Ein Coca-Cola-Lastwagen steht am 11.9.2001 nach dem Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Center in New York in den rauchenden Trümmern. - picture-alliance / dpa | epa afp Kanter

REGION Tief erschüttert und fassungslos

Unsere Leser berichten: "So habe ich die Katastrophe von 9/11 persönlich erlebt"

11.09.26 - Der 11. September 2001 hat die Welt aus den Angeln gehoben und für immer verändert. Wir haben unsere Leser anlässlich des 25. Jahrestags gefragt, wo sie an diesem Tag des Attentats waren und wie sie das Unfassbare persönlich erlebt haben. Hier einige Berichte:

Als plötzlich das ganze Dorf dunkel war

"Am 11. September 2001 waren mein Mann und ich noch mit Arbeiten an unserem neuen Haus am Ortsrand von Wüstensachsen beschäftigt. Da wir wegen des Baulärms kein Radio eingeschaltet hatten, bekamen wir zunächst nichts von den Ereignissen in New York mit. Erst als ich bei meinem Onkel einen Elektrohobel ausleihen wollte, sah ich ihn völlig entsetzt vor dem Fernseher sitzen. Zu diesem Zeitpunkt gingen wir noch davon aus, dass ein Flugzeug durch einen Unfall in einen der Türme geflogen war.

Auf der späteren Heimfahrt erfuhr ich im Autoradio vom ganzen Ausmaß der Anschläge. Nachdem ich unsere drei Kinder ins Bett gebracht hatte, fuhr ich noch einmal zum Hausbau zurück. Ich sagte zu meinem Mann: "Lass uns die Arbeit beenden und nach Hause fahren. Das ist alles so gruselig – wir müssen sehen, was da passiert."

Genau in diesem Moment fiel im gesamten Ort der Strom aus. Von unserem etwas abseits gelegenen Haus blickte ich hinunter auf Wüstensachsen – das ganze Dorf lag vollkommen im Dunkeln. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, wer hinter den Anschlägen steckte, ob weitere folgen würden und welches Ausmaß der Terror noch annehmen könnte. Natürlich hielt ich unser Dorf nicht für ein mögliches Anschlagsziel. Aber das zeitliche Zusammentreffen mit dem plötzlichen Stromausfall löste in mir eine unbeschreibliche Panik aus. Meine Kinder waren am anderen Ende des Ortes – zwar bei ihren Großeltern, aber ich wollte nur noch zu ihnen. Ich hatte fürchterliche Angst und dachte: Jetzt ist es vorbei. Gleich passiert noch etwas viel Schlimmeres.

Wir fuhren sofort nach Hause. Als wir etwa fünf Minuten später ankamen, war der Strom glücklicherweise wieder da. Doch der Blick auf das völlig dunkle Dorf und die Angst um meine Kinder in diesem Augenblick haben sich mir für immer eingeprägt." (Heike Eickeler)

Blick auf das brennende World Trade Center in New York nach dem Anschlag am 11.9.2001. ...Foto: picture-alliance / dpa | Ipol

Diesmal war es kein Film, es war traurig-bittere Realität!

"Ich war damals gerade ein Jahr in Fulda bei der Feuerwehr und hatte Tagdienst in der Rettungsleitstelle. Als wir von dem Anschlag erfuhren, ging man zu diesem Zeitpunkt noch von einem Unglück aus. Im Radio hörte man davon, und wir hatten dann die Nachrichten im TV eingeschaltet. So sahen wir live, als das zweite Flugzeug einschlug. Nun war klar, es kann sich nicht um einen Unfall handeln. Wir waren so geschockt und ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich total wie in einem Film. Es war so unwirklich und doch real. Es kamen mehrere Kollegen in die Leitstelle und wir sahen gemeinsam immer wieder diese Bilder. An diesem Tag war das Einsatzgeschehen in Fulda sehr ruhig.

Die Nachrichten wurden ständig aktualisiert und irgendwann wurde von weiteren Flugzeugen berichtet. Ich hatte damals bis 17 Uhr Dienst und am nächsten Tag frei. Ich klebte zu Hause am TV und verfolgte die Nachrichten bis spät in die Nacht. Ich war tagelang gefangen in diesem Szenario, dem schrecklichen Attentat, das die Welt veränderte. Obwohl es so weit weg war, fühlte man sich doch so nah und verbunden mit den Menschen und den Rettungskräften. Es erinnerte mich an den Film 'Hochhaus in Flammen', aus dem Jahre 1974, den ich schon mehrfach gesehen hatte. Diesmal war es kein Film, es war traurig-bittere Realität." (Oliver Krüger )

Ich hatte bis Dienstende noch keine Ahnung

"Ich habe ganz unspektakulär von diesem schrecklichen Ereignis erfahren. Ich hatte an diesem Tag Frühdienst als Krankenpfleger in der Zentralen Notaufnahme der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld und hatte bis zu meinem Dienstende noch gar keine Tagesnachrichten gehört. Erst durch ein Telefonat mit einer Bekannten habe ich von dem Flugzeugattentat auf die Twin-Towers erfahren. Danach habe ich meine eigentliche To-Do-Liste unterbrochen und den Fernseher eingeschaltet. Im Rahmen der laufenden Berichterstattung habe ich dann noch erfahren, dass es noch weitere Flugzeugattentate in den USA gegeben hat." (Andreas Lips)

Ich habe an diesem Tag Geburtstag

"Der 11. September war und ist mein Geburtstag und wir waren 2001 gerade beim Kaffeetrinken, als mein Schwager eintraf und völlig aufgeregt rief: "Macht den Fernseher an!" Das erste Bild, das wir sahen, war das Flugzeug, welches in den Tower flog. Keiner sagte ein Wort, die Sprachlosigkeit angesichts der Horrorbilder herrschte vor und das Entsetzen angesichts der Ereignisse verbinde ich mit diesem Datum. Dazu kommt die Erinnerung an den 9. September 1944, das Bombardement Fuldas, auch ein Datum, das ich versuche, in Gästeführungen einzubringen, wenn ich nach Kriegsschäden im II. Weltkrieg gefragt werde. Also bin ich heute dankbar, wieder ein Jahr überlebt zu haben." (Marita Glaser)

Wahnsinn, 25 Jahre ist das schon her … es fühlt sich immer noch so "nah" an!

