08.09.26 - Der Hessische Gründerpreis geht in die nächste Runde – und erneut haben es mehrere Startups aus der Region bis ins Halbfinale geschafft. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dorthin: das individuelle Pitchtraining, das bei der Steuerkanzlei Gebhardt und Moritz in der Fuldaer Heinrichstraße stattfand. Gemeinsam mit ehemaligen Preisträgern sowie Experten für Finanzen, Ausdruck, Aussprache und Pitch-Gestaltung feilten die Gründer an ihrem Auftritt vor der Jury.
Für die Fuldaer Startup-Szene ist das Training inzwischen fester Bestandteil der Vorbereitung – und in diesem Jahr mit einem besonderen Ziel verbunden: den Titel in Fulda zu verteidigen. Im vergangenen Jahr lieferten die intensiven Trainings entscheidende Impulse, am Ende konnte Lea Baumbach den Hessischen Gründerpreis in einer der vier Kategorien nach Fulda holen. Ein Erfolg, der zeigt, welchen Unterschied gute Vorbereitung und ein überzeugender Pitch machen können. Begleitet werden die jungen Unternehmen dabei von der regionalen Wirtschaftsförderung, unterstützt wird das Training erneut von Gebhardt und Moritz.
"Zisch IT": Einsatzplanung auf Knopfdruck

Fotos: Region Fulda GmbH & G+M Steuerkanzlei
Zu den teilnehmenden Startups gehört "Zisch IT" mit den Gründern Lennard Zink, Moritz Westermeyer und Benjamin Schwing. Ihr Ansatz lässt sich schnell erklären – wenn man die naheliegende Verwechslung ausräumt: "Uns passiert ganz häufig, dass jemand sagt: Das ist ja nur ein weiteres HR-Tool, davon gibt es 20 Millionen auf dem Markt. Und da sagen wir ganz klar nein."
Der Unterschied liegt in der Automatisierung. "Wir haben einen intelligenten Algorithmus geschrieben, der die komplette Einsatzplanung für Unternehmen übernimmt", erklären die Gründer. Wer wann und wo eingesetzt wird, entstehe auf Knopfdruck – "jede Woche in unter 20 Sekunden, vollautomatisch". Auch Krankmeldungen werden automatisiert abgefangen: Das Programm sucht selbstständig verfügbare Personen. Ergänzt wird das Herzstück durch Funktionen wie Zeiterfassung, Urlaubs- und Krankheitsplanung sowie eine Priorisierungsfunktion. "Im Endeffekt ist es ein All-in-one-Tool."
Die Motivation dahinter formulieren die Gründer klar: "Viele Unternehmen planen und managen ihre Mitarbeiter immer noch wie vor 15 Jahren – mit endlosen, unübersichtlichen Excel-Tabellen. Wir sind der Meinung: Das sollte unkomplizierter gehen. Deshalb haben wir Zisch entwickelt."
Bewusst ohne KI im Kern
Bemerkenswert ist eine technische Grundsatzentscheidung: Beim eigentlichen Planungsalgorithmus setzt das Team bewusst nicht auf Künstliche Intelligenz. Der Grund liegt in der Fehleranfälligkeit – wo mit Mitarbeitergrenzen und konkreten Zahlen gearbeitet werde, dürften schlicht keine Fehler entstehen. Stattdessen kommt ein fester Optimierungsalgorithmus zum Einsatz, der garantiert stets die beste Lösung liefert.
Den Nutzen beziffern die Gründer konkret: Pro Standort ließen sich bei ihren Kunden rund 300 Stunden Arbeitszeit jährlich einsparen. Wichtig ist ihnen dabei eine Klarstellung: "Wir versuchen nicht, den Personalplaner zu ersetzen. Wir wollen die Zeit im Unternehmen für die wichtigen Dinge nutzbar machen."
Vom Schülerjob zur Unternehmensgründung
Die Entstehungsgeschichte begann früh. Alles nahm seinen Anfang zur Abizeit: Einer der Gründer arbeitete damals bei einem Lebensmittelhändler und erlebte, wie die Einsatzplanung der Schüler auf Papierzetteln, im Kalender des Chefs und in Excel-Listen organisiert wurde. Daraus entstand die Grundidee.
Es folgte eine rund zweijährige Entwicklungsphase, in der auch erste Pilotkunden gewonnen wurden, die das Produkt mit aufbauten. Zunächst lief das Projekt nebenbei, dann wurde es ernst: Man suchte gezielt Verstärkung, gründete schließlich zu viert und begann, die Pilotkunden in echte Kunden umzuwandeln.
Als vierter im Bunde stieß Christian Zink dazu – mit 53 Jahren der Älteste im Team und in leitender Position bei einem bekannten Logistiker tätig. Er bringt Management-Expertise und Ruhe ins Unternehmen. "Vielen Startup-Gründern passiert der klassische Fehler: Produkt, aber kein Markt – oder ein Markt, aber das Produkt passt nicht ganz", erklären die Jungunternehmer. Genau davor solle die Erfahrung im Team bewahren.
Aktuell steckt das Team zwischen 40 und 60 Wochenstunden in das Unternehmen – parallel zu Studium beziehungsweise dualem Studium. Der Plan steht jedoch fest: Ab Anfang kommenden Jahres soll es für alle in Vollzeit weitergehen. Das Motto des Teams lautet dabei: "Let's create future together!"
Impro Theater Fulda: Wirkung durch Begegnung
Ein ganz anderes Feld bespielt das Impro Theater Fulda, das in der Kategorie "Gesellschaftliche Wirkung" antritt. Der Titel der Präsentation von Shaggy Schwarz brachte den Kern auf den Punkt: "Wenn das Leben keinen Text liefert. Improvisationstheater bedeute, sich einlassen zu dürfen – auch auf Fehler. "Impro beginnt nicht beim Einzelnen. Ich brauche mein Gegenüber, ich muss zuhören, annehmen und gemeinsam entstehen lassen. Und genau da beginnt für mich gesellschaftliche Wirkung."
Das Angebot richtet sich an eine bemerkenswert breite Zielgruppe: Kinder ab sechs Jahren, Grundschulen sowie Erwachsene, Unternehmen und Teams. "Vom fünfjährigen Kind bis zur Führungskraft – Impro beginnt immer beim Menschen."
Wachstum seit der Gründung 2023
Gegründet am 1. April 2023, hat sich das Angebot rasant entwickelt. Inzwischen nehmen mehr als 200 Menschen pro Woche teil. Als Wirkung des Improvisationstheaters nennt das Startup Selbstvertrauen, Resilienz, Empathie, Kommunikation, Teamfähigkeit und Zugehörigkeit.
Auch wirtschaftlich zeigt die Kurve nach oben: Von 80.000 Euro Jahresumsatz im Jahr 2024 ging es auf 110.000 Euro im Folgejahr, für das laufende Jahr sind 160.000 Euro angesetzt. 22 Schulen, Unternehmen und Kooperationspartner arbeiten mittlerweile mit dem Impro Theater zusammen, Kurse gibt es unter anderem auch in Frankfurt und Lauterbach.
Den Abschluss der Präsentation bildete ein Satz, der die Philosophie des Projekts zusammenfasst: "Das Leben liefert Menschen kein Drehbuch – aber wir können daran arbeiten, gemeinsam eines zu entwickeln." (Marvin Hucke) +++