Zwölf Projekte für die Zukunft des Ortskerns von Poppenhausen - Fotos: Marvin Hucke

POPPENHAUSEN (WAKU) Von der Idee zur Machbarkeit

Zwölf Projekte für die Zukunft des Ortskerns

28.08.26 - Wie soll sich Poppenhausen in den kommenden Jahren entwickeln? Bei einer Bürgerversammlung im Von-Steinrück-Haus wurden die Ergebnisse der Dorfmoderation zur Innenentwicklung vorgestellt. Rund 85 Bürgerinnen und Bürger kamen, um zwölf konkrete Projekte zu diskutieren – von neuen Ortseingängen über ein Mobilitätskonzept bis hin zu einem sozialen Zentrum im ehemaligen Hort. Für mehrere dieser Vorhaben sind bereits Förderanträge gestellt.

Zwei Prozesse, die zusammenwachsen

Bürgermeisterin Ballweg machte zu Beginn deutlich, dass in Poppenhausen derzeit zwei Entwicklungsstränge parallel laufen. Zum einen die Dorfmoderation zur Innenentwicklung, zum anderen ein zweiter Beteiligungsprozess, der sich der "inneren Entwicklung" im sozialen Sinne widmet.

Auslöser für Letzteren war eine Informationsveranstaltung im Januar, bei der ein Verein aus der Nachbarschaft seine Arbeit im sozialen Bereich vorstellte. Aus der Bevölkerung kam prompt die Frage, ob man so etwas auch in Poppenhausen aufbauen könne. Die Antwort lautete: Es kommt darauf an – nämlich darauf, was Poppenhausen selbst braucht. "Es ist nicht das Gleiche, was vielleicht anderswo gebraucht wird", so Ballweg. Im April folgte deshalb eine weitere Bürgerversammlung, bei der Ideen zu Begegnung, Gemeinschaft und dem Thema Einsamkeit gesammelt wurden.

Beide Stränge seien letztlich untrennbar: "Man kann keinen neuen Platz gestalten, wenn niemand hingeht. Man kann sich aber auch nicht treffen, wenn es dafür keine Räume gibt." Ihr Fazit: "An Ideen hängt es nicht. Jetzt geht es in Richtung Umsetzung!"

Ein Ort mit außergewöhnlicher Energie

Wie viel bürgerschaftliche Kraft in Poppenhausen steckt, machte Bürgermeisterin Ballweg an einem aktuellen Beispiel fest. Es war bereits die sechste Bürgerversammlung in diesem Jahr – eine davon drehte sich um die Ansiedlung eines Tante-Enso-Marktes. Fast 400 Menschen kamen damals zusammen.

Das Ergebnis übertraf die Erwartungen deutlich: 738 Menschen konnten als Teilhaber gewonnen werden, die gemeinsam fast 1.800 Anteile zeichneten. Damit wurde nicht nur das Ziel von 600 Anteilen erreicht, sondern auch zusätzliche Bonusleistungen ausgelöst. "Das ist ein Statement der Menschen hier, die einfach sagen: Ich will den Laden - und dann schaffen wir das auch."

Eine weitere gute Nachricht kam am Vorabend: Eine Poppenhäuser Dorfinitiative wurde mit dem Hessischen Demografiepreis ausgezeichnet und erhielt 1.000 Euro. Für die Bürgermeisterin ein wichtiges Signal, "dass Engagement im sozialen Bereich nicht nur an sich gut ist, sondern auch von der Politik gesehen und gewürdigt wird".

Der Weg der Dorfmoderation

Lukas Schomaker vom begleitenden Büro UmbauStadt PartGmbB skizzierte den bisherigen Prozess. Seit Herbst hat das Büro die Gemeinde in mehreren großen Bürgerbeteiligungsveranstaltungen begleitet. Am Anfang standen eine Bestandsaufnahme und eine Umfrage zur Innenentwicklung, es folgten Gespräche mit Akteuren im Ortskern, dann die Konkretisierung und Visualisierung von Ideen.

Ein Anliegen zog sich dabei durch: Die Ergebnisse sollen nicht in der Schublade landen. "Wichtig ist, dass es nicht ins Stocken gerät, sondern weitergehen kann", so Schomaker.

Beeindruckt zeigte er sich von der Beteiligung: Bei der vorangegangenen Projektwerkstatt waren rund 100 Menschen dabei, an diesem Abend 85. "Das ist im Vergleich zu Städten und Kommunen, in denen wir arbeiten und die doppelt oder dreimal so groß sind, wirklich außergewöhnlich – dort kommen manchmal nur 30 Leute." Auch die Bewertung der Projekte fiel deutlich aus: Bei der Projektwerkstatt gab es 322 positive und lediglich 23 kritische Rückmeldungen. "Alle Projekte sind am Ende positiv bewertet worden – kontrovers, aber immer konstruktiv."

Von der Idee zur Machbarkeit

Herr Dilcher vom selben Büro erläuterte, wie die gesammelten Ideen anschließend strukturiert wurden. Für jedes Projekt wurde ermittelt, in welchem Kostenrahmen es sich ungefähr bewegt, wie es finanziert werden könnte – aus Gemeindemitteln oder über Fördermittel –, welche Zugriffsmöglichkeiten bestehen und welche Hemmnisse zu überwinden sind.

