Der Favorit wollte im Hessenderby - dem ersten von dreien innerhalb von vier Wochen - vom ersten Ballwechsel an nichts anbrennen lassen und zeigte überraschend deutlich, wer Herr im Hause war. Es begann mit einem souveränen 3:0 eines starken, kompromisslosen Robert Svensson gegen Europe-Youth-Top10-Sieger Patrick Franziska. Steffen Mengel kassierte anschließend nach acht Siegen seine erste Europacup-Niederlage: Gegen Fuldas Überflieger Wang Xi gab es ein 1:3, obwohl der lange Siegerländer beim 11:13, 11:6, 9:11 und 9:11 phasenweise recht gut aussah und gewiss nicht chancenlos war. So ließ Mengel etwa im richtungsweisenden ersten Satz vier Satzbälle ungenutzt. Ein glänzend aufgelegter Jan-Ove Waldner gab anschließend den Fans eine Kostprobe seines genialen Ballgefühls. EM-Viertelfinalist Ruwen Filus blieb beim 8:11, 7:11, 7:11 gegen den großen "alten Schweden" letztlich chancenlos.
Nun läuft bereits vor dem Rückspiel in vier Wochen alles auf zwei Finalduelle zwischen Fulda und der russischen Topmannschaft Fakel Gazproma Orenburg hinaus, die mit Vladimir Samsonov immerhin den aktuellen Weltranglistensechsten unter Vertrag hat. Orenburg gewann das andere Halbfinal-Hinspiel bei Bogoria Grodzisk (Polen) gestern mit 3:0.
Jan-Ove Waldner zeigte sich angetan vom Spiel seines Teams gegen Hanau und von seinem eigenen Auftritt: "Wir waren die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen. Allerdings hat Wang Xi gegen Mengel auch etwas Glück benötigt und hätte eventuell sogar verlieren können. Mir macht das Tischtennisspielen zurzeit wieder viel Spaß und ich bin gut in Form." Fuldas "Vize" Claus-Dieter Schad: "Es wird ein entspanntes Rückspiel ohne viel Druck geben, in dem beide Mannschaften den Zuschauern nochmals etwas zeigen können. Wir können uns schon mal mit der Flugroute nach Orenburg befassen." Maberzells Vorsitzender Stefan Frauenholz ließ sich eine kleine Spitze gegen Hanaus Manager Jo Herrmann nicht nehmen, der vor der Partie zumindest den beiden TTC-Schweden einen heißen Tanz gegen seine jungen Wilden angekündigt hatte, und erklärte augenzwinkernd: "Einen Dank auch an Johannes Herrmann, der mit seiner Aussage dazu beigetragen hat, dass sich unsere Jungs heute voll konzentriert haben."
Steffen Mengel trauerte ein wenig den verpassten Chancen gegen Fuldas Abwehrstrategen nach, gestand aber auch ein: "Auch wenn ich sein Spiel gut kenne und weiß, mit welcher Taktik ich gegen Wang Xi spielen muss, ist es doch höllisch schwer gegen ihn. Ich muss immer wieder versuchen, ihn in der Abwehr festzunageln. Wenn er zum Vorhand-Angriff kommt, hat er die besseren Karten. Ich habe nicht schlecht gespielt, Wang hat aber heute die Bigpoints gemacht." Patrick Franziska, der Jüngste im Hanauer Talentschuppen, zeigte sich ein wenig traurig, dass er gegen Svensson nichts reißen konnte: "Es war schon klar bei unserer Aufstellung, dass ich gegen einen der beiden Schweden am Anfang kommen würde. Nach meinem guten Spiel in der Liga gegen Svensson hatte ich mir gegen ihn etwas mehr ausgerechnet. Leider war ich ziemlich nervös, offenbar habe ich immer noch gewisse Probleme damit, an dem einen Tisch vor den Augen vieler Zuschauer frei aufzuspielen. Aber ich lasse mich nicht entmutigen und greife im nächsten Spiel wieder voll an." (Dr. Stephan Roscher)
Die Redaktion von osthessen-news berichtet mit einem Live-Ticker vom Spiel in Hanau.
Patrick Franziska - Robert Svensson 0:3 (8:11, 5:11, 5:11)
Steffen Mengel - Wang Xi. 1:3 (11:13, 11:6, 9:11, 9:11)
Ruwen Filus - Jan-Ove Waldner 0:3 (8:11, 7:11, 7:11) +++