Andreas Clemens von der Gesellschaft für hessische Militär- und Betriebsgeschichte führt O|N am Freitag über das Gelände. - Fotos: Rene Kunze

EICHENZELL Geschichte zum Anfassen und Erleben

Eine Reise ins 18. Jahrhundert: Schloss Fasanerie wird zum lebendigen Museum

08.08.26 - Noch werden Zelte aufgebaut, Uniformen gerichtet und letzte Vorbereitungen getroffen. Am Wochenende verwandelt sich Schloss Fasanerie allerdings wieder in eine historische Kulisse: Rund 370 Darsteller aus Deutschland und zum Teil anderen europäischen Ländern lassen das 18. Jahrhundert lebendig werden - mit Militärgarden, Handwerkskunst, Musik und großen Gefechtsdarstellungen.

"Die eigentliche Veranstaltung findet am Samstag und am Sonntag statt. Gerade treffen nach und nach noch weitere Darsteller ein", erklärt Veranstalter Andreas Clemens von der Gesellschaft für hessische Militär- und Betriebsgeschichte im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Geschichte hautnah erleben

Das Gelände ist in zwei Bereiche aufgeteilt: Im Zivillager schlagen Händler, Handwerker und Adelige ihre Zelte auf und im Militärlager befinden sich europäische Regimenter, amerikanische Miliztruppen und indigene Darsteller. Selbst der Adel lebt stilecht im sogenannten "Lustlager". "Der Adel lebte zu dieser Zeit in festen Gebäuden. Wenn er unterwegs war, übernachtete er in solchen Zeltlagern", sagt Clemens. Für den Organisator steht vor allem das Erleben der Geschichte im Vordergrund. "Man kann ein Buch lesen oder ins Museum gehen, aber es bleibt immer abstrakt. Wenn man Geschichte anfassen und erleben kann, ist das viel intensiver."

Auf dem Programm: Gefechte und alte Handwerkskunst

Zu den aufwändigsten Programmpunkten gehören die historischen Gefechtsdarstellungen. "Wir sind jedes Mal froh, wenn am Ende alles gut funktioniert", sagt Clemens, der selbst als Militärdarsteller teilnimmt. Die Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit historischen Tänzen, Lagerführungen, Exerzierübungen und Handwerksvorführungen. "Hier gibt es Menschen, die sich auf Bandweberei, Laternenbau oder historische Nähtechniken spezialisiert haben. Das sind Fertigkeiten, die man heute ansonsten kaum noch sieht." Insgesamt reisen die Teilnehmer aus ganz Deutschland sowie aus Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Italien und sogar den USA an. Je nach Wetter rechnen die Veranstalter mit circa 2.000 bis 3.000 Besuchern. "Sonntags haben wir meistens mehr Besucher", so Clemens. Für ihn macht diese Mischung den besonderen Reiz der Veranstaltung aus: "Die Zeit gemeinsam mit so vielen Menschen nachzuerleben, ist unglaublich spannend und wertvoll."

Seit vielen Jahren mit Leidenschaft dabei

Andreas Clemens begleitet die Veranstaltung schon viele Jahre. Seit 2011 gehört er zu der Gesellschaft für hessische Militär- und Betriebsgeschichte, seit elf Jahren ist er deren Vorsitzender. Für ihn ist die Zeitreise mehr als nur ein Hobby. "Jeder bringt hier sein eigenes Wissen und seine Fähigkeiten mit - genau diese Vielfalt macht das jährliche Zusammenkommen für mich so besonders."

Wenn man Geschichte nicht nur im Museum, sondern mitten im Geschehen erleben will, sollte man sich die Zeitreise auf Schloss Fasanerie an diesem Wochenende also nicht entgehen lassen. (vm) +++

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