Die Teilnehmer des vierten Pianalekonzerts: Asahi Ota, Nil Uyar, Belis Eriten, Kaoru Yoshida, Zhu Wang – und dahinter Ashley Solano Hernandez und Luca Boston - Alle Fotos: Martin Engel

FULDA Der Abend der Mädchen

Virtuosität kennt kein Alter: Junge Talente prägen die Pianale

28.07.26 - Beim letzten Konzert des ersten Wettbewerbszyklus der Pianale gehörte die Bühne vor allem der Jugend. Nur zwei Teilnehmende waren älter als 22 Jahre, alle anderen höchstens 17. Im Gelben Saal der Orangerie trafen an diesem Abend die jüngste Bewerberin (12) und der älteste Teilnehmer (29) des diesjährigen Wettbewerbs aufeinander. Gespielt wurde diesmal auf einem Steinway-Flügel. Im Publikum saßen selbstverständlich auch die Juroren der ersten Runde – Noriko Ogawa, Aleksandar Serdar und Frédéric Lagarde.

"Musik verbindet", so Uta Weyand-Schäfer in ihrer Begrüßung. Und in der Tat: Sie verbindet die jungen Künstlerinnen und Künstler, die aus Europa, Asien, Süd- und Nordamerika nach Fulda gekommen waren. Sie verbindet die Förderer und Freunde der Pianale, ohne die der Wettbewerb so nicht stattfinden könnte. Und natürlich verbindet sie auch alle im Publikum, die einfach aus Freude an der Musik ins Konzert gehen. Es sind viele vertraute Gesichter: Die Pianale hat sich längst ein fachkundiges Stammpublikum erarbeitet.

Auch für die Komponisten des Abends galt das Stichwort Verbindung. Von Johann Sebastian Bach über Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Franz Schubert, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Claude Debussy und Sergej Rachmaninov spannte sich der musikalische Bogen – vom Barock über die Wiener Klassik, die Früh- und Spätromantik bis hin zur Moderne.

Der gelbe Saal der Orangerie bot einen intimen Rahmen für das vierte Wettbewerbskonzert ...

Pianale-Gründerin Uta Weyand-Schäfer begrüßte Wettbewerbsteilnehmer und Konzertgäste

Nein, nein – die Presse stimmte sich nicht ab, sondern plauschte sehr freundschaftlich: ...

Der Kolumbianer Ashley Solano Hernandez trug Beethoven vor

Die junge Japanerin Kaoru Yoshida bot eine faszinierende Leistung

Die Jüngsten

Wenn man 12- und 15-jährige junge Menschen so am Klavier erlebt, wie die Pianale es immer wieder ermöglicht, staunt man – und freut sich. Freut sich, dass Mädchen und Jungen in diesem Alter bereits so gut spielen, dass sie ersichtlich viel Zeit auf ihr Spiel verwenden, mit heiligem Ernst dabei sind und sich an schwierige Stücke wagen.

Die Jüngste im Bunde heute war die junge Türkin Nil Uyar (12), die Johann Sebastian Bachs "Sinfonia Nr. 11 in g-moll, BWV 797" und Franz Schuberts "Impromptu in Es-Dur, op. 90 Nr. 2" spielte. Zwei grundverschiedene Stücke – hier das kontrapunktische Meisterwerk, das Bach für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann zum Üben der Polyphonie schrieb, dort das perlende Impromptu Schuberts, sicher eine seiner bekanntesten Kompositionen. Uyar meisterte beide Werke bemerkenswert souverän und überzeugte auch in den ruhigeren, dunkleren Passagen mit erstaunlicher Ruhe und musikalischer Reife.

Kaum älter ist ihre Landsfrau Belis Eriten (14), die mit dem ersten Satz aus Beethovens "Sonate op. 10 Nr. 1 in c-moll" startete. Ihrem Beethoven hätte vielleicht ein kurzer Moment der Sammlung unmittelbar vor dem ersten Ton gutgetan, ihr Einstieg wirkte etwas übereilt. Chopins "Impromptu in cis-moll op.66", das der Komponist zu Lebzeiten nicht veröffentlicht sehen wollte, ist ein kleines Meisterwerk, das viel Technik und Einfühlungsvermögen verlangte und von Eriten mit Souveränität gespielt wurde.

Die Juroren des ersten Konzertzyklus – Frédéric Lagarde, Aleksandar Serdar, ...

Die jüngste im Feld war die erst 12-jährige Nil Uyar, die Bach und Schubert spielte ...

Edith Schäfer mit Noriko Ogawa

Kaoru Yoshida (Mitte) und Belis Eritren (rechts)

Belis Eriten spilete Beethoven und Chopin

Die Mittleren

Faszinierend, was Kaoru Yoshida (15) aus Tokio darbot. Sie spielte die "Arabesque Nr. 2 in G-Dur" von Debussy, ein impressionistisches Kleinod – und zwar so genau, so perlend, so klar bis hin zu ihrem fast witzigen Schluss, dass wohl alle am liebsten Zwischenbeifall gespendet hätten. Aber es kam ja noch ein zweites Stück, nämlich Carl Maria von Webers "Rondo brillante in Es-Dur op. 62" aus dem Jahr 1819. Der Beiname "La gaîté" (die Fröhlichkeit) übersetzte sich vom ersten Ton an. Ein überaus effektvolles Stück, das große Fingerfertigkeit erfordert, aber eben auch Überschwang und Emotion. Dieses Rondo ist ein wahres Showpiece, Yoshida arbeitete den Charakter wunderbar heraus.

