Kontrolle in Steinau: Unter Aufsicht der Beamtinnen und Beamten bedienten Kinder das Handlasermessgerät. - Foto: Polizeipräsidium Südosthessen

STEINAU/STR. Blitzeraktion für Temposünder

"Blitz für Kids": Kinder und Polizisten zeigten Autofahrern, worauf es ankommt

27.08.26 - Wenn morgens die Schulglocke läutet, beginnt für viele Kinder der aufregendste Teil des Tages. Auf dem Weg zur Schule sind sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Mitfahrer unterwegs. Gleichzeitig herrscht rund um Schulen häufig reger Verkehr. Für Kinder kann dabei schon eine scheinbar kleine Unachtsamkeit schnell gefährlich werden. Genau hier setzt die bundesweite Aktion "Blitz für Kids" an. Sie soll nicht allein Temposünder aufspüren, sondern vor allem für mehr Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sorgen.

Denn gerade Kinder können Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht so sicher einschätzen wie Erwachsene. Ein Fahrzeug, das mit wenigen Kilometern pro Stunde mehr unterwegs ist, benötigt zudem einen längeren Bremsweg. Im entscheidenden Moment können diese Meter darüber entscheiden, ob ein Unfall verhindert werden kann oder nicht. Die Polizeibeamtinnen und -beamten der Polizeistation Schlüchtern machten deshalb am Dienstag in Steinau an der Brüder-Grimm-Schule gemeinsame Sache mit den eigentlichen Experten vor Ort: den Schülerinnen und Schülern. Zwei vierte Klassen durften die polizeiliche Geschwindigkeitskontrolle aus nächster Nähe miterleben und sich aktiv daran beteiligen. Insgesamt wurden vor Ort 130 Fahrzeuge gemessen.

Die Kinder hatten dabei eine besondere Aufgabe: Verkehrsteilnehmer, die sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielten, erhielten eine grüne Karte - als kleines Dankeschön und als Zeichen dafür, dass sie mit ihrem Verhalten einen
wichtigen Beitrag zur Sicherheit leisten. Insgesamt konnten 26 grüne Karten verteilt werden. Wer dagegen zu schnell unterwegs war, bekam eine gelbe Karte. Sie sollte nicht als bloßes "Du, du" verstanden werden, sondern vielmehr als freundlicher Hinweis der Kinder, nach dem Motto: Bitte denken Sie daran, dass hier Menschen unterwegs sind, die besonderen Schutz brauchen. Insgesamt 14 gelbe Karten wurden verteilt.

Erfreulich war, dass die große Mehrheit der gemessenen Verkehrsteilnehmer die zulässige Geschwindigkeit einhielt, was auch den Kids zeigte, dass an ihrer Schule überwiegend verantwortungsbewusst und mit Rücksicht auf die jüngsten
Verkehrsteilnehmer gefahren wird. Lediglich zwei Verstöße mussten im Rahmen des Verwarnverfahrens geahndet werden. Für die Kinder war die Aktion mehr als eine gewöhnliche Unterrichtsstunde. Mit großem Interesse beobachteten sie die Polizeiarbeit, kamen mit den Beamtinnen und Beamten ins Gespräch und konnten selbst erleben, warum Geschwindigkeit im Bereich einer Schule eine besondere Rolle spielt. Auch die Lehrkräfte begrüßten die kindgerechte Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern Verkehrssicherheit auf anschauliche Weise näherzubringen.

Im Anschluss verlagerten die Ordnungshüter ihre Kontrollen nach Birstein. Auf der Lauterbacher Straße, ebenfalls im Nahbereich von Schulen, wurde die Geschwindigkeit von 210 Fahrzeugen überprüft. Hier zeigte sich ein etwas anderes Bild: Sieben Geschwindigkeitsüberschreitungen folgten die Einleitung eines Bußgeldes, eine davon war zudem mit einem Fahrverbot verbunden. Ein weiterer Fahrer war zwar nicht ganz so schnell unterwegs, aber noch so flott, dass ein Verwarnungsverfahren eingeleitet wurde. Darüber hinaus wurden weitere Verkehrsteilnehmer unmittelbar vor Ort verwarnt. Bei den Überprüfungen mittels Handlasermessgerät ging es den Polizeibeamtinnen und -beamten nicht ausschließlich darum, Verstöße festzustellen. Viel wichtiger war der persönliche Austausch mit den Menschen. An beiden Kontrollstellen ergaben sich zahlreiche positive Bürgergespräche. Viele Verkehrsteilnehmer zeigten Verständnis für die Maßnahmen, zeigten sich teilweise auch "ertappt" und begrüßten die Kontrollen ausdrücklich.

Bereits im Vorfeld der Geschwindigkeitskontrollen hatten die Polizeibeamtinnen und -beamten in Steinau in Abstimmung mit dem dortigen Ordnungsamt einen weiteren wichtigen Aspekt unter die Lupe genommen: das sogenannte "Elterntaxi". Gemeint sind damit Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bis unmittelbar vor die Schule bringen oder dort abholen. Was gut gemeint ist, kann rund um den Schulbeginn und das Schulende allerdings schnell zu zusätzlichem Verkehrsaufkommen, unübersichtlichen Situationen und Gefahren für andere Kinder führen.

Auch hier gilt: Ein sicherer Schulweg beginnt nicht erst auf dem Schulhof. Rücksichtnahme, angepasste Geschwindigkeit und ein aufmerksamer Blick für die kleinsten Verkehrsteilnehmer sind entscheidend. Die Aktion "Blitz für Kids" hat deshalb eine klare Botschaft: Kinder sollen sicher zur Schule kommen - und dafür können alle Verkehrsteilnehmer etwas tun. Die Polizeistation Schlüchtern zieht entsprechend ein positives Fazit. Die engagierte Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, das überwiegend verantwortungsbewusste Verhalten der Verkehrsteilnehmer und die zahlreichen guten Gespräche zeigen, dass Verkehrssicherheit am besten funktioniert, wenn man miteinander statt nur übereinander spricht. (pm/jk) +++


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