdings sind sie im Laufe der Jahre intensiver geworden und transportieren dadurch mehr Staub nach Europa als früher. Besonders Südeuropa ist davon betroffen.

Unmittelbar lässt sich gegen die Emissionen von Wüstenstaub nichts unternehmen, anders als beim direkt vom Menschen verursachten Feinstaub. Eine Begrenzung der Erderwärmung durch umfassenden Klimaschutz könnte langfristig helfen, die Austrocknung der Wüstengebiete und damit die Ausdehnung dieser Staubquellen zu reduzieren.

Sensible oder lungenkranke Menschen könnten mit Warnsystemen frühzeitig benachrichtigt werden, um Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Auch die Energiewirtschaft könnte davon profitieren. Wüstenstaub in der Luft reduziert die Produktivität von Solaranlagen. Versorger könnten also rechtzeitig mit anderen Kraftwerken ausgleichen und somit die Netzstabilität gewährleisten. (fw/pm) +++


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