​"Es war der 11. September 2001 – ein Tag, der sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt hat. Meine Frau und ich hatten gerade den Mittagstisch in unserer Gaststätte beendet und wollten eine kurze Pause einlegen. Plötzlich rief mein damaliger Schwager an und fragte, ob wir den Fernseher an hätten. In New York sei ein Passagierflugzeug in einen Turm des World Trade Centers geflogen. ​Wir schalteten sofort ein. Peter Kloeppel berichtete auf RTL bereits live, immer wieder liefen die Bilder des Einschlags. Unfassbar, unglaublich – Trauer und Entsetzen breiteten sich aus. Doch während der laufenden Berichterstattung krachte das zweite Flugzeug in den anderen Turm. In diesem Moment schlug die Bestürzung in reine Angst um: Droht jetzt der 3. Weltkrieg? Was passiert als Nächstes?

​Ein kleiner Trost in diesen bangen Minuten: Meine Schwester, die zuvor als Au-pair in New York gelebt hatte, und mein Bruder, der sie dort besucht hatte, waren glücklicherweise längst wieder sicher zurück in Fulda. Die gemeinsamen Fotos von den "Twins", die sie damals oben auf der Aussichtsplattform gemacht hatten, bekamen plötzlich eine ganz andere, beklemmende Bedeutung.

​Die Bilder dieses Tages lassen einen bis heute nicht los: Hilflose Menschen, die aus den Fenstern winkten und letztlich in den Tod sprangen. Die Stille draußen – kaum ein Auto auf den Straßen, kein einziges Telefonat für eine Tischreservierung im Lokal. Dann die Nachricht vom Absturz am Pentagon. Tränen und immer wieder Tränen beim Gedanken an die vielen Eingesperrten, während die ganze Welt hilflos zuschaute. Noch bevor man sich die Frage stellen konnte, wie eine Rettung gelingen soll, sackte der erste Turm in sich zusammen – nicht zur Seite, sondern von oben nach unten, fast wie kontrolliert. Wenig später folgte der zweite.

​Am Abend blieb unser Lokal fast leer. Die wenigen Gäste, die da waren, kannten nur ein Thema. Im Fernsehen liefen die schrecklichen Bilder, untermalt von den Originalstimmen US-amerikanischer Reporter und der Musik von Enya mit 'Only Time'.

​Dieser Tag zeigt, wie nah die Weltgeschehnisse an uns heranrücken können. Dabei ist dieses Datum auch für unsere Heimatstadt Fulda historisch mit tiefem Schmerz verbunden: Am 11. September 1944 starben bei einem schweren Luftangriff viele Einwohner unserer Stadt, und zahlreiche historische Gebäude wurden zerstört. ​Ein wahrlich trauriger Tag in der Geschichte – weltweit wie auch hier bei uns in Fulda." (Thomas Müller)

Wir wollten nicht glauben, wozu Menschen fähig sind

"Ich möchte berichten, wie dieser Tag für mich damals ablief, wie ich dieses schreckliche Ereignis erlebt habe. Ich war zu der Zeit mit meiner damaligen Frau und unserem Hund im Urlaub in Westerland auf Sylt. Kurz vorher waren gute Freunde nach Hause gefahren, mit denen wir die erste Woche zusammen verbracht hatten. Ich kam gerade vom Gassigehen zurück, als die Meldung im Radio kam. Sofort schaltete ich das Fernsehgerät ein, weil ich es einfach nicht glauben konnte und wollte. Fassungslos saßen wir vor dem TV und sahen diese schrecklichen Bilder und Aufnahmen. Das Grauen nahm für uns kein Ende. Bis spät in die Nacht verfolgten wir die Nachrichten, weil wir es einfach nicht wahr haben wollten, dass Menschen zu so einer unfassbaren Tat bereit waren. Auf jeden Fall war für mich persönlich der Rest des Urlaubs gelaufen, weil ich wusste, dass die Welt ab diesem schrecklichen Moment eine andere war. Ich persönlich habe niemanden durch dieses Unglück verloren, aber mein Mitgefühl und meine Trauer sind heute noch nach den 25 Jahren bei den Angehörigen der Opfer und Überlebenden und immer noch finde ich es unfassbar." (Boris Hartmann)

Das war alles so surreal

"Ich bin an diesem Tag mit einer Freundin zu Ikea nach Kassel gefahren und hatte meinen damals 2-jährigen Sohn bei meinen Eltern gelassen. Auf der Rückfahrt haben wir im Autoradio gehört, dass ein Flugzeug in einen der beiden Tower geflogen ist. Als ich zu Hause bei meinen Eltern ankam, lief natürlich bereits der Fernseher und ich sah somit live, wie ein Flugzeug direkt schräg in den Tower krachte, und dachte: Wieso kommt das Flugzeug erst jetzt, der Tower brennt doch schon? Bis ich realisiert habe, dass es das zweite Flugzeug war! Diese Szene ist bis heute die Schlüsselszene in allen Berichten.

Das war alles so surreal und ist immer noch unfassbar, dass es keine passenden Worte dafür gibt. Bis heute ploppt bei mir, wenn um das Thema Ikea geht, immer wieder dieser Tag auf." (Dany Krug)+++


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