Mit der Eröffnungsjagd auf dem Hofgut Schackau in Hofbieber hat der Schleppjagdverein Vogelsberg-Meute e.V. seine Herbstsaison eingeläutet. - Fotos: Jörg Steinert

HOFBIEBER "Ein tolles Ambiente"

Eröffnungsjagd auf Hofgut Schackau: Vogelsberg-Meute startet in Herbstsaison

30.08.26 - Helles Geläut, galoppierende Pferde und eine Duftspur statt lebender Beute: Mit der Eröffnungsjagd auf dem Hofgut Schackau in Hofbieber hat der Schleppjagdverein Vogelsberg-Meute e.V. seine Herbstsaison eingeläutet. Der Terminkalender ist gut gefüllt – und die Veranstalter freuen sich über Mitreiter wie Zuschauer gleichermaßen.

Was eine Schleppjagd ausmacht

Anders als der Name vermuten lässt, wird bei einer Schleppjagd kein lebendes Tier verfolgt. Ein sogenannter Schleppenleger reitet vorab eine festgelegte Strecke ab und legt dabei eine künstliche Duftspur, den sogenannten Scent. Auf diese Fährte sind die Beagles des Vereins trainiert. Mit Passion, Schnelligkeit und vor allem mit hellem Geläut verfolgen sie die Spur – und "ziehen" die teilnehmenden Reiter hinter sich her.

Weil sich ein flüchtendes Wild quer durch die Landschaft bewegen würde, wird die Jagdstrecke mit möglichst natürlich wirkenden Hindernissen präpariert. "Die sind alle jagdgerecht gemacht und können umritten werden, für Reiter, die nicht springen wollen oder können", erklärt Karl-Heinz Knaf, langjähriges Vereinsmitglied. "Hier gibt es kein Muss – es ist eine echte Spaßaktion." Zwischen zehn und zwanzig Kilometer legen die Teilnehmer dabei zurück.

Ausdrücklich betont Knaf, dass keine lebenden Tiere gehetzt werden: "Die Hunde jagen in der Regel kein Wild – das ist auch eine Trainingssache." Sollte doch einmal ein Hase die gelegte Spur kreuzen, folgten die Hunde weiterhin der Duftspur. "Ich selbst habe es noch nie erlebt, dass da etwas passiert ist. Das gibt es bei uns nicht."

Für ihn steht der gemeinsame Reiz im Vordergrund: "Für die Pferde ist das ein echter Spaß. Pferde, Hunde und Reiter machen gemeinsam etwas – es gibt nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren."

"Es geht um das Miteinander in der Natur"

Diesen Gedanken bringt auch Monika Stepper, Schatzmeisterin im Vorstand, auf den Punkt: "Es geht um das Miteinander in der Natur." Gegründet wurde der Verein 1979 und feiert damit inzwischen sein 45-jähriges Bestehen. Die Mitgliederzahl schätzt Knaf auf 100 bis 150 – wobei längst nicht mehr alle aktiv reiten.

Sorge um den Nachwuchs

Bei aller Begeisterung fällt Knafs Bilanz auch nachdenklich aus. "Leider muss ich feststellen, dass die Reiter immer weniger werden." Wie viele Vereine kämpfe man mit Nachwuchsschwierigkeiten. Hinzu komme ein Imageproblem: "Die Reiterjagd hat nicht immer einen guten Ruf, weil jeder denkt, das sei schwierig. Aber wenn man es einmal gemacht hat, erlebt man, wie schön es wirklich ist."

Auch organisatorisch werde es anspruchsvoller. Geeignete Strecken zu finden, auf denen geritten werden darf, sei zunehmend schwierig; hinzu kämen Vorschriften, hoher Bauaufwand für die Hindernisse und weite Anfahrten. "Da steckt viel Arbeit dahinter."

Besonders bedauert Knaf die geringe öffentliche Aufmerksamkeit für den Reitsport insgesamt: "Beim Reiten sind die Leute alle lustig und fröhlich, gesellig und feiern gern." Umso mehr ärgere ihn, wie wenig Anklang der Sport hierzulande finde.

Ein Reiterleben zwischen Rhön und Mongolei

Knaf selbst bringt jahrzehntelange Erfahrung mit: Vor rund 33 Jahren ritt er seine erste Jagd, auf seinem eigenen Hof richtete er zahlreiche Jagden mit der Meute aus. Seine Touren führten ihn auch ins Ausland – unter anderem nach Frankreich sowie in die Mongolei.

Aus letzterer Reise nahm er eine ganz eigene historische Erkenntnis mit. Das Land sei sehr karg, das Futterangebot nach europäischen Maßstäben minimal. "Unsere Pferde wären dort nach vier Wochen verhungert – und die Pferde von dort würden hier in vier Wochen überfressen." Je weiter man nach Westen komme, desto besser werde die Futtergrundlage. Seine augenzwinkernde Schlussfolgerung: "Jetzt weiß ich, warum Dschingis Khan die Welt erobert hat."

Ein Tag in schönem Ambiente

Für die Eröffnungsjagd bot das Hofgut Schackau in Hofbieber die passende Kulisse. "Hier ist noch eine richtig schöne Gegend, ganz toll zum Reiten", schwärmt Knaf. "Ein tolles Ambiente." Umso mehr wünschte er sich noch mehr Besucher, die das miterleben.

Denn Zuschauer sind ausdrücklich willkommen: Sie können die Jagden per Pkw oder auf einem Traktoranhänger begleiten und werden über befestigte Wege zu den interessantesten Stellen geführt. Für Speis und Trank ist gesorgt, im Anschluss klingt der Tag mit gutem Essen und geselligem Beisammensein aus.

Die weiteren Termine der Saison

Nach dem Auftakt in Hofbieber geht es Schlag auf Schlag weiter: Am 12. September ist der Verein in Steinau an der Straße zu Gast, am 19. September wird rund um den Kennel in Brachttal-Spielberg gejagt. Einen Tag später, am 20. September, präsentiert die Meute ihre Hunde im Rahmen einer Schauschleppe beim "Tag der Jagd" am Weiherhof.

Am 3. Oktober führt die Jagd auf Schloss Fasanerie in Fulda, am 11. Oktober findet die Landesverbandsschleppjagd beim RuF Schaafheim statt. Den Abschluss bildet am 31. Oktober die Abschlussjagd am Kennel in Spielberg. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es auf der Vereinswebsite.

Ein besonderer Dank der Veranstalter gilt den Jagdherrschaften, Landwirten, Jagdpächtern und den vielen Helfern, ohne deren Unterstützung die Saison nicht möglich wäre. Und eines betont der Verein ausdrücklich: Die Veranstaltungen lohnen sich auch für Nichtreiter – jeder ist herzlich willkommen. (Marvin Hucke) +++


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