Vom jungen Rennfahrer beim RC 07 Fulda bis zum Deutschen Meister und Olympiateilnehmer: Thomas Freienstein prägte den deutschen Radsport über Jahrzehnte. Nun ist der gebürtige Fuldaer im Alter von 66 Jahren verstorben. - Foto: picture alliance / Augenklick/Roth | Roth/Augenklick

FULDA Mit 66 Jahren

Die Region trauert um eine Radsport-Legende: Thomas Freienstein verstorben

25.08.26 - Seine Karriere begann auf den Straßen rund um Fulda und in der Rhön - später führte sie ihn zu Deutschen Meisterschaften, Weltmeisterschaften und bis zu den Olympischen Spielen. Nun trauert der Fuldaer Radsport um einen seiner erfolgreichsten Vertreter: Thomas Freienstein ist vergangene Woche im Alter von 66 Jahren verstorben. Mit ihm verliert der RC 07 Fulda einen außergewöhnlichen Sportler und langjährigen Wegbegleiter des deutschen Radsports.

Für den RC 07 hat der Name Thomas Freienstein eine besondere Bedeutung. Denn dort nahm die beeindruckende Laufbahn des gebürtigen Fuldaers ihren Anfang. Freienstein wurde am 9. März 1960 in Fulda geboren. Seine Begeisterung für das Fahrrad entwickelte sich schon früh. Einen entscheidenden Anteil daran hatte sein Onkel, mit dem er als Kind ausgedehnte und durchaus anspruchsvolle Touren durch die Rhön unternahm. Auf den Straßen und Anstiegen seiner Heimat wuchs die Leidenschaft für den Radsport, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.

Thomas Freienstein gewann 1984 den Deutschen Meistertitel im Straßenrennen. ...Foto: RC07 Fulda

Als Jugendlicher schloss sich Freienstein dem RC 07 Fulda an - und schnell wurde deutlich, welches Talent in ihm steckte. Bereits als Junior schaffte er den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 1977 erreichte er mit dem deutschen Straßenvierer den sechsten Platz.

Es war der Beginn einer Karriere, die den jungen Rennfahrer aus Fulda bis auf die ganz große internationale Bühne führen sollte. 1979 wechselte Freienstein zum PSV Köln, später fuhr er für die RSG Hercules Nürnberg. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten deutschen Amateur-Straßenfahrer seiner Generation.

Zu seinen größten Erfolgen zählen der Deutsche Meistertitel im Straßenrennen 1984, die Gesamtsiege bei der Hessen-Rundfahrt 1982 und 1984, der Erfolg bei Rund um Frankfurt 1981 sowie zwei Siege bei Rund um Düren 1984 und 1985. Hinzu kamen Deutsche Meistertitel im Mannschaftszeitfahren und zahlreiche weitere nationale und internationale Erfolge.

Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles belegte Thomas Freienstein im Straßenrennen ...Foto: picture alliance / Roth | Roth

Vom RC 07 Fulda zu Olympia

Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte Freienstein 1984. In dieser Saison gehörte er zu den stärksten deutschen Amateur-Straßenradsportlern und vertrat die Bundesrepublik bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Im olympischen Straßenrennen belegte der Fuldaer den 22. Platz. Im 100-Kilometer-Mannschaftszeitfahren erreichte er gemeinsam mit Hartmut Bölts, Bernd Gröne und Michael Maue den zwölften Rang.

Auch bei Weltmeisterschaften war Freienstein über Jahre Teil der deutschen Nationalmannschaft. Besonders knapp wurde es 1986: Gemeinsam mit Remig Stumpf, Ernst Christl und Hartmut Bölts belegte er im Mannschaftszeitfahren den vierten Platz und verpasste damit nur knapp eine WM-Medaille. In der Vereinschronik des RC 07 Fulda wird Thomas Freienstein als der erfolgreichste Rennfahrer bezeichnet, der aus den Reihen des RC 07 hervorgegangen ist.

Dem Radsport ein Leben lang verbunden

Doch auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere ließ Freienstein den Radsport nicht hinter sich. Statt selbst um Siege zu fahren, gab er seine Erfahrung an die nächste Generation weiter. Als Trainer widmete er sich intensiv der Nachwuchsförderung. Nach seiner Tätigkeit als Landesverbandstrainer in Rheinland-Pfalz war er rund zwei Jahrzehnte als Nachwuchs-Bundestrainer im Mountainbike-Bereich tätig. Sein Wissen aus vielen Jahren im nationalen und internationalen Spitzensport floss damit in die Ausbildung zahlreicher Nachwuchsfahrer ein.

Familienbild der Freiensteins: Stefan, Raphael, Benedikt und Thomas (von links). ...Archivfoto: O|N

Die Verbindung nach Fulda und in die Rhön riss währenddessen nie ab. Ein besonders emotionaler Moment folgte 2017 - ganz in der Nähe der Orte, an denen einst seine eigene Begeisterung für den Radsport begonnen hatte. Bei der Deutschen Bergmeisterschaft in Elters erlebte Freienstein mit, wie sein Sohn Raphael Freienstein Deutscher Bergmeister wurde. Damit schloss sich ein besonderer Kreis: Dort in der Rhön, wo Thomas Freienstein als Junge bei gemeinsamen Radtouren mit seinem Onkel den Radsport für sich entdeckt hatte, durfte er Jahrzehnte später den Deutschen Meistertitel seines Sohnes miterleben.

"Eine herausragende Persönlichkeit unserer Vereinsgeschichte"

Der RC 07 Fulda blickt mit großer Dankbarkeit und Stolz auf die außergewöhnliche Laufbahn seines ehemaligen Fahrers zurück. Aus dem jungen Fuldaer, der zunächst durch die Rhön radelte und beim RC 07 seine ersten Rennen bestritt, wurde ein Deutscher Meister, Nationalfahrer und Olympiateilnehmer - und später ein wichtiger Förderer des deutschen Radsportnachwuchses.

Thomas Freienstein wird einen besonderen Platz in der Geschichte des RC 07 Fulda behalten. Der RC 07 Fulda wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Gedanken des Vereins gelten seiner Familie, seinen Angehörigen, Freunden und Weggefährten. (Constantin von Butler) +++


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