Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld ermunterte die Parteifreunde, trotz der schwierigen Herausforderungen mit Zuversicht und Schaffenskraft in die Zukunft zu blicken - Fotos: Carina Jirsch

FULDA Spätsommerfest im Klostercafé

Wingenfeld ermutigt CDU-Parteifreunde: "Jammern hilft uns nicht weiter"

22.08.26 - Gerade in der aktuell schwierigen Zeit mit all den Herausforderungen und Unsicherheiten ist der gemeinsame Austausch wichtig. Ob global, national oder vor Ort: Die Wirtschaftskrise fordert auch die kommunale Politik. Trotz der vielfältigen Krisen sollen die Zuversicht und Schaffenskraft nicht verloren gehen.

Das machte insbesondere Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in seiner gut 20-minütigen Rede beim Spätsommerfest seiner Parteifreunde von der Stadt-CDU am Freitagabend deutlich.

Stadtverbandsvorsitzender Dag Wehner begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen unter anderem auch der ehemalige Oberbürgermeister Gerhard Möller oder der ehemalige Messechef Dieter Udolph (91) und dessen Frau Petra Dehler-Udolph. Vor dem gemeinsamen Austausch bei einem Getränk und gegrillten Würstchen trafen sich die Kommunalpolitiker in der Klosterkirche zum Gottesdienst. In seiner Predigt sprach Pater Cornelius von einer Leichtigkeit des Sommers.

Schlechte Nachrichten trüben die Leichtigkeit

"Beim Blick auf das Weltgeschehen und die Bundespolitik kann die Leichtigkeit schon verloren gehen", sagte Wingenfeld. "Jammern hilft uns nicht weiter", rief Wingenfeld den Mitgliedern und Gästen auf der Terrasse des Klostercafés auf dem Frauenberg zu. "Zuversicht gibt uns dieser Ort, die Gemeinschaft", machte der Oberbürgermeister deutlich. Seit der Coronaviruspandemie und dem damaligen Ausfall der Neujahrsempfänge treffen sich die Fuldaer Christdemokraten im Spätsommer auf dem Frauenberg. An dieser "Tradition" hält die CDU auch nach dem Ende der Pandemie fest. An diesem Abend ist trotz der herrlichen italienischen Musik der Band Amici von wohltuender Wärme nicht so viel zu spüren. Es ist vergleichsweise recht kühl, ein wärmendes Jäckchen nicht verkehrt.

Auch die Nachrichtenlage ist ernüchternd an jenem Freitag, als 470 Mitarbeiter der Tegut-Zentrale in Fulda ihre Kündigung zum Frühjahr 2027 erhalten haben. Der Eigentümer Migros aus der Schweiz hatte diesen Schritt zwar lange angekündigt, nun steht er aber schwarz auf weiß für viele Familien in Fulda und der Region auf dem Papier. Damit wächst die Unsicherheit weiter an, zumal völlig offen ist, wie das Kartellamt über mögliche Übernahmen etwa von Edeka entscheidet. "Es ist ein alarmierendes Zeichen. Das Ende von Tegut muss uns wachrütteln", sagte Wingenfeld. Die Deindustrialisierung sei "mitten unter uns". Jetzt gelte es noch mehr, anzupacken.

Arbeitsplätze auf Goodyear-Areal, Wohnungen im Waidesgrund

Zumal mit dem Goodyear-Aus ein zweiter Arbeitgeber viele hundert Menschen vor die Werkstore gesetzt hatte. In diesem Fall steht die Stadt vor einer gewaltigen Aufgabe. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir als Stadt einmal 17,2 Hektar übernehmen", sagte der Oberbürgermeister und macht deutlich, dass dort Arbeitsplätze und kein Wohnraum entstehen sollen. Arbeitsplätze und harte Arbeit seien die Voraussetzungen für Wohlstand, erklärte Wingenfeld. Wohnraum würde an anderen Stellen entstehen. Im Waidesgrund würden rund 500 Wohneinheiten gebaut. Auch das Klinikum investiert in 130 Wohneinheiten für Studenten und Auszubildende. Sie sollen zu erschwinglichen Preisen sich einmieten können.

Die Bildung im Allgemeinen und in der Medizin seien Faktoren, um die Zukunft von Fulda positiv gestalten zu können. Gerade auch die Medizinstudenten würden nach anfänglicher Skepsis mittlerweile gerne nach Fulda kommen und loben vor allem die Qualität der Lehre am Klinikum Fulda. Wingenfeld nannte die Bildung als einen Baustein, um junge Familien in die Stadt locken zu können. Die Arbeiten an der Kuno-Raabe-Schule seien aktuell die größte Baustelle, sagte der OB nicht ohne Stolz. "Schulbauten sind extrem teuer, sie sind aber auch die Visitenkarte der CDU in Fulda", sagte der Rathauschef weiter. "Tatsache ist, Fulda wächst", sagte Wingenfeld.

Beim Blick auf den städtischen Haushalt bekannte der Oberbürgermeister, dass man neu lernen müsse, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Er rief dazu auf, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Die Stadt oder der Staat können nicht alles leisten. Unser Land brauche ein gemeinsames Engagement.

Neben den harten politischen Fakten kam aber auch der Spaß in Wingenfelds Rede nicht zu kurz. Er verriet den Mitgliedern etwa, dass zu Dag Wehners Geburtstag im nächsten Jahr extra Roland Kaiser erneut auf den Domplatz komme. "Fulda kann also doch noch gestalten", sagte Wingenfeld mit einem herzhaften Lächeln. Und er bekannte: Die ungewöhnlich vielen Versuche beim Fassbieranstich am Abend zuvor auf dem Stadtfest seien ein Rückschlag für ihn persönlich. 9+1 Schläge seien desolat, habe der ehemalige Bürgermeister Prof. Dr. Wolfgang Dippel ihm schonungslos erklärt. Ein bisschen Spaß muss sein, gerade in Zeiten wie diesen. (Hans-Hubertus Braune) +++


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