
Die Gewerkschaft der Polizei feiert ihr 75-jähriges Bestehen. - Foto: GdP Hessen
WIESBADEN
Gewerkschaft feiert Jubiläum
Kein Festakt, sondern Gedenken an Kollegen: Die GdP Hessen wird 75
26.08.26 - Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen feierte am 25. August 2026 ihr 75-jähriges Bestehen und verbindete den Rückblick mit einem klaren Zukunftsauftrag. Seit der Gründung 1951 hat sie sich von einer klassischen Berufsvertretung zu einer Gewerkschaft entwickelt, die nahezu alle Beschäftigtengruppen der hessischen Polizei vertritt. "Statt eines Festaktes oder einer Feier gedenken wir im Stillen der in diesem Zeitraum im Dienst getöteten Kolleginnen und Kollegen und deren Angehörigen", erklärte GdP-Chef Jens Mohrherr.
Im Mittelpunkt der Bilanz der Gewerkschaft stehen erkämpfte Verbesserungen bei Besoldung und Tarif, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Polizeizulagen, Rechtsschutz und Mitbestimmung sowie die Weiterentwicklung von Ausbildung und Studium. Die GdP versteht ihre Arbeit dabei als Doppelauftrag: bessere Bedingungen für die Beschäftigten und eine leistungsfähige Polizei für die Bevölkerung.
Für die Zukunft nennt die Gewerkschaft vor allem Personalmangel, Gewalt gegen Einsatzkräfte, Digitalisierung und KI, Cyberkriminalität, gesellschaftliche Polarisierung, demografischen Wandel und steigende Anforderungen als Herausforderungen. Die Forderung: ausreichend Personal, moderne Ausstattung, attraktive Arbeitsbedingungen und eine verlässliche Finanzierung der Inneren Sicherheit.

Mit einem Trauerflor drückt die Polizei ihr Beileid aus. Symbolfoto: O|N / Henrik Schmitt
Historische Einordnung
- 1951 – Gründung: Die GdP Hessen entsteht in der Nachkriegszeit, als sich die Polizei nach der NS-Diktatur neu in einem demokratischen Rechtsstaat positionieren musste. Parallel wuchs der Bedarf an einer unabhängigen Interessenvertretung.
- 1950er–1980er: Der Schwerpunkt liegt zunehmend auf den beruflichen, sozialen und rechtlichen Interessen der Polizeibeschäftigten – also Besoldung, Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung und Mitbestimmung. Von einer hierarchischen Polizei hin zur Bürgerpolizei.
- 1990er – wichtiger Einschnitt: Mit der Einführung der zweigeteilten Laufbahn in Hessen Mitte der 1990er Jahre wurde die Qualifizierung der Polizei deutlich aufgewertet. Die GdP stellt dies als wichtigen Meilenstein der hessischen Polizeientwicklung heraus.
- 2000er bis heute: Das Aufgabenbild der Polizei verändert sich massiv: Digitalisierung, internationale Krisen, Migration, Extremismus und Cyberkriminalität kommen hinzu. Gleichzeitig werden Personalmangel, Ausstattung, Arbeitsbelastung und Gewalt gegen Einsatzkräfte zu zentralen gewerkschaftlichen Themen.
- 2026 – 75 Jahre: Die GdP blickt auf Erreichtes zurück, betont aber bewusst: Das Jubiläum soll kein Endpunkt sein. Gewerkschaftliche Interessenvertretung wird als dauerhafte Aufgabe verstanden. Aufsehen erregte zuletzt der Protest im August 2025 vor der hessischen Staatskanzlei. Dort suchten medienwirksam GdP-Vertreterinnen und -Vertreter nach den fehlenden Milliarden im hessischen Landeshaushalt! Die verfassungswidrige Besoldung ist seit 2013 Dauerthema!
"Das Jubiläum dient deshalb weniger der Selbstfeier als der politischen Botschaft: Was erreicht wurde, war nicht selbstverständlich – und angesichts neuer Herausforderungen müsse auch künftig für Personal, Ausstattung und attraktive Arbeitsbedingungen gekämpft werden", so Mohrherr abschließend. (pg/pm) +++