
Mit einer Demonstration haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtsstation der Frauenklinik in Ziegenhain gegen die geplante Schließung protestiert - Fotos: privat
SCHWALMSTADT
Aus für die Geburtsstation in Schwalm-Eder
Riskante Strecke: Schwangere im Nachbarkreis müssen künftig weit fahren
02.09.26 - Für werdende Mütter ist es nicht erst kurz vor dem Geburttermin wichtig zu wissen, auf welcher Entbindungsstation sie ihr Baby bekommen möchten. Natürlich sollte das Krankenhaus so nah wie möglich am eigenen Wohnort gelegen sein, um beim Einsetzen der Wehen schnell vor Ort sein zu können. Für alle Schwangeren im Schwalm-Eder-Kreis und dem nördlichen Vogelsberg wird die Wahl des Krankenhauses künftig ein großes Problem, denn wie bereits berichtet, schließt die Asklepios Klinik Schwalmstadt ihre Geburtsabteilung in Ziegenhain zum 1. Januar 2027. Ab diesem traurigen Stichtag müssen Familien dann für die Geburt weite Strecken und eine Fahrtdauer von über 40 Minuten auf sich nehmen, denn die nächstgelegenen Frauenkliniken befinden sich in Marburg, Fritzlar oder Bad Hersfeld. Das ist für die Betroffenen nicht nur eine Zumutung, sondern kann in Notfällen lebensbedrohliche Verzögerungen für Mutter und Kind bedeuten.

Die Geburtsstation soll zum Jahresende geschlossen werden
Schwangere, Patientinnen der Frauenklinik und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtsstation haben am Wochenende ihren Unmut über die geplante Schließung mit einer Demonstration zum Ausdruck gebracht. Symbolisch wurde die Station von rund 60 Teilnehmern in einem Sarg zu Grabe getragen. In einer großformatigen Todesanzeige wurden Entsetzen und Unverständnis über diese eklatante Verschlechterung der medizinischen Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis formuliert. Die Schließung nach so vielen Jahren engagierter Arbeit, unzähligen Geburten, mitfühlender Betreuung und unverzichtbarer Versorgung wolle man nicht hinnehmen, sondern weiter um den Erhalt kämpfen, heißt es dort.

Symbolisch wurde die Geburtsstation von den Demonstranten zu Grabe getragen ...
Der leitende Oberarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Asklepios Klinikum, Dr. Mohamed Koheil, hat sich in einem offenen Brief an die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz gewandt. Darin betont er, dass bei Notfällen wie Uterusruptur, Nabelschnurvorfall, vorzeitiger Plazentaablösung sowie starken oder massiven Blutungen in der Schwangerschaft jede Minute zähle und die Erreichbarkeit der Klinik entscheidend für Mutter und Kind sei. "Treffen solche zeitkritischen Notfälle auf verlängerte Transportwege, wie es nach Schließung der Station in Ziegenhain zwangsläufig der Fall sei, muss aus medizinischer Sicht mit vermeidbaren gesundheitlichen Schäden gerechnet werden. Beim ungeborenen Kind kann eine schwere Sauerstoffunterversorgung zu hypoxischen Hirnschädigungen und anderen Organschäden führen. Bei der Mutter können insbesondere schwere Blutungen und andere geburtshilfliche Komplikationen zu einer akuten, im Extremfall lebensbedrohlichen Gefährdung führen", mahnt der Mediziner.

Auch DRK-Präsidentin Donata Schenck zu Schweinsberg beklagt die Schließung der ...Foto: O|N-Archiv
Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Fulda, zeigt sich im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS ebenfalls entsetzt und besorgt über die geplante Schließung der Station. "Asklepios stiehlt sich mit diesem Schritt aus rein finanziellen Interessen aus der Verantwortung", kritisiert sie. Die Privatklinik verursache so eine massive Verschlechterung der medizinischen Versorgung in der Region, die Leidtragenden seien wieder einmal Mütter und Kinder. In Notfällen von Schwangeren müsse der Rettungsdienst bei den langen Anfahrtswegen einen riskanten Wettlauf gegen die Zeit auf sich nehmen, was nicht hinnehmbar sei. (ci) +++