
Schockierende Nachrichten für die Belegschaft des Automobilzulieferers Lear in Gründau. Das Management hat angekündigt, Produktion und Logistik am Standort vollständig stillzulegen. Knapp 180 Arbeitsplätze würden dadurch verloren gehen. - Symbolfoto: O|N/ Henrik Schmitt
GRÜNDAU
180 Arbeitsplätze gehen verloren
IG Metall: Lear kündigt Werksschließung an - Schock im MKK!
11.08.26 - Schockierende Nachrichten für die Belegschaft des Automobilzulieferers Lear in Gründau. Das Management hat angekündigt, Produktion und Logistik am Standort vollständig stillzulegen. Knapp 180 Arbeitsplätze würden dadurch verloren gehen. Arbeit und Maschinen sollen den Planungen zufolge an Standorte in der Slowakei, Serbien und Tunesien verlagert werden. Der Beschäftigungsabbau soll schnellstmöglich beginnen und bis Mitte 2027 abgeschlossen werden. Am Standort verbleiben würden lediglich gut 120 Engineering-Stellen.
Dazu Betriebsratsvorsitzender Markus Rotter: "Die Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Bei der Übernahme durch Lear vor gut zwei Jahren wurde uns noch versprochen, alles bleibe beim Alten. Zwar gehen schon lange Gerüchte über anstehende Verlagerungen umher, unser Standort wurde und wird auf Konzernebene systematisch schlechtgerechnet. Aber die Ankündigung des Unternehmens übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen. Die teils energischen Diskussionen auf der Mitarbeiterversammlung zeigen: die Beschäftigten sind nicht bereit, Abwicklung und Arbeitsplatzverlust kampflos hinzunehmen."

Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda. Archivfoto:
Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, ergänzt: "Erst letztes Jahr hatten wir eine tarifliche Vereinbarung getroffen, mit der wir die Zukunft des Gründauer Werks sichern und gestalten wollten. (OSTHESSEN|NEWS berichtete) Auch die Beschäftigten haben mit ihrer Forderung nach einer unmittelbaren Bindung an die Branchentarifverträge zurückgesteckt, um den Standort zu sichern. Aber unternehmerische Verantwortung ist hier offenbar ein Fremdwort. Das Lear-Management drückt sich seit Monaten um die vertragliche Verhandlungsverpflichtung. Dazu kommt: viele der potenziell betroffenen Beschäftigten arbeiten seit Jahrzehnten am Standort und stehen jetzt im Alter von 50 bis 60 Jahren vor dem beruflichen Aus. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und dem Betriebsrat müssen wir jetzt alles daran setzen, Lear von dieser falschen Entscheidung abzubringen."
Zum Hintergrund: In Gründau werden Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizungen sowie Sensoren und Elektroniken für die Automobilindustrie entwickelt und derzeit noch gefertigt. Der Standort war lange Zeit der Stammsitz des Familienunternehmens I.G. Bauerhin (IGB). Über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren hier in Spitzenzeiten beschäftigt. Die IGB wurde vor knapp drei Jahren durch die Lear Corporation aus den USA übernommen. Der Standort kommt derzeit noch auf insgesamt gut 300 Beschäftigte.
Die beabsichtigte Schließung trägt auch zum fortgesetzten industriellen Kahlschlag in der Region bei: erst im vergangenen Jahr wurde das Werk des Baumaschinenherstellers Putzmeister in der unmittelbaren Nachbarschaft geschlossen. Und zur Zeit laufen unter anderem beim US-Medizintechnikhersteller Thermo Fisher Verhandlungen über einen massiven Stellenabbau im benachbarten Langenselbold. (ms/pm) +++