
Keine Entwarnung beim Kindesmissbrauch in Deutschland: Immer mehr Kinder und Jugendliche werden Opfer sexueller Gewalt. - Symbolbild: Pixabay
BERLIN
Nach neuen BKA-Zahlen
Schockierend! Missbrauch an Kindern erreicht neue Höchstwerte
21.07.26 - Keine Entwarnung beim Kindesmissbrauch in Deutschland: Immer mehr Kinder und Jugendliche werden Opfer sexueller Gewalt - und Täter verlagern ihre Taten zunehmend ins Netz. Cybergrooming, Livestreaming, Sextortion: Das Internet macht es Tätern leicht, an Minderjährige heranzukommen. Und Künstliche Intelligenz öffnet ihnen neue Türen.
Die Zahlen im Detail: 17.126 Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern registrierte die Polizei 2025, nach 16.354 im Vorjahr. Bei Jugendlichen stieg die Zahl von 1.191 auf 1.239. Zusammen 20.051 minderjährige Opfer. Besonders drastisch: Fälle mit jugendpornografischen Inhalten kletterten um fast 20 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 11.515. Die große Mehrheit der Opfer war zwischen 6 und 13 Jahre alt.
Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Innenminister Alexander Dobrindt, BKA-Chef Holger Münch und Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus hatten es am Dienstag in Berlin vorgestellt.
Wichtig für die Einordnung: Die Statistik erfasst nur Straftaten, die der Polizei bekannt wurden - das sogenannte Hellfeld. Die hohe Zahl hängt damit auch vom Anzeigeverhalten ab. Mögliche Verschiebungen im Hellfeld - etwa durch mehr Hinweise aus dem Netz oder ein verändertes Meldeverhalten - lassen sich aus den Zahlen allein nicht ablesen. Das BKA selbst geht zudem von einem erheblichen Dunkelfeld aus.
Besonders perfide: Mit Deepfakes geht die Schändung immer weiter
Reale Aufnahmen lassen sich mittlerweile auch ohne technisches Vorwissen manipulieren. Täter erstellen mit KI täuschend echte Deepfakes oder entkleiden Personen mit sogenannten Nudifying-Apps digital. Besonders perfide: Auch bereits vorhandene Missbrauchsdarstellungen lassen sich mit KI immer wieder neu bearbeiten - die betroffenen Kinder und Jugendlichen werden so immer wieder zu Opfern. Die psychischen Folgen für Betroffene seien nach Einschätzung der Ermittler ähnlich schwerwiegend wie bei direkter körperlicher sexualisierter Gewalt.

Kerstin Claus, unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern ...Foto: picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH
Münch schlägt Alarm: Allein 2025 übermittelte das US-Kinderschutzzentrum NCMEC über 100.000 relevante Hinweise ans BKA. Doch seit April 2026 klafft durch eine neue EU-Regelung eine Lücke bei der Erkennung von Missbrauchsdarstellungen und Cybergrooming. Eine geplante Interimslösung laufe bereits 2028 wieder aus.
"Cybergrooming" - diese eklige Masche trifft "fast jeden Dritten"
Kerstin Claus wird deutlich: Das Lagebild bilde das wahre Ausmaß der Gefahr im Netz nicht annähernd ab. Sextortion - die Erpressung Minderjähriger mit intimen Bildern, oft nach vorgetäuschter Liebesbeziehung - nehme drastisch zu. Cybergrooming, also die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener zu Kindern im Netz mit dem Ziel sexueller Handlungen, treffe fast jeden dritten 14- bis 17-Jährigen - sei aber bis heute nicht strafbar. Ihre Forderung: Cybergrooming unter Strafe stellen, Sextortion als eigenen Tatbestand erfassen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) Archivbild: O|N / Hendrik Urbin
Dobrindt nennt die Zahlen "erschreckend hoch" und fordert mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden, etwa durch IP-Adressenspeicherung. Die Botschaft ist klar: Der Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen muss sich zunehmend auch im digitalen Raum abspielen. Denn mit der rasanten Entwicklung von KI wachsen nicht nur die Möglichkeiten der Polizei - sondern auch die der Täter. (mmb) +++
