
Andreas Unfried legt sein Priesteramt in der Pfarrei St. Ursula nieder, um seine langjährige Lebenspartnerin zu heiraten. - Symbolfotos (2): Pixabay
OBERURSEL
Abschied nach Jahrzehnten
Liebe statt Zölibat: Unfried verzichtet auf das Priesteramt um zu heiraten
27.08.26 - Die Nachricht trifft die Gläubigen in Oberursel und Steinbach schwer: Nach 37 Dienstjahren scheidet Pfarrer Andreas Unfried mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst der Pfarrei St. Ursula aus. Der Grund für seinen Rücktritt könnte für den 63-Jährigen jedoch kaum persönlicher sein: Er möchte seine langjährige Lebenspartnerin heiraten.
"Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe", teilt der Geistliche in einem offenen Brief mit, der auch auf der Internetseite der Pfarrei veröffentlicht wurde. Die Entscheidung wurde zudem am Wochenende in den Gottesdiensten bekannt gegeben. Unfried legt sein Amt als Pfarrer der Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach nieder. Nach geltendem Kirchenrecht wird er vom priesterlichen Dienst suspendiert, da für Priester der römisch-katholischen Kirche die Verpflichtung zum Zölibat gilt.

Die Pfarrei St. Ursula. Symbolfoto: Stadt Oberursel (Taunus)

Symbolfotos: Pixabay
Eine prägende Persönlichkeit der Pfarrei
Unfried erklärt, ihm sei stets bewusst gewesen, dass die katholische Kirche für Priester die Ehelosigkeit voraussetzt. "Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage", schreibt er. Rund 16 Jahre wirkte Unfried in Oberursel und Steinbach und prägte den Aufbau der heutigen Großpfarrei St. Ursula maßgeblich mit. 2014 feierte er sein 25-jähriges Priesterjubiläum.

Symbolfoto: Stadt Oberursel (Taunus)
Bistum reagiert mit Bedauern aber auch Freude
Nach Angaben des Bistums Limburg kam die Entscheidung überraschend. Unfried hat die Information im Rahmen der Visitation durch Bischof Dr. Georg Bätzing nach der Mittagspause abgegeben. Bischof Bätzing suspendierte ihn unmittelbar nach dessen Mitteilung. Die ersten Reaktionen waren allerdings durchweg positiv, wie in einem weiteren offenen Brief auf der Internetseite der Pfarrei zu lesen ist. "Die Situation ist für die Pfarrei und das Bistum schmerzlich, da sie auch so unerwartet kommt", erklärte Domkapitular Georg Franz, Bereichsleiter Personal im Bistum Limburg. Gleichzeitig würdigte Bätzing Unfrieds Engagement während seiner 37-jährigen Tätigkeit als Priester und zeigte Respekt für dessen Entscheidung, einen neuen Lebensweg einzuschlagen.

Symbolfotos (2): Pixabay
Entscheidung für einen neuen Lebensweg
Wie das Bistum mitteilt, sei Unfried der Schritt nicht leichtgefallen. Seine Aufgabe als Pfarrer und Seelsorger habe er "mit ganzem Herzen und Überzeugung" erfüllt. In seinem Brief hebt er die Bedeutung seiner Lebensgefährtin hervor, die ihn während seiner gesamten Dienstzeit unterstützt habe. "Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar", schreibt er.
Der 63-Jährige zeigt Verständnis für mögliche Enttäuschungen innerhalb der Gemeinde und kündigt an, sich zunächst nicht öffentlich zu äußern. "Ich kann nur hoffen, dass mein Schritt irgendwann akzeptiert werden kann", erklärt er abschließend.
Übergangsweise übernimmt Pfarrer Paul Lawatsch als Pfarrverwalter die Leitung der Pfarrei. Einige Werktagsgottesdienste fallen zunächst aus, die Sonntagsgottesdienste werden vom Pastoralteam übernommen.
(jk) +++