Ein Hubschrauber, der am Freitagvormittag und gegen Mittag im Raum Fulda und Hünfeld immer wieder entlang größerer Stromleitungen unterwegs war, hat bei zahlreichen Menschen für Aufmerksamkeit gesorgt. - Fotos: Hendrik Urbin

REGION Im Landkreis Fulda

Hubschrauber überfliegt große Hochspannungsleitungen - Das steckt dahinter

11.09.26 - Ein Hubschrauber, der am Freitagvormittag und gegen Mittag im Raum Fulda und Hünfeld immer wieder entlang größerer Stromleitungen unterwegs war, hat bei zahlreichen Menschen für Aufmerksamkeit gesorgt. Recherchen von OSTHESSEN|NEWS haben nun den Grund für die auffälligen Flugmanöver ergeben: Der Helikopter ist im Auftrag des Energieversorgers Avacon unterwegs und erfasst Stromleitungen sowie Strommasten aus der Luft.

Recherchen von OSTHESSEN|NEWS ergaben nun den Grund für die auffälligen Flugmanöver. ...

Das Unternehmen zählt zu den flächenmäßig größten Verteilnetzbetreibern Deutschlands und betreibt Hochspannungsleitungen in weiten Teilen Niedersachsens, Sachsen-Anhalts und Hessens. Die Gesamttrassenlänge beträgt nach Unternehmensangaben 6.033 Kilometer. Die Avacon AG hat ihren Sitz im niedersächsischen Helmstedt. Ihr Versorgungsgebiet reicht von der Nordseeküste bis nach Südhessen. Das Unternehmen gehört zum E.ON-Konzern und ist zugleich kommunal geprägt.

Der Helikopter ist im Auftrag des Energieversorgers Avacon unterwegs und erfasst ...

Routine-Kontrollflüge

Auf Anfrage von O|N bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass der Hubschrauber im Auftrag von Avacon eingesetzt wird. Hintergrund ist die schrittweise Digitalisierung und die Überprüfung des 110-kV-Netzes. Dabei werden die Stromtrassen aus der Luft detailliert aufgenommen, vermessen und anschließend digital erfasst. Zum Einsatz kommt spezielle Sensorik, die am Rumpf des Hubschraubers montiert ist. Avacon setzt dafür auf das SIEAERO-Multisensorsystem von Siemens Energy. Die Technologie kombiniert hochauflösende Sensoren mit Künstlicher Intelligenz und softwarebasierten Plattformen. So entsteht nach und nach ein detailliertes digitales Abbild der Hochspannungsinfrastruktur.

Hubschrauber kommt Leitungen bewusst nahe

Die vergleichsweise geringe Entfernung des Hubschraubers zu den Stromleitungen ist dabei Teil des Verfahrens. Für die Aufnahmen fliegt der Helikopter oberhalb und seitlich der Freileitungen. Der diagonale Abstand zum höchsten Punkt der Leitung beträgt etwa 20 bis 60 Meter. Dadurch können die benötigten Daten in einem möglichst günstigen Winkel von rund 60 Grad erfasst werden. Flugrouten und Einsatzzeiten werden täglich an die jeweiligen Wetterbedingungen angepasst. Damit soll eine möglichst hohe Qualität der Aufnahmen gewährleistet werden. Die gewonnenen Daten dienen unter anderem dazu, den Zustand der Stromnetzinfrastruktur schneller und genauer beurteilen zu können. Bei der anschließenden digitalen Analyse lassen sich beispielsweise Schäden an Strommasten, Verschmutzungen an Isolatoren oder notwendige Reparaturen an Leiterseilen frühzeitig erkennen. Auch Storchennester fallen hierunter.

Gleichzeitig erleichtert die dreidimensionale Darstellung des Netzes die Planung künftiger Baumaßnahmen. Auch Netzanschlussanfragen – etwa für neue Wind- oder Solarparks – sollen auf Grundlage der digitalen Daten schneller bearbeitet werden können. "Durch den Einsatz dieser Technologie erhalten wir ein umfassendes digitales Abbild unserer gesamten Hochspannungsinfrastruktur, das uns dabei unterstützt, den Zustand der Leitungen noch genauer zu überwachen und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen", erklärte Hendrik Korporal, Projektleiter bei der Avacon Netz GmbH, bereits im März 2026 in einer Pressemitteilung dazu. (ms) +++


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