10.09.26 - Mitten in der Fuldaer Innenstadt entsteht ein neues Angebot für Menschen mit Unterstützungsbedarf: Die Caritas im Bistum Fulda plant in der Wilhelmstraße 6 eine umfassende Sanierung sowie einen Anbau für ein tagesstrukturierendes Angebot für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen. Die Bauarbeiten sollen etwa ein Jahr dauern. Die Kosten belaufen sich auf rund eine Million Euro. Darüber informierte der Verband beim traditionellen Spatenstich am Donnerstag.
Derzeit ist der Arbeitsbereich der Caritas in der Straße "An der Grillenburg" in Fulda-Lehnerz untergebracht. Mit dem Umzug in die neuen Räumlichkeiten reagiert der Wohlfahrtsverband auf Anforderungen an die Barrierefreiheit und passt sein Angebot an die sozialpolitischen Vorgaben des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) an. Das teilstationäre Angebot wird künftig Platz für 12 bis 16 Klientinnen und Klienten bieten.

Dr. Markus Juch, Susanne Saradj und Ansgar Erb freuen sich, das Angebot für Menschen ...

Fuldas Bürgermeister Dag Wehner unterstützt das Projekt von Beginn an. ...
Fester Tagesablauf als Unterstützung im Alltag
Das Angebot wurde zwischen 2008 und 2010 entwickelt, da im Landkreis Fulda ein hoher Bedarf an Unterstützung für chronisch mehrfach beeinträchtigte psychisch erkrankte Menschen bestand. Veränderte sozialpolitische Rahmenbedingungen erschwerten zunächst die Umsetzung stationärer Angebote. Gemeinsam mit dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen entwickelte die Caritas deshalb ein teilstationäres Konzept mit tagesstrukturierenden Maßnahmen.
Dazu gehören unter anderem gemeinsames Kochen, Einzel- und Gruppengespräche, Bewegungsangebote sowie kreative Aktivitäten. Seit der Eröffnung ist die Einrichtung durchgehend voll ausgelastet. Nach Angaben der Verantwortlichen konnten durch das Angebot zahlreiche stationäre Unterbringungen vermieden oder hinausgezögert werden. Betroffene können dadurch länger selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben.

Erster Beigeordneter des LWV Hessen, Alexander Heppe (CDU) und Erster Kreisbeigeordneter ...

Der wiedergewählte Fuldaer Stadtbaurat Daniel Schreiner (bildmitte) war ebenfalls ...

Ansgar Erb, Vorstandsmitglied aus dem Caritasverband.
Fokus auf Barrierefreiheit und Denkmalschutz
Das Gebäude in der Wilhelmstraße wurde im Jahr 2022 vom Bischöflichen Stuhl Fulda aus Privatbesitz erworben. "Die Eigentümerfamilie kam auf das Bistum zu und fragte an, ob wir das Gebäude erwerben möchten", erklärte Ansgar Erb, Vorstandsmitglied des Caritasverbandes. Das Bistum Fulda stellt das Gebäude auf Grundlage eines langfristigen Erbbaupachtvertrags kostenfrei zur Verfügung. Da das Bestandsgebäude unter Denkmalschutz steht, erfolgen alle Maßnahmen in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde.
Die Nutzfläche des Altbaus umfasst 175 Quadratmeter. Durch den Anbau kommen weitere 91 Quadratmeter hinzu. Besonderes Augenmerk legten die Planer auf die Barrierefreiheit. So wird im Neubau ein Aufzug installiert, der einen barrierefreien Zugang zum Obergeschoss ermöglicht. Die Gesamtinvestition einschließlich Abbruch- und Baukosten beträgt rund eine Million Euro. Finanziert wird das Projekt aus Rücklagen des Verbandes. Die Fertigstellung ist für September 2027 vorgesehen.

Vor dem Baubeginn segnet Prälat Christof Steinert das Projekt.

Caritas-Regionalleiterin Susanne Saradj.
"Menschen gehören mitten ins Leben"
Die Verantwortlichen sehen in dem Bauprojekt einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Angebots. Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch sagt. "Unser Ziel ist es, Menschen in ihrem Alltag zu stärken, ihre Fähigkeiten zu
fördern und ihnen Perspektiven zu eröffnen." Sozialpolitische Veränderungen und neue gesetzliche Vorgaben hätten die Anforderungen an die Einrichtung deutlich verändert. Die bisherigen Räumlichkeiten seien zunehmend an ihre Grenzen gestoßen. Caritas-Regionalleiterin Susanne Saradj bezeichnete den Erweiterungs- und Neubau als wichtigen Meilenstein: "Seit Jahren haben wir nach barrierefreien Räumlichkeiten gesucht, um allen Menschen – unabhängig von ihren körperlichen Voraussetzungen – den Zugang zu unserem Angebot zu ermöglichen. Der Umzug hier in die Wilhelmstraße 6 ist der nächste, absolut wichtige Entwicklungsschritt", betonte Caritas-Regionalleiterin Susanne Saradj.

"Am Ende geht es um Menschen", sagt Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt (CDU). ...
Auch der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt (CDU), der bei der Vorstellung des Projekts Landkreis und Stadt Fulda vertrat, hob die Bedeutung des Vorhabens hervor. "Am Ende geht es um Menschen", sagte er. Zustimmung erhielt er vom Ersten Beigeordneten des LWV Hessen, Alexander Heppe (CDU). "Das Projekt zeigt, wie wichtig es ist, wenn viele Akteure ihre Köpfe zusammenstecken und die beste Idee dabei herauskommt", erklärte Heppe. Besonders lobte er die zentrale Lage des Angebots: "Menschen mit Erkrankungen gehören nicht irgendwohin, sondern mitten ins Leben." (jk) +++