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend: Mehrere Flächen befinden sich in Privateigentum, was Verhandlungen erforderlich macht. "Wir haben viel Zuspruch erfahren, aber es gibt auch Dinge, die bei dem einen oder anderen Projekt noch schwierig sind."

Drei Projekte mit Förderantrag

Für drei Vorhaben wurden bereits Anträge in einem Förderprogramm gestellt.

Beratungsangebote: Hier geht es darum, dass die Gemeinde Beratungsleistungen organisiert, die Eigentümern und Initiativen helfen, ihre Vorhaben in Gang zu bringen – etwa zu Denkmalschutz oder baurechtlichen Fragen. Ergänzt wird das durch ein sogenanntes Umsetzungsmanagement, also eine fortlaufende Begleitung der Gemeinde bei der Realisierung der Projekte. Gerade kleinere Kommunen stoßen dabei schnell an Kapazitätsgrenzen. Der Kostenrahmen liegt in der untersten Kategorie bis 50.000 Euro.

Mobilitäts- und Verkehrskonzept: Ein Thema, das sich durch nahezu alle Diskussionen zog, ist die Frage: Wohin mit den Autos? Ob Marktplatz, Generationenwohnen oder Nachverdichtung im Innenbereich – überall taucht die Stellplatzfrage auf. Deshalb will sich die Gemeinde Expertise ins Haus holen und eine fundierte Verkehrsplanung erstellen lassen. "Man braucht erst eine Grundlage, wenn man entscheiden will, wie zum Beispiel der Markt umgestaltet werden soll", erklärte Dilcher. Auch dieses Projekt liegt im Rahmen bis 50.000 Euro.

"Social Hub" – ein soziales Zentrum: Das dritte und neu hinzugekommene Projekt trägt vorerst einen Arbeitstitel. Gemeint ist ein Familien- beziehungsweise Sozialzentrum – "Hub" im Sinne der Nabe eines Rades, also eines Zentrums. Vorgesehen ist der Umbau des ehemaligen Horts. Für Dilcher führt gerade dieses Vorhaben die beiden Entwicklungsstränge sichtbar zusammen: baulich-räumliche und soziale Entwicklung an einem Ort. Auch hier bewegen sich die Kosten in einem überschaubaren Rahmen, sodass bei entsprechender Förderung eine vergleichsweise schnelle Umsetzung möglich wäre. Das war dem Arbeitskreis ausdrücklich wichtig: "Wir brauchen auch Projekte, die schnell umgesetzt werden können, damit man sieht, dass sich etwas tut im Ort."

Bürgermeisterin Ballweg ergänzte, worum es beim Sozialzentrum inhaltlich geht: Wie begleitet man Menschen im Alter? Wie organisiert man Vorsorge und Unterstützung? Wie begegnet man Einsamkeit? Und wie schafft man Angebote, bei denen junge Familien Unterstützung finden? Vieles davon existiere in der Region bereits: "Es liegt nicht daran, dass es zu wenig gibt. Aber es ist für den Einzelnen schwer überschaubar und nicht immer miteinander vernetzt." Deshalb solle gebündelt und kanalisiert werden, statt alles selbst zu machen.

Weitere Projekte in der Diskussion

Neben den drei Förderprojekten wurden weitere Vorhaben vorgestellt. Darunter etwa:

Ortseingänge: Sie erhielten bei der Bewertung besonders viel Zustimmung. Schnell war im Arbeitskreis klar, dass ein neues Ortsschild allein nicht genügt. "Wir wollen ja, dass man merkt, dass man in einen Ort hineinfährt – und nicht einfach durchrauscht", so Dilcher. Wird das Umfeld entsprechend gestaltet, rutscht das Projekt allerdings schnell in eine höhere Kostenkategorie von über einer Million Euro. Ohne Fördermittel ist es für die Gemeinde nicht zu stemmen und braucht daher Zeit.

Bereich an der Georgstraße: Dieses Projekt sorgte für die kontroverseste Debatte des Abends, ablesbar an 35 zustimmenden und 13 ablehnenden Bewertungen. Im Kern geht es erneut um Stellplätze – und darum, wie viele davon an welcher Stelle tatsächlich benötigt werden. Auch hier soll das geplante Mobilitätskonzept Klarheit bringen.

Blick nach vorn

Die Gemeinde rechnet damit, dass eine Aufnahme in die reguläre Dorfentwicklungsförderung erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist, weil andere Orte im Landkreis ihre laufenden Prozesse zunächst abschließen müssen. Untätig bleiben will man deshalb nicht: "Wir werden auf jeden Fall auch im kommenden Jahr tätig und agil sein."

Zum Abschluss richtete Bürgermeisterin Ballweg einen persönlichen Dank an die Anwesenden: "Sie alle sind heute hier, sie sind für mich Mutmacherinnen und Mutmacher – weil sie gekommen sind, weil sie sich einbringen, weil sie viele Ideen hatten und haben." Genau das sei der Grund, warum ihre Arbeit für Poppenhausen stets mit Tatkraft und Freude geschehe. (Marvin Hucke) +++


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