Die Hahner-Gruppe empfing am Dienstag Vize-MP und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori im Rahmen von dessen Sommertour. - Fotos: Hannes Mayer

PETERSBERG Austausch bei Hahner

Dreimal geprüft, nie genug - Vize-MP Mansoori bekommt Klartext

05.08.26 - "Ich kann es mir nicht leisten, auf andere zu warten." Ein Satz, der auch für den hessischen Wirtschaftsminister gelten könnte. Hier aber stammt er von Bernhard Hahner, Geschäftsführer der Hahner Gruppe. Er empfing Wirtschaftsminister und Vize-MP Kaweh Mansoori (SPD) im Rahmen von dessen Sommertour - zu einem ehrlichen, offenen Austausch.

Die Hahner Unternehmensgruppe beschäftigt rund 250 Mitarbeitende an mehreren Standorten. Im Zentrum des Gesprächs standen die Rahmenbedingungen für mittelständische Betriebe - von Bürokratie über Bauordnungsrecht bis zur Arbeitszeit und deren Flexibilisierung.

Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD)

Bernhard Hahner, Geschäftsführer der Hahner Gruppe

Rund 20 Prozent der Aufträge der Firmengruppe sind Kunstprojekte, der Rest klassischer Industriebau. Zu den bekanntesten Arbeiten zählen das Stahl-Glas-Dach des Elefantenhauses im Münchner Tierpark Hellabrunn sowie die Fassade für das Deutsche Optische Museum in Jena, für die sich der Betrieb gegen europäische Konkurrenz durchsetzte - bei nur vier zugelassenen Bietern und einem Volumen von rund 6,5 Millionen Euro. In Fulda kennt man die "Krone" auf dem Schlossturm.

Sebastian Müller, CDU-Landtagsabgeordneter

Landrat Bernd Woide

Lukas Henke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Doch das eigentliche Geschäft ist die Industrie. Und die läuft gerade nicht rund. Besonders die Automobilbranche in der Region spürt das massiv: Aufträge sind weggebrochen. "Für jeden, der sein Schild raushängt und mit aller Kraft versucht, etwas vorwärts zu bringen, fühle ich als Unternehmer mit", so Hahner.

Die Hahner Unternehmensgruppe beschäftigt rund 250 Mitarbeitende an mehreren Standorten ...

Der Frust mit der Bürokratie - Dreimal geprüft, immer dasselbe

Die schwierige Wirtschaftslage lässt sich schwerlich ändern. Die überbordende Bürokratie schon eher. Ein Beispiel: die Lohnabrechnung. Sie wird von gleich mehreren staatlichen Institutionen separat geprüft - etwa Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Lohnsteueraußenprüfung. Jedes Mal braucht es eigenes Personal. Jedes Mal ist der Steuerberater dabei. Geprüft wird am Ende dasselbe. Eine gemeinsame digitale Schnittstelle würde nach Hahners Einschätzung viel Aufwand sparen - auf beiden Seiten.

Auch bei Sicherheitsvorschriften sieht er den Staat auf Irrwegen. Ein Beispiel: der Leiterbeauftragte. Jeder Metallbaubetrieb muss dafür eigens jemanden auf einen externen Lehrgang schicken. Dabei baut die Branche selbst tagtäglich Flucht- und Rettungswege. "Wir sind schließlich genau die Betriebe, die von Berufswegen Flucht- und Rettungswege bauen", sagt Hahner. Die Gesellenprüfung, findet er, müsste eigentlich reichen.

Dazu kommt eine neue Asbestverordnung. Sie wird das Bauen weiter verteuern. Dass es ihm dabei nicht um Arbeitsschutz geht, ist Hahner wichtig zu betonen: Seine Mitarbeitenden sollen gesund nach Hause kommen, jeden Tag – das steht für ihn außer Frage. Was ihn stört, ist etwas anderes: dass sein Betrieb inzwischen von allen Seiten gleichzeitig kontrolliert wird.

