Ordentlich gefeiert wurde bei der Kirmes in Mottgers - Fotos: Walter Dörr

SINNTAL Das war der Kirmesspruch

Kirmes in Mottgers: Exbloovodder kurzfristig reaktiviert

31.08.26 - Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Dieser alte Spruch wurde bei der Kirmes in Mottgers wahr. An fünf Tagen feierte Mottgers (Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis). Zum 49. Mal wurde das Dorffest als Zeltkirmes gefeiert – die größte in der Region - und Ausrichter war wieder der Sportverein FC Hermania. Das Programm war zum Teil sportlich (Derby-Fußballspiel, Jugend- und Altherren) und gesellig durch Musikdarbietungen (Kalli-Hendrix-Band, Doc Rock, Troglauer, Rhön Adler, Landrückenmusikanten, The Jets und der Musikverein Oberzell).

Ein Höhepunkt war natürlich das Aufsagen des Kirmesspruches am Sonntagnachmittag. Voller Erwartung waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger im Festzelt – darunter auch Sinntals Bürgermeister Thomas Henfling. Die 17köpfige Bloogesellschaft (Dem Mudjescher Bloo 2026 gehörten Elias Fröhlich, Lars Diehm, Annalena Fröhlich, Erik Ritter, Finn Müller, Mira Gärtner, Lilly Przewosnik, Joel Niegten, Joline Schäfer, Julius Kirchner, Louis Kailing, Morris Mohr, Maylin Frings, Marius Stern, Paul Schneider, Elias Stark und Tabea Zeller an.) marschierte mit den Klängen der "Rhön-Adler" ein und Oberbloofrau Tabea Zeller erklomm die mitgebrachte große Stehleiter, um wieder den Kirmesspruch vorzutragen.

Doch sie bekam keinen Ton raus. Nur ein Piepsen – die Stimme war weg. Da half auch kein "Nachölen" mit einem bekannten Kräuterschnaps oder beherzte Züge aus einem Bierglas. Das Piepsen blieb. Nach bangen Minuten brauste im Festzelt tosender Beifall auf: Niclas Beier, der bis 2024 viele Jahre den Kirmesspruch aufgesagt hatte, ging zur Bühne, um seine Nachfolgerin zu erlösen. Den Weg die Leiter hoch kannte er noch, den Kirmesspruch 2026 natürlich nicht. Er nahm den Ordner mit den 23 Seiten Dorfchronik und gestand, so nüchtern noch nie einen Kirmesspruch vorgetragen zu haben.

"Etz setzt euch hie und gebt schö Ruh, un hört mir oarm Sau erschtemo zu. Doch befür ich etz ofang, den Spruch euch fürzulalle, dunn ich mir noch e schö Bier von unne kralle," leitete Beier seinen Spruch ein. Von der Nachbargemeinde Weichersbach handelte die erste Geschichte. "Eigentlich müsse mir es euch net verzähle, mit de Weischböcher dud sich ganz Sinntal rumquäle. Das Geaff zwische uns geht scho fast 100 Joar, immer wiere krieche mir uns in die Hoar." Bei der letzten Kirmes "E richtig Kirmes kann man dos jo net genenn, do gehste hie un kannst gleich wiere am liebste furtgerenn) wollte der Mottgerser Bloo den Kirmesstrauß klauen. "Lange Boar, große Schritte, mit de Kreissäch geht’s ab durch die Mitte. Richtich wohl hot sich de Bahm do eh net gefühlt, do hon mir halt die Menge e bissje aufgewühlt." Leider habe der Coup aber nicht ganz geklappt. Seit drei Jahren seien die Mottgerser mit ihrem Faschingswagen bei Umzügen dabei – wie in Schlüchtern.

"Mit Jacky un Stimmung brachte mir die Stadt zum Beben, dann wurde bei de Giesela wiere alles gegeben." Auf der Heimfahrt auf der "Starbetzer Höh woar ma wiere de Grobe so schö. De Caddy näbicht de Stross neigesetzt hot de Foarer erschmo die Aache beinannergepetzt. Noch em kurze Schlöffje hot er gemerkt, dass die Karre da nemme alleine rausfährt." Zum Glück gibt es große Traktoren in Mottgers mit einer 24-Stunden-Abschleppschicht". "Eins wird uns immer klarer, Finn ist einfach koarn Rallyefahrer," so der Bloo. Von einer Geburtstagsfeier, bei der "nur das halbe Dorf abgefackelt wurde" und dem "Durf-Bauer", der einen neuen Bus massakrierte, wurde im Kirmesspruch berichtet, ebenso von der Anpassung der Einfahrt für ein Wohnmobil – was wegen einem Rechenfehler schiefgelaufen ist. Spezialagente in Rente haben auch Durst – in Emmerichsthal.

Auf der Heimfahrt mit dem Traktor kam der Kreislauf durcheinander: "Links geblinkt, nach rechts gelenkt, wurd de Trecker in die stabile Seitenlage versenkt. "In de Einkaufsmeile in der Hauptstross is se gefoarn, un hot die Kontrolle übers Auto verlorn," so beschrieb der Bloo ein Missgeschick, bei dem der Zaun des Spielplatzes kaputt ging. Schon vor längerer Zeit und der Bloo kritisiert: "Mit wisse, die Gemoar arbeitet sehr effektiv, desweche is unsern Spielplatzzaun immer noch schief. Doch das dauert, man kanns net versteh, komme die Latte aus Übersee? Wahrscheinlich wird de Spielplatzzaun un die Stross so bleibe, bis mir e neu Jahrhundert schreibe." "Bei uns im Durf mir wisse es alle, tun uns lieber Küh statt Gäul gefalle," berichtete der Bloo über eine Überzahl an Kühen. Zwei Stuten und ein Hengst als Nachbarn auf der Wiese sorgten für Bloospruchstoff.

"So nahm die Natur ihren Lauf, un Zack woar de Hengst auf de Stute drauf." Bei dem Akt auf der Weide ging es schön zur Sache, zu sehr, denn der Hengst verendete. "Die Besitzerin kom zur späten Stunde und hot ihren Hengst tot aufgefunde." Die Polizei wurde alarmiert. "Sie konnt die Stimmung halbwechs gerett, doch wiederbelebe konnte se das Viech leider net. En letzte Tipp vom Bloo, den prägt euch ein, jeder Ritt kann der letzte sein."

Am Montag klingt die "Mudjescher Kirmes" aus. Ab 11 Uhr ist ein zünftiger Frühschoppen, ab 12 Uhr beginnt ein bayerischer Nachmittag mit entsprechendem Essen. Das traditionelle Entenrennen auf der Schmalen Sinn startet um 16.30 Uhr. Ab 18 Uhr unterhält der Musikverein Oberzell und ab 20 Uhr spielen "The Jets". (Walter Dörr) +++


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