22.07.26 - Der internationale Gedenktag erinnert jedes Jahr am 21. Juli an Menschen, die an Folgen ihres Drogenkonsums oder der Drogenpolitik gestorben sind. Auch in Fulda kamen am Dienstag Vertreter der Aidshilfe, Betroffene und Unterstützer zusammen. Neben dem Gedenken stand ein bestimmtes Thema im Mittelpunkt: die Zukunft der Substitutionsversorgung in Fulda.
Vor dem Bahnhof machten Mitarbeitende der Aidshilfe Fulda e.V. für verstorbene Drogengebraucher auf die Situation aufmerksam. Bundesweit starben im vergangenen Jahr mehr als 2100 Menschen infolge des Konsums.

Christian Großner, Simone Schafnitzel, Lea Hörmann, Milena Günther, Susanne ...

Simone Schafnitzel, Vorstandsmitglied Aidshilfe Fulda e.V., Ehrenamtliche bei ...
Aufmerksam machen statt nur zu erinnern
Schon zum fünften Mal fand die Veranstaltung in Fulda am Dienstag statt. Susanne Maul, Geschäftsführerin der Aidshilfe Fulda e.V. und Simone Schafitzel, Vorstandsmitglied der Aidshilfe Fulda e.V., die gemeinsam das Streetwork-Projekt Sidewalk begleiten, nutzten den Tag, um mit Angehörigen und Interessierten ins Gespräch zu kommen. "Die Unterstützung setzt bei den Betroffenen vor allem auf Akzeptanz - keiner wird verurteilt", sagt Maul. Zu ihrem Projekt gehören regelmäßige Streetwork-Einsätze am Bahnhof, Beratungsangebote, ein monatliches gemeinsames Frühstück und Unterstützung im Alltag. Ziel sei es, Menschen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten, und gemeinsam mit ihnen Lösungen zu entwickeln. "Der Gedenktag ist dazu da, an die Verstorbenen zu erinnern", sagt Simone Schafnitzel im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Aktuell ist es aber auch wichtig, auf die großen Probleme aufmerksam zu machen und Veränderungen anzustoßen".

Es wird gemeinsam reflektiert.

Aussichten: Das Leben mit Substitution.

Wie das Leben ohne Substitution aussehen würde.

Persönliche Karten der Angehörigen für die Verstorbenen.
Die größte Sorge gilt der Substitution
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Aktion war die medizinische Substitutionsbehandlung für opioidabhängige Menschen. Die Mitarbeitenden der Aidshilfe sehen die Versorgung in Fulda langfristig gefährdet. "Wir haben hier seit Jahren eine sehr gut funktionierende Substitutionspraxis mit einem engagierten Arzt", sagt Simone Schafnitz. Dieser habe allerdings schon angekündigt, dass er irgendwann in den Ruhestand gehen werde. Einen Nachfolger zu finden, sei bisher schwierig. Die Sorge - entsprechend groß. Rund 200 Menschen würden derzeit in der Praxis behandelt. "Viele von ihnen gehen arbeiten, haben Familie und führen ein geregeltes Leben", erklärt Schafnitz. Fiele die Versorgung weg, hätte das weitreichende Folgen - nicht nur für die Betroffenen selbst. "Wenn plötzlich über 200 Menschen keine Behandlung mehr hätten, hätte das Auswirkungen auf die ganze Stadt", betont sie. Deshalb brauche es frühzeitig Lösungen und alternative Konzepte.

Schmetterlinge als Symbol des Gedenkens und der Hoffnung.

Zusammenkommen am Bahnhofsvorplatz.

Infomaterial beim Stand.
Der Handlungsdruck wächst
Für die Mitarbeiter der Aidshilfe endet das Thema mit dem Gedenktag nicht. Sie wünschen sich, dass die Stadt die Versorgung suchtkranker Menschen langfristig sichert. Vor allem die Zukunft der Substitutionsbehandlung bereitet ihnen Sorgen. "Das Thema begleitet uns schon seit Jahren", sagt Susanne Maul im Interview. Zwar werde immer wieder nach Lösungen gesucht, aus ihrer Sicht gehe der Prozess aber trotzdem noch zu langsam voran. "Es besteht auf jeden Fall großer Handlungsbedarf und Unterstützung seitens der Stadt." Sollte sich keine Nachfolge für die Praxis finden, hätte das nach Einschätzung der Aidshilfe weitreichende Folgen. Nicht nur für die rund 200 Patienten, auch für ganz Fulda. "Viele führen mittlerweile ein geregeltes Leben, gehen arbeiten und haben Familie. Das darf nicht gefährdet werden" plädiert Maul.

Fünf Maßnahmen, um Leben zu retten.

Der neue Präventionsautomat. Standort: An der Richthalle 11, Fulda.

Dieses Sortiment gibt es.

Infos zum Präventionsautomaten.
Den Blick nach vorn
Zum Einsatz kommt nun der "Präventionsautomat", ein umfunktionierter Zigarettenautomat von der Aidshilfe am Bahnhof. Dort sind unter anderem sterile Spritzen und Nadeln, Pflegesets und weiteres Material zur Schadensminimierung erhältlich. Susanne Maul und Simone Schafnitz sehen diese Möglichkeit allerdings nur als Baustein. Wichtiger sei, die Hilfsangebote in Fulda langfristig zu sichern und die Versorgung Betroffener auch in Zukunft zu gewährleisten. Eine verlässliche Unterstützung bleibe unverzichtbar.
Für Betroffene gibt es in der Region folgende Beratungs- und Unterstützungsangebote:
Aidshilfe Fulda e.V. zusammen mit Connections:Selbsthilfegruppe
Jeden Freitag um 17 Uhr im Selbsthilfebüro Osthessen
Petersbergerstraße 21
36037 Fulda
https://shg-connection.de/gruppentreffen/ Sidewalk, ein Projekt von Connections:
Gespräche auf offener Straße in Fulda
Jeden Montag von 8 bis 11 Uhr
https://shg-connection.de/projekte/
Kontakt zu Simone Schafnitzel, Vorstandsmitglied Aidshilfe Fulda e.V., Ehrenamtliche bei Connections und Sidewalk:
Telefon: 0157/84599230
https://www.jes-bundesverband.de/ueber-jes/jes-gruppen/suedschiene/jes-fulda/
Caritas Fulda:
Offene Sprechstunde: jeden Montag zwischen 11 und 12 Uhr in der Wilhelmstraße 10, 36037 Fulda, 1. Stock
Informations- und Motivationsgruppe: jeden Dienstag von 16 bis 17 Uhr in der Kanalstraße 1a, 36037 Fulda
Individuelle Beratung: Telefon: 0661/2428-360
https://www.rcvfulda.caritas.de/hilfeundberatung/sucht/suchtunddrogenberatung/sucht-und-drogenberatung
Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige:
Verschiedene Gruppen: http://www.kreuzbund-fulda.de/selbsthilfeinmeinernaehe/fulda.html
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