21.08.26 - 20 Jahre gibt es die Werkstatt für Restaurierung von Jörg Büchner am Fuldaer Luckenberg schon und die stattliche Reihe der Objekte, an die hier erfolgreich Hand angelegt wurde, kann sich sehen lassen. Zu den Dauerkunden des versierten Restaurators und seines Teams gehören neben vielen Privatleuten unter anderem auch die Stadt Fulda, Schloss Fasanerie, das Bistum Fulda und die Verwaltung Hessischer Schlösser und Gärten. Sie alle wissen, wie behutsam und fachgerecht ihre Schmuckstücke am Luckenberg wieder zum Leben erweckt werden, ohne ihre Patina zu zerstören. Wir haben Jörg Büchner zum Firmenjubiläum gratuliert und uns bei dieser Gelegenheit noch einige Geheimnisse verraten lassen.

Krippenausstellung im Schaufenster

Detail am Braunschweiger Schrank

Der berühmte Braunschweiger Schrank

Bei der Vergoldung in Taschkent

Ein altes Backgammonspiel

Das Kongresszentrum in Tachkent
Lieber Herr Büchner, seit wann wussten Sie, dass der Beruf des Restaurators der richtige für Sie ist?
Seit meiner Schulzeit wollte ich gerne mit Holz arbeiten. Und alte Möbel wieder schön zu machen, fand ich total faszinierend. Nur wusste ich nicht, wie man das macht, und der ein oder andere Versuch sah am Ende nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Sänfte aus dem Stadtschloss

Hier wurde das Treppengeländer vergoldet

Monogramm an der Sänfte im Fuldaer Stadtschloss

Josefine Meise bei der Restaurierung einer Kutsche

Bei der aufwendigen Restaurierung des Wappens zum Roten Ochsen
Was für eine Ausbildung muss man als Restaurator machen bzw. was haben Sie gelernt?
Ich habe nach dem Abitur zunächst ein einjähriges Praktikum im Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege in Johannesberg gemacht. Dann kam der Zivildienst, an den sich eine richtige Tischlerlehre anschloss. Nach einer Fortbildung in der Propstei Johannesberg hab ich am Göring-Institut, der Fachakademie für Restaurierung von Möbeln und Holzobjekten in München studiert.

Arbeiten unterm UV-Licht

Art-Deco-Tisch

Eine asiatische Lackarbeit

Aufhängung des Wappens an der Löwen-Apotheke

Die Kommode wurde von einem Mitarbeiter der berühmten Möbelschreinerei Röntgen ...
Und wie ging es danach weiter?
Vor 20 Jahren habe ich meine erste Firma für Restaurierung in Kronberg gegründet und wurde ein Jahr später Dozent am Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege in Johannesberg. Heute bin ich dort Gesellschafter und Teil der Geschäftsleitung. Im Januar 2009 bin ich dann mit der Werkstatt nach Fulda an den Luckenberg gezogen. Am Anfang arbeitete ich allein, was für ein Startup ganz normal ist. Meine Frau hat mich immer unterstützt und die Firma vorangebracht, wofür ich sehr dankbar bin. Nach und nach kamen meine Mitarbeiterinnen dazu, die bis heute bei mir sind, sodass wir bis zu fünf Leute in der kleinen Werkstatt sind. Das heißt Tetris im Endstadium. Und wir sind mit der Zeit alle Freunde geworden - das ist besonders schön!

So ein schöner Möbelfuß an der Kommode

Barocke Aufsatzkommode

Zwei Ruderer vor der Restaurierung

Barockschrank aus dem Stadtschloss

Johannesfigur des Bistums Fulda

Biedermeierstühle
Warum bilden Sie selbst aus? Und wie viele Restauratorinnen und Restauratoren haben Sie mittlerweile schon ausgebildet?
Ich teile gerne mein Wissen mit jungen Menschen. Der Beruf des Restaurators ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Man kann ihn studieren oder als Handwerksmeister eine Fortbildung zum Restaurator machen. Ich habe beides gemacht. Das ist eine sehr gute Grundlage, um sowohl in der akademischen als auch in der handwerklichen Welt der Restaurierung arbeiten zu können.

.. und Biedermeiersekretär

Vor der Werkstatt mit Emma

Chinoiserie

Art-Deco-Couchtisch

Details einer Kommode um 1800
Im Lauf der Zeit haben wir viele Berufsanfänger bei uns gehabt, die das Praktikumin der Werkstatt für ihr Studium brauchten. Aber auch für die Fachoberschule oder Schulpraktika haben wir junge Menschen in der Werkstatt aufgenommen und ihnen gezeigt, was wir so machen.
Bei der Propstei Johannesberg bin ich für die Handwerkerfortbildung zuständig, um die Meister aus den Gewerken Zimmerer, Schreiner, Maler, Maurer und Parkettleger zum Master Professional zu qualifizieren. Das ist auch eine sehr schöne, spannende und erfüllende Tätigkeit.

Details einer Uhr

Dresdner Kommode

Ein Einkaufsladen für Puppen

Emma bei der Arbeit
Von wem bekommen Sie Ihre Aufträge?
Die Aufträge kommen sowohl von Privatpersonen als auch von Institutionen wie Museen, Städten, Gemeinden, den Kirchen und aus der Verwaltung Hessischer Schlösser und Gärten. In den letzten 20 Jahren habe ich so viele unterschiedliche Objekte restauriert, das ist dann quasi meine Werbung. Deshalb habe ich meistens mehr Aufträge, als ich überhaupt stemmen kann.

