03.09.26 - In Lauterbach stehen die Signale für den Bau einer neuen DRK-Wache auf grün. Doch der geplante Standort neben dem städtischen Friedhof gelegen sorgt bei manchen Anwohnern für Unmut. Sowohl der Vogelsbergkreis als auch der DRK reagieren mit Unverständnis auf eine gestartete Petition zur Verhinderung des Baus.
"Manchmal bekommt man das eine eben nicht ohne das andere. Sicher unterschreiben alle, dass sie froh darüber sind, wenn der Rettungswagen im Notfall kommt. Und dazu gehört eben eine ordentliche Rettungswachen-Struktur – auch direkt vor Ort. Wie sollen sonst Strukturen der Notfallversorgung funktionieren? Ich bin jedenfalls sehr glücklich darüber, dass wir vor Ort starke Leistungserbringer als Partner haben", sagt Landrat und Gefahrenabwehrdezernent Dr. Jens Mischak zur Kritik an der neuen DRK-Wache.

Die neue Rettungswache des DRK in Lauterbach soll im zweiten Halbjahr 2028 fertiggestellt ...Archivfoto: Felix Weigl
Petition befürchtet weitere Belastung des Verkehrs am Standort
82 Unterschriften hat die Petition zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels gesammelt. In der Petition heißt es, dass die Errichtung einer neuen DRK-Wache neben dem Friedhof genehmigt wurde, ohne weitere Standorte zu prüfen. In einer Anfrage durch OSTHESSEN|NEWS weisen sowohl der Vogelsbergkreis als auch der Rettungsdienst Mittelhessen (RDMH) diesen Vorwurf entschieden zurück.
"Der Vogelsbergkreis als zuständiger Rettungsdienstträger hat alle Standorte von Rettungswachen einer gutachterlichen Überprüfung unterzogen, sodass insgesamt eine flächendeckende Versorgung für die Bevölkerung im Rahmen der Entwicklung des Systems sichergestellt ist. Der Einsatzbereich der einzelnen Rettungswachen ist nach einer Hilfsfrist von acht Minuten Fahrzeit berechnet. Das bedeutet, dass bei der Auswahl eines neuen Standortes immer der Radius der acht Minuten eingehalten werden muss", heißt es in einem gemeinsamen Statement des Kreises und des RDMH.

Der neue Standort an der B254 soll die bisherige Rettungswache auf dem Gelände der ...Archivfoto: Hans Hubertus Braune
Ferner heißt es im Statement, dass der Standort aufgrund seiner direkten Anbindung an die B254 und der schnellen Anbindung über die Einfahrtsstraße der B275 zur Innenstadt optimal sei. Eine zusätzliche Belastung der örtlichen Infrastruktur, wie in der Petition kritisiert, sieht man als nicht gegeben. "Die DRK-Rettungswache Lauterbach ist bereits an der B254 stationiert, jedoch einige hundert Meter weiter auf dem Gelände der Feuerwehr. Von daher wird sich an der Gesamtverkehrsmenge auf der B254 keine Veränderung ergeben, da die Rettungswache bereits an dieser Straße existiert", so der Vogelsbergkreis und der RDMH. "Lediglich der Startpunkt des Fahrzeugs verändert sich", heißt es weiterhin.
Hauptstandort des DRK Mittelhessen
Wie der Landkreis betont, war der Bau einer neuen Rettungswache zwingend erforderlich, da der vorhandene Standort auf dem Gelände der Feuerwehr, den
räumlichen Anforderungen in keiner Weise genügen würde. Am neuen Standort sollen nun fünf Fahrzeughallen entstehen sowie eine Hygieneschleuse und ein Schulungsraum für die Lehrrettungswache. Zwei Rettungswagen sind im 24-Stunden-Betrieb stationiert sowie ein Reservefahrzeug und ein weiterer Platz für künftige Entwicklungen am Standort. Neben den Führungskräften und den Praxisanleitern wird auch der Betriebsrat am neuen Standort seinen Sitz haben.

Anwohner fürchten durch die neue Rettungswache eine zusätzliche Belastung der ...Archivfotos (3): Marvin Myketin
Sowohl Baubeginn als auch Inbetriebnahme können derzeit nur geschätzt werden. Auf Anfrage heißt es, dass die Bauleitplanung der Stadt Lauterbach für diesen Bereich noch nicht abgeschlossen sei. "Der DRK Rettungsdienst Mittelhessen geht davon aus, dass mit der Baumaßnahme im zweiten Halbjahr 2027 begonnen werden kann und die Fertigstellung des Projektes im zweiten Halbjahr 2028 erfolgen kann."
Lärmbelästigung am Friedhof?
In der Petition wird der neue Standort vor allem durch die unmittelbare Nähe zum Lauterbacher Friedhof kritisiert. So heißt es in der Petition: "Der friedliche Charakter der Ruhestätte sowie die Ruhe der angrenzenden Wohngegenden wird vermutlich durch die ständige Aktivität und Sirenen erheblich beeinträchtigt."
Auch hier reagieren Vogelsbergkreis und RDMH mit Unverständnis. "Wir können die Befürchtungen bezüglich erhöhter Lärmbelästigung nicht nachvollziehen. Derzeit finden die Alarmfahrten der Rettungsfahrzeuge über die B254 statt. In der Regel benutzen die Fahrzeuge das Einsatzhorn im fließenden Verkehr über eine längere Strecke, sodass tatsächlich ein wahrnehmbarer Schall durch das Einsatzhorn links und rechts der Straße zu verzeichnen ist", heißt es auf O|N-Nachfrage. (Nikolas Krudewig) +++