Ein Jahrhundert Firmengeschichte, fünf Generationen und ein Betrieb, der eng mit seiner Region verwachsen ist: Die Getränke-Bräuning GmbH & Co. KG aus Tann in der Rhön hat ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. - Foto: Marvin Hucke

TANN (RHÖN) Noch als "Pfingstbrunnen" gegründet

100 Jahre Getränke-Bräuning: Tann feiert ein Jahrhundert Familiengeschichte

07.09.26 - Ein Jahrhundert Firmengeschichte, fünf Generationen und ein Betrieb, der eng mit seiner Region verwachsen ist: Die Getränke-Bräuning GmbH & Co. KG aus Tann in der Rhön hat ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Nach einem festlichen Abend für geladene Gäste am Freitag öffnete der Getränke-Fachgroßhandel am Samstag seine Tore für alle – mit Fassbieranstich, Verkostungsständen und Live-Musik. Geschäftsführer Holger Wehner nahm die Besucher dabei mit auf eine Zeitreise durch bewegte Jahrzehnte.

Der Ursprung: eine Weide, ein Brunnen, ein Name

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1926 zurück. Damals wurde die Firma unter dem Namen "Pfingstbrunnen" gegründet und füllte Limonaden und Wasser ab. Der Anlass war schlicht wirtschaftliche Notwendigkeit: "Der Gründer war Landwirt, und die Landwirtschaft war zu klein, hat nicht gereicht", erklärt Holger Wehner. Also suchte man nach einem Brunnen – und wurde in der Nähe fündig. Auch der Name hat eine anschauliche Herkunft. Der Brunnen lag auf einer Weide, auf die traditionell zu Pfingsten das Vieh aufgetrieben wurde. So entstand die Bezeichnung Pfingstbrunnen.

Schwere Anfänge und eine Kundschaft bis nach Thüringen

Die ersten Jahre waren mühsam. Ausgeliefert wurde die Limonade mit Pferd und Kutsche, was den Aktionsradius naturgemäß stark begrenzte. Bemerkenswert ist dennoch, wie früh das Unternehmen bereits die Gastronomie belieferte: Aus dem Jahr 1931 existieren noch Aufzeichnungen über entsprechende Lieferungen. "Das ist schon sehr interessant", so Wehner. Dann kamen Krieg und Teilung – und damit ein empfindlicher Einschnitt. Ein erheblicher Teil der Kundschaft, insbesondere im nahen Thüringen, fiel über Nacht weg. Für einen Betrieb unmittelbar an der späteren innerdeutschen Grenze bedeutete das den Verlust ganzer Absatzgebiete.

Der Umzug 1963 und die Wende zum Handel

Einen weiteren Wendepunkt markierte das Jahr 1963: Der Firmensitz wurde an den heutigen Standort in der Hauptstraße verlegt. Ursprünglich wollte man auch dort wieder Limonade und Wasser abfüllen, doch die Suche nach einem Brunnen blieb erfolglos. Die Konsequenz: Das Unternehmen setzte verstärkt auf den Getränkehandel – ein Weg, der sich als tragfähig erweisen sollte.

Nach der Wiedervereinigung kam schließlich zurück, was die Teilung genommen hatte. "Wir haben unseren Kundenstamm wieder zurückbekommen und sind dann auf die Größe gewachsen, die wir heute haben", so Wehner. Was einst mit viel Mut, Tatkraft und Leidenschaft begann, ist inzwischen über die fünfte Generation zu einem Familienunternehmen gewachsen, das eng mit der Region verbunden ist.

Festabend und Tag der offenen Tür

Gefeiert wurde das Jubiläum in zwei Etappen. Den Auftakt bildete am Freitag eine Jubiläumsveranstaltung auf dem Betriebsgelände – ein festlicher Abend mit gutem Essen und anregenden Gesprächen, zu dem Gäste aus Politik, Wirtschaft und Industrie ebenso begrüßt wurden wie Mitarbeitende, Familienangehörige sowie langjährige Kunden und Geschäftspartner. Am Samstag folgte ab 14 Uhr der Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt, zu dem alle herzlich eingeladen waren. Eröffnet wurde er traditionell mit dem Fassbieranstich.

Genussmeile, Musik und Staplerschein für Kinder

Herzstück des Festes war eine Genussmeile mit verschiedenen Verkostungsständen regionaler Anbieter – von Kuchen über Crêpes bis hin zu Angeboten einer örtlichen Metzgerei. Die Enzianhütte steuerte Kaiserschmarrn und Spinatknödel bei, dazu gab es Kaffee und Kuchen. Selbstverständlich durfte auch das eigene Kerngeschäft nicht fehlen: Neben den Getränken wurden verschiedene Cocktails ausgeschenkt.

Für die jüngsten Gäste standen eine Hüpfburg, Kinderschminken und Figuren zum Anmalen bereit. Ein besonderes Highlight für die größeren Kinder: der Staplerschein für Kids – eine Aktion, die perfekt zum Betriebsgelände eines Getränke-Fachgroßhandels passt. Musikalisch ging es ab 15 Uhr los, als das Blasorchester MusikCorps Tann (Rhön) den Nachmittag eröffnete. Ab 19 Uhr übernahm die Live-Band Soundaholics die Bühne und brachte Rock, Pop und Partymusik auf das Gelände.

Erinnerung an legendäre Hoffeste

Beim Rückblick geriet Holger Wehner besonders bei einer Tradition ins Schwärmen: den früheren Hoffesten des Unternehmens. Sie waren weithin bekannt – vor allem wegen einer besonderen Aktion: Zu jeder Kiste gab es ein Los, und jedes zweite Los war ein Gewinn. "Da war immer die Hölle los, weil jeder gerne gewinnen wollte." Während der Corona-Zeit musste diese Tradition eingestellt werden, doch die Nachfrage ist geblieben – bis heute werde regelmäßig danach gefragt. Die Angebotsaktionen hat der Betrieb dennoch beibehalten: Sie finden allerdings nicht am Jubiläumstag statt, sondern rund zwei Wochen später im Getränkemarkt – als Dankeschön an die Kunden.

Der Blick nach vorn

Nach einem Jahrhundert voller Umbrüche – von der Pferdekutsche über die deutsche Teilung bis zum modernen Getränke-Fachgroßhandel – fiel das Fazit des Geschäftsführers entsprechend zuversichtlich aus: "Dann freuen wir uns natürlich auf die nächsten 100 Jahre." (Marvin Hucke) +++


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