
Die Loheland-Stiftung erhält für die vorbildliche Restaurierung der Waggonia, eines einzigartigen Gebäudeensembles, den Hessischen Denkmalschutzpreis 2026. - Fotos: Loheland Stiftung
KÜNZELL
Loheland-Stiftung
Loheland gewinnt den 1. Preis beim Hessischen Denkmalschutzpreis 2026
11.09.26 - Die Loheland-Stiftung erhält für die vorbildliche Restaurierung der Waggonia, eines einzigartigen Gebäudeensembles, den Hessischen Denkmalschutzpreis 2026. Sie wurde mit dem eigens von der Jury ausgelobten "Ehrenpreis der Jury", dotiert mit 5.000 Euro, ausgezeichnet. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 12.09.2026 kann das Bauwerk von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Sie wurde mit dem eigens von der Jury ausgelobten "Ehrenpreis der Jury", dotiert mit ...
Seit vier Jahrzehnten würdigt der von der LOTTO Hessen gestiftete und von einer Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Denkmalbehörden, des Handwerks und der Stifter kuratierte Preis herausragendes Engagement für den Erhalt unseres kulturellen Erbes. Bei der Preisverleihung am 10.09.2026 im Lokschuppen in Marburg hat Staatsminister Timon Gremmels, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, den 1. Preis "Ehrenpreis der Jury" an Katja Kamphans, Vorständin der Loheland-Stiftung, und weitere Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung übergeben.
Mit der von 2017 bis 2024 erfolgten denkmalgerechten Sanierung der Waggonia in Loheland konnte eines der bedeutensten Zeugnisse der Lebensreformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts dauerhaft gesichert werden. Das aus ehemaligen Reichsbahnwaggons entstandene Gebäudeensemble von 1925/26 ist nicht nur das einzige erhaltene Waggon-Ensemble Deutschlands, sondern auch ein europaweit singuläres Dokument einer Bewegung, die nach neuen Formen des Zusammenlebens, Lernens und Gestaltens suchte. Innerhalb der Loheland-Siedlung nimmt die Waggonia zugleich eine Schlüsselstellung ein.
Wie am Bauhaus in Weimar wurden in Loheland künstlerische Konzepte der Avantgarde der 1920er Jahre erprobt. In der Waggonia verdichten sich zentrale Ideen der Loheland-Gründerinnen: die Verbindung von handwerklicher Arbeit, künstlerischer Praxis, Körper- und Wahrnehmungsschulung sowie gemeinschaftlichem Leben. Bemerkenswert ist, dass die Waggonia und die Loheland-Siedlung keine musealen Denkmale sind, sondern Teil eines Ortes der internationalen Reformbewegung, der ohne Unterbrechung genutzt und bewohnt wurde. Noch heute ist Loheland ein lebendiger Ort ganzheitlicher Bildung für alle Generationen. Die Waggonia wird nach ihrer Sanierung heute wieder als Ort für Kultur, Bildung, Seminare und Veranstaltungen genutzt.

Foto: R. Welsen, Landesamt für Denkmalpflege Hessen
Die denkmalgerechte, über acht Jahre andauernde Restaurierung wurde von der Loheland-Stiftung in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Fulda umgesetzt und durch das Landesamt, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Lottomittel sowie Bundesfördermittel finanziell unterstützt. Außergewöhnlich war insbesondere der Umfang der fachgerechten Holzarbeiten, die von der stiftungseigenen Schreinerei ausgeführt wurden. Die fachliche Vorbereitung und Begleitung der einzelnen Arbeitsschritte erfolgte in enger Abstimmung mit dem Architekten Peter Sichau. Mit der abgeschlossenen Sanierung bleibt dieses außergewöhnliche Zeugnis gelebter Reformgeschichte für die Zukunft bewahrt und kann heute wieder an seine ursprüngliche Funktion anknüpfend als Ort für Kunst-, Kultur- und Bildungsangebote für die Schule und die Öffentlichkeit dienen.
"Der Preis würdigt die Waggonia als einzigartiges Denkmal von gesellschaftlicher, historischer und kultureller Bedeutung für Reformbewegung, Frauenemanzipation und Bildung im frühen 20. Jahrhundert. Er honoriert, wie Geschichte, Handwerk und Zukunft in Loheland verbunden sind. Zugleich ehrt er die denkmalgerechte Wiederherstellung und die Eigenleistung der Loheland-Stiftung.", so Katja Kamphans, Vorständin der Loheland-Stiftung.
(ms/pm) +++