16.09.26 - "Weltpolitisch spielen wir überhaupt keine Rolle" - diese und weitere schonungslose Aussagen traf der ARD-Wirtschaftsexperte Markus Gürne am Dienstagabend im Kolpinghaus in Hünfeld. Die VR-Bank NordRhön hatte den renommierten TV-Journalisten zu einer exklusiven Mitgliederveranstaltung eingeladen.
Gürne ordnet täglich im "Ersten" kurz vor der 20-Uhr-Tagesschau die aktuelle Wirtschaftswelt ein, setzt auf eine leicht verständliche Sprache und verfolgt dabei ein klares Ziel: "Wir erklären den Zusammenhang von Politik und Wirtschaft und welche Auswirkungen das für Sie hat. Dabei verzichten wir auf einen Zahlenfriedhof", sagte der gebürtige Stuttgarter, der mittlerweile in Frankfurt am Main lebt und die Sendung "Wirtschaft vor acht" moderiert.
Gerade in der aktuell schwierigen Zeit, die vielen Menschen Sorge bereitet, ist Aufklärung wichtig. Die Einschaltquoten für die Sendung der Börsenredaktion sind deutlich gestiegen, auch bei der Liveveranstaltung in Hünfeld sind die 350 Tickets schnell vergriffen.

VR-Bank-NordRhön-Vorstand Walter Mengel dankte dem Wirtschaftsexperten für ...
Der weitgereiste Journalist - der unter anderem vier Jahre Südasien einem Leben lang Kassel vorzog - ist in der globalen Wirtschaftswelt eng vernetzt, kennt die Denkweisen der Mächtigen dieser Welt und hat die Gabe, die komplexen Zusammenhänge anschaulich zu erklären. Welche Chancen hat Deutschland, hat Europa zwischen den Weltmächten, zwischen den USA und China? Beim Thema Künstliche Intelligenz hängt Europa hinterher: "Europa wird nie ein KI-Hotspot", sagte Gürne. Es geht um Daten und Rechenleistung, wo China beispielsweise schneller ist. "Wir laufen in eine Welt, in der Größe eine ziemliche Rolle spielt", sagte der Wirtschaftsexperte. China und Indien sind dramatisch viel schneller.
Und wir hier im einst so erfolgreichen Industrieland? Deutschland kann sich davon verabschieden, zu glauben, dass sich die Autoindustrie erholen werde, was gerade die Schwaben schwer ärgern dürfte. Die Chinesen produzieren günstiger. Einzige Chance für Deutschland und Europa: die ökonomische Kraft. Europa stellt den größten Binnenmarkt der Welt dar und ist hinter den USA der zweitstärkste Wirtschaftsraum. "Wir sind nah dran, sie sind aber die Einzigen, die den Dollar drucken können", sagte der ARD-Experte. Auf dieser Wirtschaftsmacht habe sich Deutschland zu lange ausgeruht und die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Das Problem: "Wir haben Fett angesetzt, sind in Schockstarre verharrt und haben nicht kapiert, in welcher Welt wir leben", sagte Gürne. Europa und Deutschland nutzen diese wirtschaftliche Kraft oft nicht als politischen Hebel und agieren zu zögerlich. "Es ist vorbei mit Geopolitik", zeigte er auf und erläuterte die Denkweisen etwa des Präsidenten aus China, Russlands Wladimir Putin und Donald Trump in den USA. Sie interessieren sich für die Stärke ihres Landes.
Markus Gürne empfiehlt, sich mit den Entwicklungen der Wirtschaft und dem politischen Handeln zu beschäftigen. "Die Ökonomie ist entscheidend. Haben Sie Mut und den Willen, es zu machen. Die Experten etwa der hiesigen Bank können unterstützen. Und trotz all der Herausforderungen sieht Gürne einen Silberstreif am Horizont: "Die Welt geht auch dieses Mal nicht unter."
VR-Bank-NordRhön-Vorstand Walter Mengel dankte dem Experten für seine wertvollen Einblicke. Das große Interesse der Mitglieder an dieser Veranstaltung zeigt, wie sehr sich die Menschen mit den Themen der Wirtschaftsentwicklung in einer komplizierten Weltlage beschäftigen. Nach dem gut einstündigen Vortrag blieb noch genügend Zeit, um bei Snacks und Kaltgetränken ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam sprechen, eine klare, schonungslose Sprache, anpacken, die Veränderungen, den Wandel in der Wirtschaftswelt annehmen und vor allem zu handeln - das wünschen sich viele Menschen an der Basis von der großen Politik. Auch wenn diese allein mit Geld die Probleme dieser Welt nicht lösen kann. (Hans-Hubertus Braune) +++