Schwarzarbeit? Das eigentliche Problem sieht anders aus

Beim Thema Schwarzarbeit widerspricht Hahner der öffentlichen Debatte, in der meist nach mehr Kontrolle gerufen wird. Er sieht das Problem woanders. Nicht in den spektakulären Einzelfällen, die es in die Nachrichten schaffen. Sondern in der Fläche, jeden Tag, jedes Wochenende. Der Grund dafür sind aus seiner Sicht die Kosten: Handwerkerstunden sind für viele Haushalte schlicht zu teuer geworden.

Die Folge, sagt Hahner, sei längst Alltag in der Branche. Manche Betriebe würden ihren Mitarbeitenden sogar anbieten, ab Freitagmittag privat in der eigenen Werkstatt weiterzuarbeiten - auch um sie überhaupt zu halten. "Das ist eine traurige, aber reale Entwicklung", sagt er.

Mansooris Gegenrezept: Weniger Regeln, mehr Schwung

Die grundsätzliche Kritik an zu viel Regulierung teilt Mansoori. Auch aus seiner Sicht ist in den letzten Jahren zu viel abgesichert und zu wenig ermöglicht worden. "Ein früheres Mitglied unseres Aufsichtsgremiums sagte einmal, wir würden uns in diesem Land noch zu Tode verwalten", zitiert er. Auf Hahners Kritik antwortet er knapp: "Wenn Sie den gesunden Menschenverstand zur Richtschnur der Politik machen wollen, rennen Sie bei mir offene Türen ein."

Das Pendel, sagt Mansoori, sei zuletzt zu stark in Richtung Sicherheit ausgeschlagen. Die Landesregierung versuche gegenzusteuern. Sein Kollege, Entbürokratisierungsminister Manfred Pentz, habe mehrere Reformpakete geschnürt. Das größte Vorhaben betrifft den Bau. Rund 10.000 technische Baubestimmungen sollen wegfallen. Geregelt bleiben soll nur das Wesentliche: Standsicherheit, Brandschutz, Barrierefreiheit. Den Rest, glaubt Mansoori, findet die Praxis von selbst. Sein Ziel: Wohnraum, der 500 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter günstiger wird. Und das, betont er, ohne dass es den Staat einen Cent kostet.

Ein Mann, der Tacheles spricht

16 Bundesländer, 16 Regeln - warum Einheitlichkeit schwer ist

Hahner will ein bundesweit einheitliches Baurecht. Welches Bundesland dabei Vorbild ist, ist ihm egal. "Mir wäre es egal, ob nach hamburgischem, berlinerischem oder hessischem Vorbild - Hauptsache einheitlich", sagt er. Sein Beispiel: ein Treppenhaus für eine Schule in Köln. Zig verschiedene Regelwerke muss er dafür gleichzeitig prüfen - Schulbaurichtlinie, Arbeitsstättenrichtlinie, Länderbauordnung, dazu die grundlegenden gesetzlichen Vorgaben.

Wer so etwas automatisiert fertigen will, stößt schnell an Grenzen. Dabei könnten so deutlich Kosten gespart werden. "Wenn ich versuche, einen automatisiert gefertigten Treppenhaus-Bausatz zu entwickeln, stellt sich sofort die Frage: nach welchem Bundesland?", sagt Hahner. Mansoori sieht ein Dilemma. Einheitlich und praxistauglich zugleich - das gehe nicht immer zusammen, sagt er. Hessen wolle bei Vergaberecht und digitaler Baugenehmigung vorangehen. Zu warten, bis alle anderen Länder nachziehen, dauere schlicht zu lange.

Am Ende zählt die eigene Haustür

Statt sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben - zwischen Bund, Land und Kommunen -, will Mansoori zuerst dort ansetzen, wo Hessen selbst etwas bewegen kann. "Am Ende ist am meisten gewonnen, wenn jeder erstmal vor seiner eigenen Haustür kehrt", sagt er. Und Hahner meint: Auf die komplexen Regelwerke bezogen müsse man manchmal einfach für sich entscheiden: "Da weigere ich mich." Seine pragmatische Devise: "Einfach machen." Sonst könne man am Ende glauben, dass gar nichts mehr möglich und erlaubt sei. (mmb) +++


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