08.09.26 - Wenn in Schlüchtern-Vollmerz (Main-Kinzig-Kreis) traditionell am ersten Wochenende im September Kirmes ist, dann ist das Sache von der Sportgemeinschaft "Degenfeld" Vollmerz. Drei Tage lang wurde deshalb wieder am Sportplatz gefeiert. "Hommer wiere nur e kloa Zelt, trotzdem is Kirmes in Dechefeld. Un die Tradition wommer beibehall, selbst wenn in China söllt en Sack Reis ömfall", versprach Bloovadder Max Meyer zu Beginn seines Kirmesspruches. Mit einem Weinabend im Zelt begann die diesjährige Kirmes.
Am Samstag stand das Derby-Fußballspiel der Spielgemeinschaft Gundhelm/Vollmerz gegen die SG Hutten II auf dem Programm. Ein 2:0-Sieg förderte die Stimmung immens für den späteren Kirmesabend mit den "Donnerhelden". Nach dem Kirmesgottesdienst am Sonntagmorgen und dem alljährlichen Haxen-Essen zu Mittag warteten zahlreiche Degenfelder und auswärtige Gäste auf das Aufsagen des Kirmesspruches. Mit den Klängen des Musikvereins Sannerz holten die 13 Blooburschen und Mädchen den riesigen buntgeschmückten Strauß vom Hof Klüh ab und marschierten dann quer über das Fußballfeld zum Sportlerheim.
Die SGD-Vorsitzende Sabine Meyer begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter Ehrenortsvorsteher Bruno Friedrich und Ortsvorsteher Sebastian Kolb, den Musikverein Sannerz und den Bloo. Rückblickend stellte Meyer Engel-Feier-Wetter fest und stimmgewaltig, dass man ein Derbysieger sei. "Etz fang ich o un erzähl euch ihr Liebe, wos so manch anner im Durf hot getriebe. Ich hon äbber a kurz notiert, wos im Durf so is passiert," begann Max Meyer seine Chronik. Da war vor allem das 800-Jahre-Jubiläum von Vollmerz. "800 Joar Vollmerz hommer gefeiert, e riesich Fest wurd ogeleiert, all honn se wos dezu beigetroche. Die Schul, die Firme, die Vereine, mit selbstgebrautem Bier un Weine, die Stoss woar zwa Dooch zugestellt, un mette im Durf ston e kloa Zelt. E sensationell Feier on dene zwa Doche, Honnerte von Mensche sein durch Durf gezoche." Und: "Ich moan ihr Leut, ganz ohne Froche, mer müsste dem Orga-Team mo Danke soche." Das Wirtshaussingen in der "Hasenhalle" solle beibehalten werden, wünschte sich der Bloovadder und stellte auch fest, dass ein neuer Ortsbeirat gewählt worden sei. "In Dechefeld sein die Geburtsrote gestieche, am Hinkelhof tun se e Menge Kinner krieche, gleich vier Kinner in nur eim Joar, dos is gut für die Gemoar. Die solle do ob nur so weitermach, do könne se die ahl Schul wiere aufgemach," so der Bloo. Man freute sich auch, dass nach zwei Jahren Pause am Vollmerzer Sportplatz durch die Spielgemeinschaft mit Gundhelm wieder Fußball gespielt wird.
Rock am Hinkelhof
Eine riesige Sache sei Rock am Hinkelhof: "Fast wie in Wacken nur ohne Schlamm, ohne zu übertreibe e super Programm." Von einem Sport-Event mit riesen Krach berichtete der Bloo: "In alle Ecke hon se do campiert un hon ihre Knarre ausprobiert. Vorderloder un Luftgewehr, Karabiner un Muskete, alles außer Pfeil un Boche, selbst gegossene Munition is do durch die Luft gefloche. Es hot noch Pulver un Schwefel geroche. Es hot geballert un geknallt und weit bis no ins Durf geschallt. Mer moant, de Kriech wär ausgebroche." Von einer Sache, die eigentlich nicht zum Lache, war im Spruch die Rede. In Ramholz verstehen sich nämlich Nachbarn nicht. "Mer sött sich dos eichentlich e mo überleche, mit de Nachbarn e gut Verhältnis zu pfleche", riet der Bloo. "Om Heilich Obend, kurz vor de Nocht hat es anner fertichgebrocht" und Asche in die Hecke geworfen, die sich dadurch entzündete. Großalarm, selbst die Schlüchterner Feuerwehr sei mit der Drehleiter gekommen. "E riesen Trara, weche so em bissche Geschiss, mit drei Mann hätte se es Feuer könnt ausgepiss."
Dass auf halber Strecke zum Urlaub an der Ostsee eine Vollmerzer Öko-Familie von der Nacht überrascht wurde, blieb dem Bloo nicht verborgen. "In Hamburg-Sankt Georg woar noch e Zimmer frei, dos hon se reserviert. Es is weiter ach nix passiert. Doch ber hätt dann sowos gedocht, sie hare überm Beate-Uhse-Shop übernocht." Der Bloo scherzte, dass der Opa gerne mitgefahren wäre, weil er sich da bestens auskenne. Von einem Vollmerzer Madje, das in Sannerz wohnt aber immer nach Breunings fahren müsse, wo ihr Freund ein Gut habe, erzählte der Bloovadder, dass sie den Jagdschein gemacht und ein erstes Wildschwein geschossen hatte. Zerkleinerungspraxis fehlte, aber auch Internet zum Fragen. "Die Moral von dere Sache, befür me e Wildsau schießt, sött mer en Praxiskur mache." Am Tag vor Volkstrauertag war die Lektorin krank geworden und konnte den Gottesdienst nicht halten.
Der Organist ist kurzerhand eingesprungen. "Un mit dem Kirchediener, der do woa, stone die zwa dann fürm Altoa." Der Bloo schlug vor, dass der Organist in Abendkursen Theologie studieren solle, "Dann könnt der dann von Fall zu Fall, bei ons im Durf die Kirche gehall." Einer, der jedes Jahr im Kirmesspruch vertreten, hat wieder geliefert: sein Holzspalter blieb stehen, da sich das Kugellager verklemmt hatte. "Mit der Hydraulik is do so e Sach, do kann mer große Fehler gemach," wusste der Bloo. Anstelle in die Anleitung zu schauen, suchte er einfach den Fehler und verunglückte. Der Bloo-Vodder: "Ich sochs euch, is mer beim Repariere im Stress, sött mer bei Hydraulikgeräte erscht emo de Druck obläss." Eine 40. Geburtstagsfeier wurde in einer Scheuer ganz groß gefeiert und der Jubilar schaffte die wenigen Meter zu seinem Haus nicht mehr. Von einem lustigen "Pferdekopp-Fang-Spiel" beim Rock am Hinkelhof, das im Krankenhaus endete, wurde ebenfalls im Spruch berichtet. Am heutigen Montag zog der Bloo nach altem Brauch durch die drei Ortsteile und der Abschluss der diesjährigen Kirmes war am Dorfplatz in Oberramholz. (Walter Dörr)