Pianale-Konzert am Frauenberg: Ein musikerfülltes Haus - Fotos: Marvin Myketin

FULDA Bilder von Marvin Myketin

Pianale-Konzert am Frauenberg: Ein musikerfülltes Haus

26.07.26 - Das Refektorium im Franziskanerkloster am Frauenberg ist ein besonderer Ort für ein Konzert. Nur etwa 80 bis 100 Menschen finden hier Platz, der Abstand zwischen Künstlern und Publikum ist denkbar gering.

In dieser intimen Atmosphäre begrüßte Pater Cornelius Bohl als Guardian und Hausherr die Besucherinnen und Besucher zum dritten Konzert der Pianale.

Ein Konzert ist kein Vorspielen

Der Frauenberg werde während der Pianale zu einem "musikerfüllten Haus", sagte Pater Cornelius in seiner Begrüßung. Uta Weyand-Schäfer, Gründerin der Pianale, bestätigte schmunzelnd: "Danke, dass Sie uns und so viel Musik ertragen, denn wir spielen wirklich von morgens bis abends."

Fotos (2): Jutta Hamberger

Der Konzertzettel versprach eine abwechslungsreiche Reise von der Wiener Klassik über die Romantik bis in die Moderne. Dabei sei die Zusammenstellung der Programme alles andere als einfach. "Denn Sie wollen nicht nur Chopin oder nur Beethoven hören, nicht unbedingt zweimal dasselbe Stück erleben und Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Gruppen begegnen", erklärte Weyand-Schäfer.

Hinzu komme, dass innerhalb der beiden Konzertzyklen alle Teilnehmenden der Pianale einmal auftreten sollen. Mit dem Konzert am Frauenberg endete an diesem Samstag der erste Zyklus, denn das sonntägliche Schlossgartenkonzert gestalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vollständig selbst – von der Programmauswahl bis zur Moderation – und außerhalb des Wettbewerbs.

Haydn in Moll und Bartóks Fantasie


Joseph Haydn (1732–1809) wird häufig mit dem Etikett "heiter" versehen – nicht immer als Kompliment. Sein spielerischer, lebensfroher Stil und die große Unmittelbarkeit seiner Musik haben dieses Bild geprägt. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Haydn natürlich auch in den dunkleren Klangfarben komponierte. Von seinen knapp 60 Klaviersonaten stehen allerdings nur vier in einer Molltonart.

Die erst 15-jährige Österreicherin Laetitia Taurer eröffnete mit der Klaviersonate in e-Moll Hob. XVI:34 und arbeitete die düstere Expressivität des Kopfsatzes eindrucksvoll heraus. Noch überzeugender gelang ihr Béla Bartóks "Fantasie I" aus den Vier Klavierstücken BB 27 (1903). In diesem frühen Werk scheint aus der Ferne immer wieder Franz Liszt aufzuleuchten.

Der Slowene Jan Rener (22) hatte sich für Haydns dreisätzige Klaviersonate Nr. 47 in h-Moll Hob. XVI:32 (1776) entschieden. Kopf- und Schlusssatz stehen in h-Moll, das Menuett bildet in H-Dur einen lichten, tänzerischen Kontrast. Reners konzentrierter, klanglich differenzierter und ausdrucksstarker Vortrag gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts.

Klassische Welthits

Wer sich in einem Wettbewerb an Werke wagt, die vermutlich viele Zuhörerinnen und Zuhörer auswendig kennen, braucht Selbstvertrauen – und muss technisch wie interpretatorisch Außergewöhnliches leisten. Der Amerikaner Jacob Wang (26) hatte sich mit Frédéric Chopins Barcarolle in Fis-Dur op. 60 eines der großen Spätwerke des Komponisten ausgesucht. Dieses 1845/46 entstandene Werk verbindet romantische Schönheit mit tiefer Melancholie. Das Klavier muss hier förmlich singen – und genau das gelang Wang in beeindruckender Weise.

Der Deutsche Jacob Reif (17) spielte den ersten Satz aus Beethovens Sonate Nr. 23 f-Moll op. 57 "Appassionata" (1804). Dieses Werk verlangt höchste technische Präzision ebenso wie dramatische Gestaltungskraft. Reif machte seinem Nachnamen alle Ehre – das war eine erstaunlich reife Leistung. Schade nur, dass im Rahmen des Konzerts nur Raum für einen Satz war.

Noveletten und Estampes

Komponisten sind manchmal äußerst erfinderisch bei der Benennung ihrer Werke. Zwei Beispiele dafür hörten wir im Konzert. Der Engländer Cameron Liu (15) entschied sich für Robert Schumanns "Novelette Nr. 1" aus den Noveletten op. 21 (1838). Dass der Zyklus diesen Titel trägt, geht auf Schumanns Verehrung der englischen Sopranistin Clara Novello zurück. Seiner Braut Clara Wieck schrieb er augenzwinkernd, "Wiecketten" hätte einfach nicht gut genug geklungen. Zugleich spielt der Titel natürlich auf die literarische Novelle an – und genau das wollte Schumann: kleine musikalische Erzählungen voller Charakter und Fantasie.

Liu ergänzte sein Programm mit zwei Stücken aus Sergej Rachmaninoffs Études-tableaux op. 33 – musikalischen Miniaturen, die keine konkreten Geschichten erzählen, sondern innere Bilder entstehen lassen. Eine klug zusammengestellte und ausgesprochen charmant vorgetragene Kombination.

Der Ukrainer Mykhailo Diordiiev (25) hatte für seinen Vortrag neben dem ersten Satz einer Beethoven-Sonate die "Pagodes" aus Claude Dedbussys Estampes (1903) ausgewählt. Die Estampes gehören zu den Werken, bei denen bereits die Titel Bilder entstehen lassen. Die drei Stücke "Pagodes", "La soirée dans Grenade" und "Jardins sous la pluie" entführen nach Java, Andalusien und Frankreich. Debussy schrieb dazu: "Wenn man sich Reisen nicht leisten kann, muss man sie mit Fantasie ersetzen". Tatsächlich hat er Java nie besucht. Mit seinen schimmernden Klangflächen, raschen Figuren und großer Zartheit überträgt das Stück den Eindruck javanischer Gamelanmusik auf das Klavier. Diordiiev gestaltete diese filigrane Klangwelt mit großer Souveränität. Auch hier hätte sicher niemand etwas dagegen gehabt, alle drei Stücke der "Estampes" zu hören.

Wer ein Konzert mit dem Gedanken verlässt: "Schade, dass es schon vorbei ist", der hat vermutlich einen besonders gelungenen Nachmittag erlebt. Genau dieses Gefühl stellte sich nach dem Pianale-Konzert am Frauenberg ein, und die jungen Künstlerinnen und Künstler wurden mit viel Beifall verabschiedet. (Jutta Hamberger) +++


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