20.08.26 - Im Klostergarten am Frauenberg einen Wortgottesdienst im Geiste des heiligen Franziskus zu feiern, ist an sich schon etwas Besonderes. Nach Wochen großer Hitze und der Sturmnacht, die am Vorabend über die Region hinweggefegt war, hatte dieser Gottesdienst eine ganz eigene Intensität. Vorbereitet hatte ihn die franziskanische Laiengruppe Klara, die zum "Ordo Franciscanus Saecularis" (OFS), dem sogenannten Dritten Orden des heiligen Franziskus, gehört.

Die Gruppe Klara der Franziskanischen Laiengemeinschaft hatte Texte und Lieder vorbereitet. ...

Pater Cornelius Bohl dankte allen, die den Gottesdienst vorbereitet hatten und allen, ...

Da die Vogelpredigt des Hl. Franz von Assisi eine wichtige Rolle im Gottesdienst spielte, ...
Lobsingen mit den tausend Stimmen der Schöpfung
Bei angenehmsten Temperaturen und sanftem Wind hatten sich die Gläubigen versammelt, um miteinander zu singen, zu beten und die Schöpfung zu preisen. Dank Liedzettel konnten auch die mitsingen, die nicht ganz so Gotteslob-sattelfest waren. Das Eingangslied allerdings war wohl allen vertraut, wenngleich vielleicht nicht mit dem deutschen Text von Jürgen Henkys. Gar nicht so leicht, Cat Stevens aus dem Kopf zu bekommen, wenn man "Morgenlicht leuchtet" statt "Morning Has Broken" singt! Dabei ist das Lied viel älter als der Welthit von 1971: Dabei ist die Melodie viel älter als der Welthit von 1971: Sie stammt aus der schottisch-gälischen Tradition – ihre Geschichte wäre einen eigenen Artikel wert.
"Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel" – so beginnt ein afrikanisches Gebet, das hier zum Kirchenlied wurde. Es drückt überschäumende Lebensfreude aus und feiert den Tag, das Licht, das Leben. In diesem wie in allen Liedern und Gebeten des Wortgottesdienstes stand der Schöpfungspreis im Mittelpunkt. Franziskus sei "ein Liebhaber der Schöpfung" gewesen, der in allem die Handschrift Gottes gesehen habe. Jedes Lebewesen, Pflanzen, Gestirne und Elemente gehörten für ihn zu einer gemeinsamen Schöpfung. Und der Mensch stand für Franziskus nicht über ihr, sondern mitten in ihr.

Karl-Heinz Vogel begleitete die Lieder mit seinem Klarinettenspiel.

An der Klostermauer hingen Passagen aus dem Sonnengesang des Hl. Franziskus. ...
Staunen wird zur Haltung
Franziskus’ Einstellung zur Natur bewegt uns bis heute tief. Seine Spiritualität erwuchs aus seinem Glauben und den Texten der Bibel. Lesung und Evangelium kreisten darum, wie wertvoll alles Leben ist, weil es von Gott kommt und Gott für alle sorgt.
Besonders eindrücklich fließen diese Gedanken in der Vogelpredigt des heiligen Franziskus zusammen. Sie gehört zu den bekanntesten Legenden über ihn. Frömmigkeit, Staunen und Ethik verbinden sich darin auf wunderbare Weise. Denn die Vogelpredigt erzählt nicht nur von einem Mann, der zu Tieren spricht. Sie erzählt von einer Haltung: Franziskus nimmt die Geschöpfe wahr, wendet sich ihnen zu und begegnet ihnen mit Achtung. Er predigt den Vögeln – aber zunächst einmal nimmt er sie wahr. Die Legende erzählt auch davon, wie wichtig das Zuhören ist. Franziskus übersetzt sein Staunen und seine Freude an der Natur in Wertschätzung.
Der Sonnengesang
Am eindrücklichsten gelang Franziskus das in seinem "Sonnengesang", der im Klostergarten im Wechsel gebetet wurde. Erst gegen Ende seines Lebens dichtete Franziskus die "Laudes Creaturarum", in denen er Gott durch die Schöpfung preist. Sonne und Mond, Wind und Wasser, Feuer und Erde werden zu Geschwistern. Der Mensch steht nicht über dieser Gemeinschaft, sondern mitten in ihr. Das lehrt Bescheidenheit – und Verbundenheit.
Aus heutiger Perspektive bekommt dieser mehr als 800 Jahre alte Text eine geradezu beklemmende Aktualität. Wenn die Erde nicht einfach Besitz des Menschen ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie wir mit ihr umgehen. Im Jahr 2026 lässt sich der Sonnengesang deshalb durchaus auch als Mahnung lesen: gegen Ausbeutung und Zerstörung, für Verantwortung gegenüber einer Welt, deren Teil wir selbst sind. Diese Verantwortung liegt bei uns – und sie wird immer dringlicher.
Mit Pfarrer Sturms Wettersegen und dem wunderschönen Lied "Das Jahr steht auf der Höhe" ging ein stimmungsvoller Wortgottesdienst zu Ende. Den inspirierenden Schlussakkord setzte Mascha Kalékos Gedicht "Sozusagen grundlos vergnügt". Auch darin wird das scheinbar Selbstverständliche plötzlich wieder zum Wunder: Wolken und Regen, Amseln und Spatzen, Sonne und Mond – und schließlich die eigene Existenz. "Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne / Und an das Wunder niemals ganz gewöhne", heißt es bei Kaléko.Vielleicht liegt genau darin die Verbindung zu Franziskus über die Jahrhunderte hinweg: sich an das Wunder nicht zu gewöhnen. Hinzusehen. Zu staunen. Sich als Teil dieser Welt zu begreifen – und daraus Verantwortung für sie zu übernehmen.
Staunen Sie, und freuen Sie sich – über die Wunder der Welt, über Ihre Existenz und alles Gute, das Ihnen begegnet. (Jutta Hamberger) +++ 