Die Johannes-Dyba-Allee bleibt. Mit 33 Gegenstimmen wurde der Antrag zur Umbenennung der SPD-Fraktion abgelehnt. - Archivfoto: O|N

FULDA Mit 33 Gegenstimmen

SPD-Antrag abgelehnt: Johannes-Dyba-Allee behält ihren Namen

08.09.26 - Die Johannes-Dyba-Allee wird ihren Namen behalten. Im Anschluss an eine hitzige Debatte im Fuldaer Stadtschloss im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend stimmten 33 Abgeordnete gegen die Rückbenennung der Straße in die Kastanienallee – darunter 22 Abgeordnete der CDU sowie zehn Abgeordnete der AfD.

Die diskursive Sprengkraft der Debatte wurde nicht zuletzt durch die vollen Besucherplätze ...

Stellvertretend für die CDU-Fraktion ergriff Patricia Fehrmann zu Beginn das Wort. ...

Der Abgeordnete Robin Burkard

Die diskursive Sprengkraft der Debatte wurde nicht zuletzt durch die vollen Besucherplätze deutlich. Volker Elm von der Volt-Fraktion verwies in seiner Rede auf die Anwesenheit des HR, der vor Ort aus dem Stadtschloss berichtete – für ihn ein Beweis der Relevanz der Debatte. Die SPD-Fraktion hatte einen Antrag gestellt, der die Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee in den alten Namen Kastanienallee vorsah. Die CDU positionierte sich bereits im Vorlauf der Debatte deutlich gegen den Vorschlag. Entsprechend kontrovers wurde der Antrag am Montagabend diskutiert.

Michael Grosch (FDP)

Volker Elm (Volt)

Marie-Louise Puls (Die Grünen)


CDU fordert Mahnmal für die Opfer

Stellvertretend für die CDU-Fraktion ergriff Patricia Fehrmann zu Beginn das Wort: "Was Betroffene in diesen Jahrzehnten erleiden mussten, ist erschütternd. Der Bericht zeigt institutionelles Versagen innerhalb der Kirche. Der Schutz der Institution und der Beschuldigten stand zu lange im Mittelpunkt – das tut uns sehr Leid. Wichtig in dem Zusammenhang ist, dass die Kirche sich dem Thema gestellt hat. Die CDU-Fraktion hat sich in zahlreichen Sitzungen intensiv und sehr sorgfältig mit dem Abschlussbericht auseinandergesetzt", so Fehrmann in ihrer Rede.

Jonathan Wulff (SPD)

Hans Dieter Alt (CDU)

Emily Charlotte Rödel

Ferner betonte sie die 1997 von Johannes Dyba angestoßene Beratungskommission zur Aufklärung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs, die "aufgrund des Todes von Bischof Dyba kaum wirken konnte", so Fehrmann weiter. "Wer Johannes Dyba persönlich erlebt hat, weiß, dass er eine prägende Persönlichkeit war und in seinem Amt als Bischof über die Region hinaus prägend", so die CDU-Abgeordnete. Im Zuge der Ablehnung des Antrages brachte die CDU-Fraktion die Möglichkeit eines künstlerisch gestalteten Mahnmals ins Spiel, das den Betroffenen die notwendige Anerkennung bieten soll.

Ute Riebold (Die Partei)


Die Debatte um den Straßennamen zeigte jedoch, dass ein Großteil der Abgeordneten für die Umbenennung der Straße plädierte. Der inzwischen fraktionslose Abgeordnete Robin Burkard stellte in seiner Rede heraus, dass man mit der Rückbenennung der Straße Johannes Dyba und seine Persönlichkeit nicht aus der Stadtgeschichte Fuldas streichen möchte. "Wir entscheiden heute darüber, wen diese Stadt ehrt, und das sagt einiges über uns aus", so Burkard im Fürstensaal.

Alain Kaffo Talaffo (Bündnis C)

Thomas Hering (CDU)

Jutta Hamberger ( Die Grünen)


Verpflichtung gegenüber den Opfern sexualisierter Gewalt

Auch für Michael Grosch (FDP) war die Frage nach der öffentlichen Ehrung Kern der Debatte. Er verwies auf den Umstand, dass sich die Benennung einer Straße nach einer Person zum Ausdruck bringen würde, dass sie dessen Lebenswerk für besonders erinnerungswürdig halten würde. Er machte klar, dass sich aus dem Abschlussbericht der unabhängigen Kommission keine persönliche Beteiligung Dybas nachweisen ließ. Dies würde ihn jedoch nicht von der Verantwortung für die Strukturen der Kirche entbinden. "Wer Verantwortung trägt, hat auch die Pflicht, sich zu informieren", so Grosch in seiner Rede.

Ernst Sporer (Grüne)

Dr. Tatevik Mamajanyan (FGG)

Volker Elm (Volt) stellte die Bedürfnisse der Betroffenen und Opfer in den Mittelpunkt. Diese hätten nachdrücklich die Umbenennung der Straße gefordert – eine Forderung, der die Stadtverordnetenversammlung nachkommen müsse. "Wir müssen dieser Bitte mit tiefem Respekt vor den Betroffenen folgen", so der Volt-Abgeordnete.

Auch das Bündnis 90/Die Grünen sprach sich für die Zustimmung des SPD-Antrages aus. Marie-Louise Puls stellte den Abschlussbericht der unabhängigen Kommission hervor, dessen Ergebnis die logische Konsequenz zur Folge haben müsse, dass man Bischof Dyba nicht weiterhin "mit einem Straßennamen" ehren dürfe.

Pierre Lamely (AfD)

Carl Vogel (Grüne)


Jonathan Wulff (SPD) betonte, dass die Johannes-Dyba-Allee als Name nicht den historischen Stellenwert habe, der von Seiten der CDU-Fraktion betont wird. So war die Kastanienallee erst im Jahr 2000 nach dem Tod Dybas umbenannt worden, was sie damit von anderen historischen Straßennamen unterscheiden würde. "Diese wunderschöne, mit Kastanien gesäumte Straße hat einen historischen Namen, der treffender nicht sein könnte: Kastanienallee", so Wulff in seiner Rede und forderte die Abgeordneten mit Nachdruck dazu auf, zu Ehren der Opfer sexualisierter Gewalt dem Antrag der eigenen Fraktion zuzustimmen.

Zwei weitere Anträge abgelehnt

Im Zuge ihres Antrages zur Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee hatte die SPD-Fraktion gefordert, eine weitere städtische Kommission zur Prüfung von Straßen- und Platznamen einzurichten, um unter anderem die Namen des Eduard-Schick-Platz und der Adolf-Bolte-Straße zu prüfen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. (kru) +++


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