03.09.26 - Der eine trägt Strohhut und kariertes Sakko, der andere Kollar und ist barhäuptig – könnte aber auch mit Birett auftreten. Dazwischen sitzt einer, der grundsätzlich immer den Hut aufhat. In Fulda sind alle drei bekannt wie bunte Hunde: Shaggy Schwarz begrüßte im UEins Stadtpfarrer Stefan Buß und Kabarettist Michael Bleuel alias Franz Habersack. Es ging um vermeintliche und echte Unterschiede, um Gemeinsamkeiten, Glauben und Lachen, um Foaset, Väter, Heimat und Mundart.
Gelungener Einstand
Neuer Ort, neues Format: Das UEins im Konzeptkaufhaus Karl ist die neue Eventlocation von Shaggy Schwarz. Mit "Habersack & Buß" bringt er zwei bekannte Gesichter zu einer lockeren Talkrunde zusammen. Ein wenig nervös sei er schon, bekannte Schwarz zur Begrüßung – trotz des bis auf den letzten Platz besetzten UEins und der vielen netten Menschen, die ihn, die Location und das neue Format mit viel Beifall empfingen.

Das neue Format "Habersack & Buß" feierte im bis auf den letzten Platz besetzten UEins ...

Zwischen Foaset, Glauben, Heimat und Mundart wurde im UEins viel gelacht und auch nachgedacht. ...

Gastgeber Shaggy Schwarz brachte Kanzel, Kabarett und jede Menge Fuldaer Geschichten ...
Zur neu komponierten Stadthymne "Habersack & Buß" marschierten die beiden dann ein. Nicht ganz wie Gladiatoren, dafür aber sichtlich besser gelaunt. Ein paar biografische Informationen, dann ging es los. Schwarz hakte bei beiden immer wieder parallel nach – und förderte schöne Erkenntnisse zutage: Habersack ist der mit Hut, Bleuel der ohne. Und Buß versucht auch mit Priesterkragen immer, einfach "der Stefan" zu bleiben.
Das Habersacksche Platt versteht Buß inzwischen ziemlich gut, auch wenn er es selbst nicht spricht, wie er zugibt. Beide waren als Jugendliche eher schüchtern und fanden ihre innere Freiheit im Theaterspiel. Beide werden häufig wiedererkannt, auch außerhalb Fuldas. Ein bisschen Namedropping musste auch sein: Habersack bieselte schon einmal neben Herbert Grönemeyer, Buß brachte Volker Lechtenbrink bei, wie man einen Weihrauchkessel schwenkt.
Der Buß kann das, der Habersack haut es raus
Ihre Schüchternheit haben beide längst überwunden – was die Eignung für Kirche und Bühne deutlich steigert. Stefan Buß wird regelmäßig angefragt, wenn ein Geistlicher gebraucht wird. Und oft macht er es dann auch. Noch dazu gut. "Dann jammern sie intern: Schon wieder der Buß. Aber wenn der Stadtfeld einen anderen anruft, heißt es: Nein, lieber nicht, frag mal den Buß", plauderte der Stadtpfarrer aus dem Bistums-Nähkästchen.

Michael Bleuel alias Franz Habersack brachte mit Rhöner Mundart und trockenem Humor ...

Stadtpfarrer Stefan Buß sprach über Glauben, Familie, Foaset und die Bedeutung ...
Der Habersack schaut den Leuten fast schon lutherisch aufs Maul. "Ich guck mer die Lüüd o un denk, die khann me uff die Bühn gestell", erzählt er. Nach 30 Jahren mit dem Comedy-Duo Wolf & Bleuel musste Habersack allerdings erst einmal pausieren. "Immer unterwegs, ich war ausgebrannt", sagt er. Dass sein Neustart als Habersack so einschlagen würde, hatte er nicht erwartet. Schuld daran ist – na, wer wohl? – die Foaset. Genauer: die FKG, die wieder mehr Mundart in den Fremdensitzungen haben wollte.
Humor und Religion
In der Foaset haben sich Habersack und Buß gefunden, hier sind beide aktiv. Dass sie einmal Karnevalisten werden würden, hat sie selbst überrascht. Heute lieben sie die Foaset, die man sich ohne beide kaum noch vorstellen kann. "Die Foaset ist ein ungeheures Reservoir an Kreativität", findet Habersack. Buß ergänzt: "Ich liebe einfach die Tradition, denn hier wird etwas wirklich Wertvolles geleistet."
In der Foaset dürfe man mehr sagen als sonst, finden beide. Entscheidend seien "Gags und Wahrhaftigkeit". "Das Lachen ist wichtig", sagt Buß. "Gerade weil wir so eine Jammergesellschaft geworden sind. Mir geht es immer um Hoffnung, fürs Negative sorgen schon andere." Ist es schwerer, Menschen zum Lachen oder zum Nachdenken zu bringen? "Ideal ist es, wenn sie übers Lachen das Nachdenken beginnen", sagt Habersack.
Von dort führte der Bogen fast von allein zur Religion. Habersack wurde "katholisch erzogen, aber es ging nicht tiefer". Buß stammt aus einem gemischt-religiösen Elternhaus – das erklärt auch seine Verbundenheit mit der Ökumene. "Das freie Denken zuhause hat mich geprägt. Meine Eltern haben tiefes Gottvertrauen in mich hineingelegt." Überhaupt die Familien, besonders die Väter: Beide sprechen mit großer Zuneigung von ihren Vätern und davon, wie wichtig ihnen familiärer Zusammenhalt ist.
Impulse oder Ô?
Sehr lustig wird es, als die beiden jeweils einen Text des anderen vorlesen sollen. Habersack nimmt sich den "Fastnachts-Impuls" des Stadtpfarrers vor, Buß Habersacks Einlassungen über "Das magische ebbes". Beide Autoren sind beim Parzeller Verlag zuhause: Buß inzwischen mit sechs Büchern voller Impulse, Habersack mit "Ô", dem Sprachkurs zur Rhöner Mundart, und drei Kriminalromanen. Natürlich auf Rhöner Platt.
Die Impulse entstanden im Corona-Lockdown, erzählt Buß. Die Stadtpfarrkirche streamte zwar schon vorher Gottesdienste auf YouTube, fragte sich aber, wie man jene erreichen sollte, die weder Laptop noch Handy nutzen. Die Antwort hieß Impulstelefon: Jeden Tag ein aufbauender Impuls, man musste nur anrufen. Erst wurde Parzeller aufmerksam, dann OSTHESSEN|NEWS. Heute erreichen die Impulse über WhatsApp zweimal pro Woche 70.000 Empfänger. Nach einer Getränkepause ging es mit Auftritten von Shaggy Schwarz und Franz Habersack weiter. Anschließend traten Buß und Habersack noch im Quiz gegeneinander an.
Es war ein durch und durch vergnüglicher Abend – und das will etwas heißen, wenn der Saal voller Fans sitzt und die Erwartungen entsprechend hoch sind. Das neue Format sorgte für viel Gelächter, noch mehr Applaus und ein wenig Nachdenklichkeit. Und mal ehrlich, eigentlich haben wir es doch schon immer gewusst: In Fulda liegen Kanzel und Kabarett näher beieinander, als man denkt. (Jutta Hamberger) +++