Gleichaltrig ist der Engländer Luca Boston, der sich für Chopins "Ballade Nr. 4 in f-moll op. 52" entschied. Das ist die letzte der vier Chopin’schen Balladen, wie die anderen ist auch sie Baronin Charlotte de Rothschild gewidmet. Ein Stück, das lyrisch, nachdenklich und harmonisch äußerst vielfältig ist – und das neben hervorragender Technik auch viel Interpretationskunst verlangt. Denn Chopin empfindet hier mit der Musik romantische Dichtungen nach. Schade, dass Luca Boston die emotionale Tiefe dieser Ballade kaum auslotete, sondern den Flügel über weite Strecken mit großer Kraft spielte – so sehr, dass das Instrument anschließend nachjustiert werden musste. Chopins Ballade lebt jedoch nicht allein vom Fortissimo, sondern vor allem von ihren fein abgestuften Farben und Spannungsbögen. Gerade diese Differenzierung blieb etwas auf der Strecke.

Der Japaner Asahi Ota (17) beendete an diesem Abend das Konzert und hatte sich zwei echte Klassik-Gassenhauer ausgesucht. Zunächst spielte er Beethovens "Rondo a capriccio in G-Dur op. 29", das den meisten sicher unter seinem nachträglich verliehenen Beinamen "Wut über den verlorenen Groschen" bekannt ist. Ein extrem schnelles Stück, bei dem man mit Läufen glänzen kann. Das gilt auch für das zweite Stück – Liszts "Ungarische Rhapsodie Nr. 15" – die auf dem "Rákóczi March" basiert, der besser als Ungarische Marseillaise bekannt ist und lange die inoffizielle Hymne Ungarns war. Ein Stück, das auf Effekt und Überwältigung des Publikums setzt. Ota überzeugte mit Virtuosität und großer Brillanz. Dennoch blieb nach seinem Wettbewerbsprogramm eine Frage offen: Wie gestaltet er die leisen, lyrischen oder melancholischen Stücke? Diese Facette zeigte sein Programm an nicht.

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Luc Bolton hatte sich für eine Chopin-Ballade entschieden

Die Ältesten

Ein Konzert zu eröffnen, erst recht in einer Wettbewerbssituation, ist nie einfach. Diesmal fiel diese Rolle dem in England lebenden Kolumbianer Ashley Solano-Hernandez (23) zu. Er hatte sich für Haydns "Sonate in e-moll, Hob. XVI:34" entschieden, sicher eine der leidenschaftlichsten Sonaten Haydns und ein exzellentes Beispiel der Wiener Klassik. Die Aufregung war sicherlich groß, so wurde das Tempo im Kopfsatz etwas zu hastig und der lichte Mittelsatz doch ein wenig oberflächlich. Technisch war das durchaus überzeugend. Doch Haydns Sonate lebt nicht nur von der Präzision, sondern ebenso von ihrem emotionalen Gehalt. Davon hätte man sich mehr gewünscht.

Der älteste Teilnehmer an diesem Abend war der in den USA lebende Chinese Zhu Wang (29). Er spielte die beiden ersten Sätze aus Beethovens "Sonate Nr. 31 op. 110 in As-Dur", eine der späten Sonaten Beethovens. Wang arbeitete vor allem im Moderato cantabile die lyrischen Linien wunderbar heraus. Er beendete seinen Vortrag mit Rachmaninoffs "Etude-tableaux op. 39 Nr. 1 in c-moll", in dem er seine technische Raffinesse unter Beweis stellen konnte. Ein klug zusammengestelltes Wettbewerbsprogramm, das sowohl musikalische Gestaltungskraft als auch technische Souveränität erkennen ließ.

Nun beginnt für die Jury die wohl schwierigste Aufgabe des Wettbewerbs: vergleichen, abwägen, entscheiden. Für das Publikum dagegen bleibt vor allem eines: ein weiterer musikerfüllter Abend auf bemerkenswert hohem Niveau – geprägt vor allem von den eindrucksvollen Auftritten der jungen Pianistinnen. (Jutta Hamberger) +++

Zhu Wang mit einem sehr reifen Vortrag von Beethoven und Rachmaninoff

Der junge Japaner Asahi Ota überzeugte mit zwei schnellen, virtuosen Stücken von Beethoven ...

Heute mussten sie nicht ran, sondern konnten zuhören, was die anderen Teilnehmer abliefern würden ...

Kulturamtsleiter Jürgen Peter

Jury unter sich: Serdar, Weyand-Schäfer, Ogawa und Lagard

Prof. Dr. med. Marion Haubitz und Noriko Ogawa

Martin Heun, Geschäftsführer RhönEnergie und Präsident Prof. Martin Hessmann ...

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Asahi Ota

Viele Rotarier – Förderer der Pianale – waren zum Konzert gekommen

Wie immer mit von der Partie – die Helfer der Malteser

Luca Bolton, England

Uta Weyand-Schäfer und Martin Schäfer

Ashley Solano Hernandez -110

Generalvikar a.d. Prof. Dr. Gerhard Stanke und Jutta Hamberger


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