Es gibt Stimmen, die man nach wenigen Sekunden erkennt - und Isabelle Geffroy, weltweit bekannt als Zaz, besitzt genau eine solche. - Alle Fotos: Martin Engel

FULDA Chanson-Zauber unter dem Abendhimmel

Rauchige Stimme, große Gefühle: Zaz bringt den Museumshof zum Beben

25.08.26 - Es gibt Stimmen, die man nach wenigen Sekunden erkennt - und Isabelle Geffroy, weltweit bekannt als Zaz, besitzt genau eine solche. Am Abend verwandelte die französische Ausnahmekünstlerin den prall gefüllten Museumshof in einen Ort, an dem Sprache plötzlich zur Nebensache wurde. Bei bestem Sommerwetter und einsetzender Dämmerung erlebten die Besucher ein Konzert zwischen Chanson, Pop und Jazz, das vor allem von einem lebte: der unmittelbaren Verbindung zwischen Bühne und Publikum.

Schon vor Beginn herrschte im Museumshof dichtes Gedränge. An den Ausschankstellen bildeten sich Schlangen, es gab Bier, Wein und Longdrinks, und zwischen den Gesprächen war jene erwartungsvolle Vorfreude zu spüren, die einem großen Konzertabend bekanntlich vorausgeht. Das Wetter spielte perfekt mit: ein milder Sommerabend, über dem sich langsam die Dämmerung senkte.

Volles Haus und beste Sommerstimmung

Bemerkenswert war auch die Herkunft mancher Gäste, denn zahlreiche Besucher waren von weiter her angereist - einige sogar aus Frankreich. So etwa eine französische Studentin, die derzeit ein Auslandssemester in Marburg absolviert. Sie kam mit zwei deutschen Kommilitonen: "Sie sind große Fans von Zaz. Ich selbst kannte sie noch nicht, aber ich habe mir auf YouTube ein paar Lieder angehört - und dann wollte ich unbedingt mit!"

Ein Auftritt im Nebel

Als Zaz gemeinsam mit ihren Musikern schließlich im Bühnennebel erschien, brandete kräftiger Beifall auf. Was folgte, war kein Konzert der großen Effekte - und genau darin liegt die Stärke ihrer Auftritte. Die Wirkung entsteht durch die Künstlerin selbst: durch ihre Energie, ihre unverwechselbar rauchige Stimme und die spürbare Freude daran, Musik mit anderen Menschen zu teilen.

Charakteristisch für ihre aktuelle Tour ist der enge Draht zum Publikum. Zaz muss die Zuschauer selten lange zum Mitmachen auffordern: Es wird geklatscht, mitgewippt und getanzt - zwischen den Reihen ebenso wie vor der Bühne. Immer wieder sucht die Sängerin den direkten Kontakt und verlässt dafür auch schon einmal die Bühne, um sich mitten unter die Menschen zu begeben.

Wenn Musik keine Übersetzung braucht

Dass viele Besucher den französischen Texten nicht Wort für Wort folgen können, tut der Wirkung keinen Abbruch - im Gegenteil. "Man versteht vielleicht nicht jedes Wort, aber man fühlt die Botschaft", hat Zaz ihre eigene Bühnenkunst einmal beschrieben. Genau diese emotionale Kraft macht ihre Konzerte aus.

Musikalisch bewegt sich die Künstlerin dabei mühelos zwischen den Genres: mal rau, mal sanft, mal jazzig arrangiert, mal in Richtung Pop. Zu ihren größten Publikumslieblingen zählen Stücke wie "Je veux", "On ira", "Éblouie par la nuit" und "Qué vendrá". Zuletzt zeigte sich Zaz auch auf ihrem Album "Sains & Saufs" von einer sehr persönlichen Seite - mit biografisch gefärbten Texten, die aus dem Privaten eine universelle Sprache formen.

Von Montmartre auf die Bühnen der Welt

Der Weg dorthin ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie authentischer kaum sein könnte. Geboren am 1. Mai 1980 in Tours, zeigte sich ihr musikalisches Talent schon früh: Mit sieben Jahren belegte sie in einem Radiowettbewerb den zweiten Platz. Später studierte sie Musik in Bordeaux und trat mit der Latin-Rockband Don Diego auf. Die Bühne wurde ihr Zuhause.

Nach einer intensiven Zeit im Pariser Cabaret Les Trois Maillets, wo sie täglich bis zu fünf Stunden auftrat, nahm ihre Karriere Fahrt auf. Auf der Straße im Künstlerviertel Montmartre lernte sie den Produzenten Kerredine Soltani kennen - der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Gemeinsam schrieben sie "Je veux", jenen Song, der ihr 2010 veröffentlichtes Debütalbum "Zaz" prägen sollte. Das Album stieg in Frankreich auf Platz eins der Charts und wurde auch in Deutschland zum Erfolg.

Ein Abend, der nachklingt

Als sich die Dunkelheit schließlich vollständig über den Museumshof gelegt hatte, blieb der Eindruck eines Konzerts, das ohne große Inszenierung auskam und gerade deshalb wirkte. Zwischen den historischen Fassaden entstand ein Abend voller Leichtigkeit, Energie und guter Laune - oder, wie es im Französischen so treffend heißt: voller "joie et bonne humeur". (Marvin Hucke) +++


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