Das Objekt des Monats ist ein Fotoalbum zur Erinnerung an China. - Foto: Daniel Bley, Vonderau Museum

FULDA Fotoalbum zur Erinnerung an China

Koloniales Erbe: Objekt des Monats September im Vonderau Museum

01.09.26 - Das Vonderau Museum Fulda präsentiert seit nunmehr fünf Jahren sein "Objekt des Monats" im Schaufenster des Museumseingangs am Jesuitenplatz 2.

Ab dem 1. September wird das Fotoalbum von Joseph Dehler zur Erinnerung an seine Dienstzeit in Tsingtau (China) von 1908 bis 1911 gezeigt.

Fotoalbum zur Erinnerung an China - Holz, Papier, Karton, Lack, Perlmutt, Muschel, 1908-1911

Maße: 27,3 x 35 x 4,5 cm, Inventarnummer: LV 87.1

Im 20. Jahrhundert entwickelt sich die Fotografie zum Massenmedium. Fotos sind Kommunikationsmittel und dokumentieren unseren Alltag. Fotoalben spielen eine zentrale Rolle für die Erinnerung. Sie halten Familien und Porträtaufnahmen, Feste oder Reisen, aber auch Krisen und Kriege fest. An die fast vergessene deutsche Kolonialgeschichte erinnert das Fotoalbum von Joseph Dehler.

Joseph Dehler wird 1888 im Ortsteil Elters in der Gemeinde Hofbieber geboren. Nach seiner Ausbildung zum Schuhmacher meldet er sich freiwillig zum Dienst in der Matrosen-Artillerie-Abteilung Cuxhaven. Als Marinesoldat ist er von 1908 bis 1911 in der chinesischen Hafenstadt Tsingtau (heute Qingdao) stationiert.

Das Gebiet Kiautschou war von 1898 bis 1914 die einzige deutsche Kolonie in Ostasien und wurde vom Deutschen Kaiserreich zum Marine- und Handelsstützpunkt ausgebaut. Das Fotoalbum beinhaltet 72 Schwarz-Weiß-Fotografien, die das Alltagsleben der Kaiserlichen Marine, Nahaufnahmen der chinesischen Bevölkerung sowie Landschafts- und Stadtansichten des kolonialen Tsingtau zeigen. Die Fotografien erwirbt Joseph Dehler wohl von lokal ansässigen Fotografen. Sie sollen das Leben in der Kolonie dokumentieren, um die Eindrücke aus der Fremde später mit nach Hause zu nehmen. Im kolonialen Kontext vermitteln die Fotos immer auch Machtverhältnisse und sollen die angebliche Überlegenheit der Europäer widerspiegeln.

Die Lackalben waren ein beliebtes Souvenir. Nach dem Tod von Joseph Dehler 1981 befindet sich das Album zusammen mit zwei weiteren Lackalben bis zur Übergabe an das Vonderau-Museum im Jahr 2007 im Familienbesitz. Die Fotoalben sind eine wichtige kulturgeschichtliche Quelle, die Fulda mit der deutschen Kolonialgeschichte verbindet und zur Auseinandersetzung mit den kolonialen Spuren in der Region anregt. (pg/pm) +++


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