
Die Fuldaer Innenstadt verwandelt sich am Samstag in eine Bühne für Vielfalt, Selbstbewusstsein und klare Forderungen - und das mit ganz viel Farbe. Der Christopher Street Day (CSD) geht dann in seine fünfte Runde. - Archivfotos: O|N/Martin Engel
FULDA
Farbig, laut, politisch
"Queer? foll dafür!": Tausende setzen ein buntes Zeichen für Vielfalt und Rechte
27.08.26 - Die Fuldaer Innenstadt verwandelt sich am Samstag in eine Bühne für Vielfalt, Selbstbewusstsein und klare Forderungen - und das mit ganz viel Farbe. Der Christopher Street Day (CSD) geht dann in seine fünfte Runde seit dem Neustart in der Domstadt - und die Veranstalter rechnen mit mehreren Tausend Besucherinnen und Besuchern. Unter dem Motto "Queer? foll dafür!" verwandelt sich die Innenstadt in einen bunten, politischen Demonstrationsraum, der klare Forderungen an Stadt und Gesellschaft richtet.
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Fulda und die Stadtpfarrei laden um 10 Uhr zu einer Andacht in der Severikirche ein. Unter dem Motto "Du bist gut genug" gestaltet Diakon Michael Friedrich den spirituellen Auftakt zum CSD. Ab 11 Uhr präsentieren sich über 20 Vereine und Initiativen am Universitätsplatz mit Infoständen, Dialogformaten und Mitmachaktionen. Der Höhepunkt folgt um 12 Uhr: Die große Demonstration startet am Bahnhof und zieht rund fünf Kilometer durch die Innenstadt, bevor der Zug gegen 15 Uhr wieder am Universitätsplatz eintrifft. Dort erwartet die Gäste ein vielfältiges Kulturprogramm mit Musik, Redebeiträgen und gastronomischen Angeboten - bis spät in den Abend. Den Abschluss bildet ab 23 Uhr die offizielle Aftershowparty im Kulturzentrum Kreuz.

Unter dem Motto "Queer? foll dafür!" verwandelt sich die Innenstadt in einen bunten, ...
Wegen des CSD kommt es zu umfangreichen Sperrungen. Die Rabanusstraße ist von 9 bis etwa 22:30 Uhr teilweise voll gesperrt, der Demonstrationszug sorgt zwischen 12 und 15 Uhr für starke Einschränkungen im gesamten Innenstadtbereich. Auch der Busverkehr wird großflächig umgeleitet. OSTHESSEN|NEWS berichtete bereits ausführlich über die Verkehrsbehinderungen.
Politisch, solange queere Menschen weiterhin unterdrückt und diskriminiert werden
Neben der Feier der queeren Community betont das Organisationsteam den politischen Charakter des CSD. Initiatorin Emily Charlotte Rödel macht in einem Presseschreiben deutlich: "Der CSD ist kein x‑beliebiges Straßenfest. Es ist wichtiger denn je, ihn als Demonstration mit Forderungen zu verstehen und ernstzunehmen. Er ist politisch, war politisch und wird es auch immer bleiben, solange queere Menschen weiterhin unterdrückt und diskriminiert werden. Nach fünf Jahren CSD und der Gründung des foll bunt ist es an der Zeit, dass die Stadt zuhört und endlich auch für queere Menschen gestaltet."

"Der CSD ist kein x‑beliebiges Straßenfest. Es ist wichtiger denn je, ihn als Demonstration ...
In diesem Jahr präsentiert der Verein ein umfassendes Paket an Forderungen, das Fulda langfristig inklusiver machen soll. Vorstand Niklas Schmitt teilt dazu mit: "Die Forderungen der letzten Jahre dürfen nicht weiter ignoriert werden. Fulda braucht ein queeres Zentrum mit Sport‑ und Freizeitangeboten, eine Queerbeauftragte oder einen -beauftragten, Gesundheitsversorgung für queere Belange, eine Anlaufstelle für queere Geflüchtete, die Finanzierung queerer Projekte, eine zentrale Übersicht auf der Website der Stadt sowie einen Aktionsplan 'Queer Leben Fulda' mit verbindlichen Zielen."

Emily Charlotte Rödel vom Orga-Team beim vergangenen CSD.
Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Jahr der Sicherheitslage. Nach dem islamistischen Anschlag in Berlin wurden die Sicherheitskonzepte angepasst. Das Polizeipräsidium Osthessen bestätigt sichtbare Präsenz, verstärkte Kontrollen und verdeckte Maßnahmen. Trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gehen Veranstalter und Behörden von einem friedlichen Verlauf aus. Rödel betont: "Gerade jetzt ist es wichtig, queere Lebensweisen als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft zu begreifen."
Ein Tag voller Farbe, Stimmen und Haltung soll zeigen, dass Vielfalt in dieser Stadt nicht nur gefeiert, sondern auch eingefordert wird. Am Samstag setzen Tausende ein sichtbares Zeichen - für Respekt, für Sicherheit und für ein Fulda, das allen Menschen Raum gibt, die hier leben. O|N wird vor Ort sein und ausführlich über die Demonstration berichten. (Mia Schmitt) +++ 