In Sannerz wurde auch in diesem Jahr zünftig die Kirmes gefeiert. - Fotos: Walter Dörr

SINNTAL Kirmes von Bloo und Feuerwehr

Essen, trinken, feiern: "Was kann es schöner gebe, Sannerz soll lebe"

17.08.26 - "Unfälle sein passiert und annern dolle Dinge, deshalb wolle mir euch unser Sprüchlein bringe" – so kündigte der 17-köpfige Bloo den diesjährigen Kirmesspruch an, der im Zelt am Feuerwehrgerätehaus in Sannerz (Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis) aufgesagt wurde. Die Bloo-Gesellschaft und die Sannerzer Feuerwehr richteten wieder die Kirmes aus.

Nach einem Musikabend mit dem ausgezeichneten Fuldaer DJ Cedix am Samstag fuhren die Blooburschen und Mädchen am Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst zum Festzelt. Hier stand schon der Musikverein Sannerz bereit, um die zahlreichen Festbesucher, darunter Sinntals Bürgermeister Thomas Henfling, mit zünftiger Blasmusik zu unterhalten.

Der Kirmesspruch

Ein Höhepunkt der Kirmes war natürlich das Aufsagen des Kirmesspruches. "En aale Haudeche, allseits bekannt, packt überall mit an, ganz galant, ob Kirmes, Feuerwehr oder Musik ist allerlei, auf den is Verlass, der is dabei." So begann der Spruch über einen Bürger: "Muss mol ebbes geschaffe wern, is er der Erste, sowos hon mir gern. Mit Latzhos, Schafflaune un gutem Mut, macht er sei Sach halt immer gut."

Doch beim letzten Einsatz gab es ein Problem, denn er passte nicht in seine Hose rein. "Die Leut hon scho leis gedacht, hat de Wanst so en Sprung gemacht? War'n die Brotwürscht vielleicht zu viel oder war's eher beim Bier es falsche Ziel? Früher isser doch locker nei, jetzt soll's of oarmol zu eng sei?" Die Ursache des engen Dresses kam dann doch zutage: seine Tochter hatte einen Reißverschluss reparieren wollen und ihn von innen zugenäht. Der Bloo: "Die Moral von der Geschicht, vorschnell über Wänz lacht mer nicht."

Der geklaute Schlüssel

Da es üblich ist, dass fremde Bloos Kirmessträuße klauen, sorgten die Sannerzer mit einer Spezialwache vor. Der Auftrag: "Ihr gebt of de Schlüssel richtig acht, dos wird bis Sonndoch so gemacht." Doch wie es im Leben so ist, kommt die Überraschung. "Diemol war's net irgendein Bloo, sondern direkt die eichene Crew", denn der Feuerwehr, geschniegelt und fein, fällt so'n Blödsinn ein. "Vielleicht woar grod nix zu tun un die Spritzköpp wollte net run", berichtete der Bloo. Mit einer geschickten Ablenkung klauten Blauröcke den Schlüssel.

Als Strafe für die Schlüsselwache verhängte man kein Lösegeld oder ein Fass Bier. "Die zwo, die of de Schlüssel aufpasse, sollte sich e wenig schäme lasse. Halbnackt vorm rote Spritzenwaache mit Schwamm, Eimer un nasse Haare, wurd geschrubbt mit viel Elan, de Schaum hing überall an dene dran. Ringsrum gab's Lacher ohne End, weil jeder die vom Spektakel kennt", so der Bloo, und: "Die Moral von dere Geschicht, mit so Freunde brauch mer kei Feinde nicht."

Neue Festzeltgarnituren dank Kirmes-Überschuss

Dass die letztjährige Kirmes richtig gut gelaufen ist, erinnerte man im Kirmesspruch. Den Überschuss verwendete die Feuerwehr für den Kauf von Festzeltgarnituren. "Jetzt sten'se do, gestriechelt fein, für Feuerwehr un Bloo vereint. Beim Kirmes-Fest, dos is gewiss, weiß jeder, wo's hergekomme is."

Unschöne Aktionen und ein Verbotsversuch

Dass es bei der Kirmes auch zu unschönen Aktionen gekommen ist, sprach der Bloo an – etwa, dass nach dem Alkoholgenuss Gärten als Kloos genutzt wurden, und "wenn einer vor dem Hoftor liegt, den Besitzer nicht vergnügt". Da kam die Erinnerung auf, dass ein Bürger das Feiern am Sportplatz verbieten wollte. "Do wollt tatsächlich einer schaffe, dass mir kei Fest meh dürfe mache. Im Dorf, do lebt mer doch davo, dass mol gefeiert wird, un zwar mim Bloo. Vom Kinderlache, Musik un Bier, genau dos liebe mir doch hier."

Von einem geheimnisvollen Geburtstagsgeschenk – einem Stein – wurde im Spruch ebenso berichtet wie vom neuen Musikwagen (ohne Musik) des Bloos. Bei der Sannerzer Faschingsveranstaltung glänzten Blooburschen zudem beim Karaoke-Singen. Zwar seien die Töne speziell gewesen, "grad nicht wie im Radio so hell", aber "so wurd de Bloo zum Hauptprogramm, mit schiefe Töne un viel Tamtam."

Keine Kneipe im Dorf

Ein Problem ist in jedem Kirmesspruch vertreten: die fehlende Kneipe im Ort. "Es fehlt als noch e besonder Fleckche im Urt, zum Esse un Trinke müsse mir immer weit furt. Ihr könnt es bestimmt scho erdenke, mir vermisse e durfeichene Schenke. Gibt's denn in Sannerz kein einziche gnädige Mann, der sich mo e wenig als Wirt erbarme kann?"

Feuerwehreinsatz im Solarpark

Ein besonderer Feuerwehreinsatz fand ebenfalls den Weg in den Kirmesspruch. Bei einer Gemeinschaftsübung im neuen Solarpark kam die örtliche Wehr vom Weg ab. "Die war'n e bissje flott, fast war es Spritzenauto Schrott. Statt bis zum Einsatzort vorzurücke, ging's erstmo ab in die Grabentücke." Das Löschfahrzeug habe schief im Dreck gehängt und kam nicht vor oder zurück. Mit Muskelkraft und Kameradschaft gelang zwar das Befreien, doch als Zusatzausstattung soll nun schweres Bergezeug in den Wagen kommen.

In geselliger Runde und mit stimmungsvoller Blasmusik des Musikvereins Sannerz klang die diesjährige Kirmes aus. (Walter Dörr) +++


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