Englischer Reisesekretär

Fassungsschaden an einer Christusfigur

Freilegung

Jonas und der Wal
Ist eine professionelle Restaurierung für Privatleute überhaupt erschwinglich?
Zu uns kann jeder kommen und wird von uns beraten, was geht und was nicht geht. Wir können für unsere Auftraggeber fast immer eine Möglichkeit aufzeigen, durch die ihr Objekt wieder restauriert werden kann und die Kosten im Rahmen bleiben.
Was ist der größte Irrtum, den Kunden im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit äußern?

Ikone vor der Restaurierung

Ansicht unter UV-Licht

Nach der Restaurierung

Kabinettschrank

Kanzel der Maria-Magdalena-Kirche im Geisaer Stadtteil Borsch
Stichwort: Das Stück erstrahlt in neuem Glanz – das ist für jeden Restaurator ein Reizwort! Restaurieren heißt eben nicht, wieder neu machen. Den Dingen soll man ansehen, dass sie manchmal viele Jahrhunderte alt sind. Völlig irreführend sind auch die vielen Videos in sozialen Medien, wo in Minutenschnelle durch Ablaugen, Abschleifen, Sandstrahlen, Spachteln und Lackieren Dinge wie neu aussehen. Das hat wirklich nichts mit Restaurierung zu tun!
An welche der von Ihnen restaurierten Objekte erinnern Sie sich besonders gern bzw. besonders ungern?

Karussellpferd

Lackschichtenaufbau am Braunschweiger Schrank

Antiker Leichenwagen

Mittelalterliche Madonna

Maria mit Kind in der Kapelle von Borsch
Im Gedächtnis bleiben natürlich die Aufträge, die mich und meine Mitarbeiterinnen besonders herausgefordert haben. Das waren unter anderem der Vergolderauftrag in Taschkent, die Sänfte aus dem Stadtschloss Fulda, der große Ladenschrank mit hunderten Schubladen für Sämereien aus Rüsselsheim, die Entdeckung einer Kommode eines ehemaligen Mitarbeiters von der "Fa. Röntgen", einer berühmten Kunstschreinerfamilie aus Neuwied, und nicht zuletzt der Fund eines versteckten Briefes, die Restaurierung des Flügelaltars aus Großenlüder und das Wappen zum Roten Ochsen, das jetzt wieder an der Fassade in der Mittelstraße hängt.

Marientafel in St. Bonifatius in Fulda-Horas

Miniatur-Kabinettschrank

Mittelalterlicher Flügelaltar in St. Georg in Großenlüder

Nachfertigung eines Beschlags

Neogotischer Tabernakel in St. Bonifatius in Horas
Aber auch viele der kleinen Aufträge, insgesamt über 1.500, sind mir gut in Erinnerung geblieben, da meist ein ideeller Wert der Grund war, warum die Besitzer zu mir kamen. Eine Palmblattbibliothek aus Myanmar, eine Figur aus dem Ahrtal oder ein Friedhofskreuz für einen geliebten Menschen - alles Dinge, die mit einer Geschichte verbunden sind.

Eine neue Axt für den Heiligen Matthias

Palmblattbibliothek aus Myamar

Permuttkästchen
Sie müssen in so vielen Gewerken wie Holz-, Metall- und Steinbearbeitung, Malerei, Farbpigmenten, Chemie etc. fit sein. Welches ist das Wichtigste?
Als Restaurator muss man einen breiten Bereich abdecken. Herz, Kopf und Hand: Alles ist gefordert. Sei es bei der Voruntersuchung, wo man Wissen über Lösemittel, diverse Holzarten oder historische Lacke parat haben muss. Bei der eigentlichen Bearbeitung der Objekte muss man die entsprechenden Techniken beherrschen. Nicht zuletzt braucht es die Liebe zu dem jeweiligen Objekt, das meist ein bisschen mehr Zuwendung von uns bekommt, als wir später abrechnen. Restaurator ist auch ein Beruf, der das Handwerk und die Wissenschaft vereint, was ich persönlich äußerst wichtig finde. Das eine kann nicht ohne das andere.

Reinigung von Oberflächen

Rekonstruktion
Offensichtlich sind Sie mit Ihrer Werkstatt am Luckenberg genau am richtigen Ort. Oft stehen Leute mit offenem Mund vor Ihrem Schaufenster, was ja die beste Werbung ist.
Ja, das Schaufenster hat sich in den vielen Jahren auch immer wieder gewandelt. Von der Faschingsdeko bis zur Weihnachtskrippe war alles dabei. Zurzeit bearbeiten wir Türen einer translozierten Kirche, die im Freilandmuseum Fladungen steht, und einen Altar, der in der Kapelle am Franzosenwäldchen stand.

Tischplatte mit Brandschaden
Der Luckenberg hat sich in den 20 Jahren seit meiner Eröffnung zu einer wirklich schönen Straße entwickelt. Von meinen Nachbarn habe ich viel Hilfe und Zuneigung bekommen. Wir haben unser eigenes großartiges Luckenebergfest, tolle Flohmärkte haben wir veranstaltet und ich habe hier sogar geheiratet. Und seit 17 Jahren gibt es auch unseren Werkstatthund Emma.

Wunderschöner Kinderwagen

Das war ein Spezialauftrag - aus der eigenen Familie!
So viele schöne Begegnungen haben hier stattgefunden: Barbara Siehl, ein wirklich positiver Mensch, hat mich ins Fernsehen gebracht. Chris de Burgh, der ja schon mehrfach in Fulda Station gemacht hat, spielte und sang vor meinem Schaufenster. Es gab so viele tolle Gespräche vor und in der Werkstatt, was dann nicht selten zu interessanten Aufträgen geführt hat. Ich habe wirklich allen Grund, mich bei meiner Familie, meinen Mitarbeitern, Freunden, Nachbarn und nicht zuletzt meinem Kunden zu bedanken. (Carla Ihle-Becker)+++